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Workshop Intermedialität

Am 11. November 2011 veranstaltet das Graduiertenkolleg einen Workshop zum Thema "InterInter - zwischen Medien, zwischen Disziplinen".

InterInter - zwischen Medien, zwischen Disziplinen
11.11.2011 | Philosophicum I | Raum B29 | Universität Gießen

Der Begriff der Intermedialität blickt auf eine erstaunliche Karriere in den Kultur- und Medienwissenschaften zurück. Dabei standen das Konstatieren der intermedialen Verfasstheit eines Objektes sowie das Entwickeln einer Systematik und Kategorienordnung lange Zeit im Mittelpunkt. Häufig vernachlässigt wurde bei diesem Definitions- und Bestimmungsaufwand die kleinteilige analytische Arbeit an konkreten Beispielen. Der Workshop nähert sich dem Intermedialitätskonzept zunächst nicht mit der gewohnten, ontologisch orientierten Fragestellung. Vielmehr sollen die neuen Formenfelder Web Videos sowie Multimediale Foto-Essays, Neue Musik und Dramentexte an konkreten Beispielen in Hinblick auf mögliche Funktionen intermedialer Bezüge untersucht und diskutiert werden. Die Kombination ästhetischer Formen aus unterschiedlichen medialen Kontexten und Epochen hat dabei, so die Ausgangshypothese, einen wesentlichen Effekt auf inhaltliche Denotationen und Konnotationen. An diesen Effekt wiederum können unterschiedlich gelagerte Fragen angeschlossen werden: Wie können die durch intermediale Bezüge entstandenen Formenfelder angemessen beschrieben werden? Kann die Kopplung zwischen Formenfeld und dem Möglichkeitsraum der Aussagen auf struktureller Ebene, also im Sinne von Strategien, bestimmt werden? Welche Kriterien für eine medien-/musik-/literatur- /bildkritische Einschätzung lassen sich daraus ableiten?

Von der intermedialen Beschaffenheit der zu diskutierenden Beispiele ausgehend fragen wir nach dem Wie, eventuell auch nach dem Warum der gewählten Formen. Am Ende der Einzelbesprechungen soll der Versuch stehen, eine disziplinenübergreifende Frage an das Intermediale zu formulieren: statt der vorgängig Kategorien bildenden Vogelperspektive die Analyse der konkreten Beispiele den Blick auf explizite und implizite intermediale Strukturen freilegen.


Anna Schürmer (Musik- und Kulturwissenschaften): Intermediale Formenfelder der Neuen Musik

 

Neue Musik ist eine hybride Kunstform, in der sich nicht nur diverse Stile und Techniken mischen, sondern oftmals auch Bezüge zu anderen Kunst- und Denkformen nachweisen lassen. Musik – als Medium gedacht – weist damit, insbesondere im Zeitalter der technischen Dispositive, vielfältige multi- und intermediale Bezüge auf, die von transmedialen Übersetzungen, Medienwechseln und -kombinationen bis hin zu Medientechniken im künstlerischen Konflikt zwischen Mensch und Maschine, auch im Zusammenhang mit der zeitbedingten Veränderung der Medienkanäle reichen. Nicht zuletzt die medientechnischen Innovationen des Zweiten Weltkrieges förderten in seiner Folge medienästhetische Experimente und intermediale Bezugnahmen der musikalischen Avantgarde, die einen Diskurs über intermediale Formenfelder der Neuen Musik ermöglichen.


Benjamin Inal (Literaturwissenschaften/Romanistik): Medienkombinationen im Drama

 

Ausgehend von dem die Bombardierung von Gernika sowie Picassos Gemälde thematisierenden Dramentext Guernica (1969 geschrieben, 1975 erstmals veröffentlicht) des spanischen Autors Jerónimo López Mozo möchte ich herausarbeiten, in welchem Verhältnis die im Stück kombinierten Medien (Geräusche, Musik, Text bzw. Figurenrede, Bild, Film) stehen.

