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Kurt Gerhard Fischer

Nachruf

Fischernachruf

Am 1. Dezember 2001 verstarb an seinen letzten Wohnort in Süditalien Professor Dr. Kurt Gerhard Fischer. Fischer bildete zwischen 1962 und 1986 zunächst als Dozent, später als Professor für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen angehende Lehrerinnen und Lehrer im Fach Sozialkunde aus. Er gehörte zu den führenden und einflussreichsten Wissenschaftlern in diesem Fachgebiet in der Bundesrepublik. Fischer hat mit seinen Schriften wesentlich dazu beigetragen, der politischen Bildung in der Demokratie ein wissenschaftliches Fundament zu geben. Sein mit zwei Ko-Autoren 1960 erschienenes Werk „Der politische Unterricht“ gilt als erstes grundlegendes Werk eines wissen-schaftlichen Theorie der politischen Bildung in Deutschland und hat eine breite Wirkung entfaltet. Als Schulbuchautor und Mitverfasser von Lehrplänen hat er in die Praxis des Unter-richts in dem jungen, in vielen Bundesländern erst in den 1960er-Jahren eingeführten Schulfach Sozialkunde gewirkt. Als Zweiter Bundesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für politische Bildung organisierte er 1982 in Gießen den ersten bundesweiten wissenschaftlichen Kongress für politische Bildung.
Fischers Wirken blieb aber weder auf die politische Bildung in der Schule noch auf die Bundesrepublik Deutschland beschränkt. Zu seinen höchst einflussreichen Schriften zur Didaktik der Sozialkunde kamen Arbeiten zur Erwachsenenbildung und zur Geschichte der Pädagogik hinzu. Unter anderem galt Fischer als einer der profiliertesten Experten für die Pädagogik Adalbert Stifters, was ihm die Mitgliedschaft in der Adalbert-Stifter-Akademie des Landes Oberösterreich und die Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich eintrug. Eng verbunden fühlte sich Fischer auch mit Italien; er gab Schriften italienischer Pädagogen in deutscher Sprache heraus und verfasste zwei literarische Werke über Italiens Süden. Eine seiner wichtigsten wissenschaftlichen Schriften, die 1970 erstmals erschienene „Einführung in die Politische Bildung“, wurde auch ins Italienische übersetzt.
Geboren 1928 in Leipzig und 1948 in den Westen übergesiedelt, nachdem ihm aus politischen Gründen das weitere Studium in Leipzig untersagt wurde, blieb die „Deutsche Frage“ eines seiner Lebensthemen. Gleichzeitig widmete er sich schon in den 1970er-Jahren Fragen inter-kulturellen Lernens und in den 1980er-Jahren mit einem großen international vergleichenden Forschungsprojekt der Situation der politischen Bildung in Westeuropa und Perspek-tiven ihrer Europäisierung. Fischers Hauptthema, das sich durch vielen Facetten seines wissenschaftlichen Werks zieht, war aber die Erziehung zur Demokratie und das Engagement für eine Pädagogik, die das ihr Mögliche tut, um einem erneuten Rückfall in die Barbarei entgegenzuwirken.

Wolfgang Sander


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