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Forschung

Am Beginn meiner wissenschaftlichen Arbeit stand eine kurze Dissertation ("Identität und Institution", Düsseldorf 1973), in der in systematischer Weise vier zeitgenössische Sozialphilosophien verglichen wurden: die von Theodor W. Adorno und Gehlen einerseits und die von Jürgen Habermas und Niklas Luhmann anderseits. Besonders das Kapitel über Adorno wurde zum Anlass einer langjährigen ideengeschichtlichen Beschäftigung mit der frühen Kritischen Theorie. Diese Arbeiten mündeten 1978 in der Habilitationsschrift "Wissenschaftsorganisation und politische Erfahrung", Frankfurt 1978 (in engl. Übersetzung "Theory and Politics", MIT-Press, Cambridge Mass. 1986) In den folgenden Jahren habe ich einer Reihe von kultursoziologischen und politiktheoretischen Aufsätzen geschrieben, die zum grössten Teil in der Zeitschrift "Merkur" erschienen sind. Ihr Leitthema ist das der normativen Integration moderner Gesellschaften unter Bedingungen eines hohen Grades kultureller Pluralisierung. Eine Sammlung dieser Aufsätze erschien 1994 unter dem Titel "Ungewißheit und Politik", Frankfurt. Unter dem historischen Eindruck der demokratischen Revolutionen in Osteuropa und unter dem theoretischen Einfluss der politischen Philosophie Hannah Arendts begann ich mich für Probleme der Demokratietheorie zu interessieren. Erste Frucht dieser Arbeiten ist das zusammen mit Günther Frankenberg und Ulrich Rödel verfasste Buch "Die demokratische Frage", Frankfurt 199o. Darin wird unter dem Einfluß der Position eines linken Antitotalitarismus (Cornelius Castoriadis, Claude Lefort und Marcel Gauchet) ein Modell der Demokratie entworfen, das sowohl die elitendemokratischen Tendenzen in westlichen Gesellschaften kritsiert als auch die totalitären Tendenzen des (ehemaligen) Realsozialismus. - In den 9oer Jahren habe ich mich Problemen zugewandt, für die sich inzwischen der Begriff "Vergangenheitspolitik" durchgesetzt hat.In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt habe ich für den Zeitraum von 1949 bis 1997 die Debatten des Deutschen Bundestages unter dem Gesichtspunkt analysiert, wie und mit welchen Konsequenzen die Ära des NS-Staates im allgemeinen und der Holocaust im besonderen öffentlich reflektiert wird. Dieses Forschungsprojekt, an dem ich fast ein ganzes Jahrzehnt gearbeitet habe, wird gegenwärtig abgeschlossen. Das Manuskript wird im Februar 1999 im Hanser-Verlag München erscheinen. Nach dem Stand der gegenwärtigen Planung wird der Titel lauten "Demokratie und Schuld. Die Reflexion des NS-Staates in den Debatten des Deutschen Bundestags." Meine nächste Studie behandelt aus theoretischer wie empirischer Sicht Probleme der demokratischen Streitkultur. Ich habe in mehreren Aufsätzen Simmels klassische Intuition, daß Konflikte integrativ wirken können, mit den Begriffen gegenwärtiger Demokratietheorie ausbuchstabiert. Daraufhin hat sich eine Debatte mit dem Nestor der politischen Wissenschaft in den USA, Albert Hirschman, entwickelt. Der neueste Stand dieser Diskussion wird repräsentiert durch meinen Aufsatz "Cultivated Conflicts", der im Heft 1, 1998 der Zeitschrift "Political Theory" erscheinen wird. Im Laufe der nächsten 18 Monate soll aus diesen Vorstudien ein Buch entstehen, das auch mehrere Fallstudien über empirische "Anerkennungs-" und "Verteilungskonflikte" enthalten wird.



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