Besand, Anja: Angst vor der Oberfläche
Kurzbeschreibung:
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Ästhetik und Politik nicht viel miteinander gemeinsam haben. Ja man könnte sogar sagen, dass zuviel Ästhetik für die Politik und ihre Vermittlung schädlich ist. Bis heute findet man in den Sozialwissenschaften – aber vor allem in der politischen Bildung – immer wieder diese tief sitzende Furcht vor Oberflächen und Erscheinungen, vor Ästhetisierung und Verblendung.
Doch lassen sich Ästhetik und Politik heute überhaupt noch sinnvoll trennen? In ihrem Buch Angst vor der Oberfläche widerspricht Anja Besand einer solchen Vorstellung energisch. Sie zeigt, dass das Ästhetische im Medienzeitalter ein wichtiger Bezugs- und Reflexionspunkt für Politik und Gesellschaft geworden ist und dass ästhetische Fragestellungen deshalb auch aus der Beschäftigung mit Politik nicht ausgespart bleiben dürfen. Doch mit diesem Befund gibt sich die Autorin noch nicht zufrieden. Ihr geht es nicht nur darum, die Bedeutung des Ästhetischen im Gegenstandsbereich der politischen Bildung nachzuweisen, sondern das Ästhetische als Reflexionskategorie der Politikdidaktik umfassend zu erschließen und damit nicht zuletzt auch die ästhetische Verfassung des Faches selbst genauer in den Blick zu nehmen.
Das Resultat dieser Analyse fällt - obwohl amüsant zu lesen - für die politische Bildung einigermaßen desaströs aus. Anja Besand kann zeigen, dass die politische Bildung durch ihre demonstrative Nüchternheit und ästhetische Unaufmerksamkeit Gefahr läuft, sowohl den Bezug zu ihrem Gegenstand als auch zu ihren Adressaten aufs Spiel zu setzten.
Die Crux mit der Ästhetik ist, man entkommt ihr nicht. So gestaltungsfern man sich auch gibt in einer Zeit und Gesellschaft, in der die Wahrnehmungsmuster – vorgeprägt durch Medien aller Art – sich eben auch an ästhetischen Erscheinungsweisen orientieren, kommt auch die politische Bildung nicht umhin, sich über ihre Oberflächen und die Wirkungen, die sie damit erzielt, Gedanken zu machen.