Vortrag von Malte Griesse
Der Vortrag beginnt um 14 Uhr ct in Raum C113 (Phil I, Historisches Institut).
Revolten und Verrechtlichungsprozesse? Mediale Vermittlung von Erfahrungen mit sozialem Protest in der Frühen Neuzeit:
Revoltenhistoriker wie Winfried Schulze haben die These vertreten, daß Aufstände in der Frühen Neuzeit längerfristige Prozesse der "Verrechtlichung" ausgelöst hätten. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen war das Hl. Röm. Reich. In meinem Vortrag möchte ich die These in einer europäischen Perspektive hinterfragen und neu diskutieren. Wenn es bei den Obrigkeiten Lerneffekte über Generationengrenzen hinweg gegeben haben sollte, dann läßt sich nicht mehr naiv von Revolten-"Erfahrung" sprechen. Es stellt sich die Frage nach der Kommemorierung von Aufständen. Wie sollte das funktionieren angesichts der gängigen obrigkeitlichen Praxis der damnatio memoriae? Meine These ist, daß erst die länder- und herrschaftsübergreifende mediale Vermittlung von Revoltenerfahrung solche Prozesse der Verrechtlichung möglich gemacht hat. Dabei lassen sich im Umgang mit herrschaftsübergreifenden Revoltendarstellungen deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern ausmachen, die zu einer Neubestimmung der Verrechtlichungsthese führen."