Welche Funktionshypothesen können an das Zusammenspiel der verschiedenen Medien herangetragen werden bzw. wie stützt oder verstärkt die Kombination verschiedener Medien die Aussagekraft bzw. das Narrativ des dramatischen Textes bzw. seiner Inszenierung? Im Zuge dieser Fragen soll insbesondere nach der Verbindung von Intermedialität und Erinnerungskultur gefragt werden. Denn schließlich handelt es sich bei Guernica um die literarische Inszenierung eines historischen Ereignisses sowie eines Gemäldes, welche in unterschiedlichen erinnerungskulturellen Kontexten als besonders konfliktgeladen und polyvalent angesehen werden können.

 

Sascha Simons (Medienwissenschaften): Quelle Internet. Trans- und intermediale Bezüge zwischen Web Videos und TV.

 

Das Web 2.0 ist in mindestens zwei Hinsichten ein Hybridmedium: Seine Anwendungen, Entwickler und Nutzer vermischen nicht nur Darstellungskonventionen unterschiedlichster medialer Provenienz, sondern provozieren zudem etablierte mediale Prozesse mit neuen Aneignungs- und Nutzungsweisen. Im Verbund mit der Liberalisierung der Produktionsmittel haben Kopplungen vormals getrennter medialer Formen unter anderem zu einer Aufladung des medienhistorisch neuen Formenfeldes Web Video geführt, das sich seit den politischen Unruhen im Iran 2009 von seiner Attraktions- und Vaudeville-Ästhetik emanzipiert und als authentisches Ereignismedium neben Rundfunk- und Printmedien etabliert hat.

Wie aber werden die Konstellationen zwischen den unterschiedlichen Formen des Dokumentarischen durch diese grassroots-Audiovisionen rekonfiguriert? Ich möchte mich auf die morphologischen Interferenzen zwischenTV- Berichterstattung und Web Videos konzentrieren und dabei in zwei Schritten unterschiedliche Ebenen medienüberschreitender Bezugnahmen herausarbeiten: Zunächst werde ich mich in transmedialer Perspektive den formästhetischen Konsequenzen und sinnlichen Übersetzungen medientechnischer Konvergenzprozesse von TV/Video (Aufzeichnung), Telefonnetz (Distribution), Datenbank (Speicherung) und Computer (Steuerung, Protokolle und Bedienung) auf Web Video-Plattformen widmen. Anschließend möchte ich am Beispiel der Verwendung von Web Videos in TV-Nachrichten veranschaulichen, inwiefern die diskursive Identität des Mediums TV durch intermediale Referenzen gestärkt wird, während sich seine ,kulturelle Form‘ (Williams) zunehmend von der zuvor identitätsstiftenden technologischen Basis löst.


Ulrike Heine (Kunstgeschichte/Kulturwissenschaften): Multimediale Foto-Essays

 

2008 produzierte das Multimedia-Studio Magnum in Motion in Auftrag des Entwicklungsrates der Vereinten Nationen (UNDP) den multimedialen Essay Climate Change – One Planet, One Chance. Dabei wurden Fotografien aus dem Archiv der Fotoagentur Magnum Photos mit Text, animierten Statistiken, Film- und Audio-Footage kombiniert. Multimediale Foto-Essays dieser Art haben sich zu einem neuen Format im (bild- )journalistischen Bereich entwickelt. Sie verhandeln das Medium Fotografie neu, indem sie es in mediale Zusammenhänge einbinden. Welche Funktionen übernehmen Fotografien dabei in Hinblick auf die argumentative Struktur des Essays? Welche Möglichkeiten an intermedialen Wechselwirkungen ergeben sich zwischen dem Einzelbild und anderen Komponenten?

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ZMI

 

 

 SFB Erinnerungskulturen

 

Redaktion
13.04.2012 16:00
 

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