Die Grabung in Perge
| Akropolis von Perge |
Einführung |
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Die freundschaftliche Einladung von H. Abbasoglu zur Mitarbeit an den von ihm seit 1988 geleiteten Ausgrabungen der späthellenistisch-römischen Stadt Perge
führte 1993 zu dem gemeinsamen Projekt der Universitäten Istanbul und
Giessen, nach den historisch überlieferten älteren Siedlungsphasen zu
suchen. |
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| Eine Akropolis ? |
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Aufgrund der strategischen Lage des nördlich gelegenen Tafelberg, der
seit Lanckoronski (1890) als Akropolis bezeichnet wird, und aufgrund
der Ausrichtung der Hauptstraße des Stadt darauf, erschien das knapp 90
m hoch gelegene, an seinen Flanken steil abfallende Plateau als ideale
Siedlungslage vorhellenistischer Zeit für diese Fragestellung geradezu
prädestiniert. |
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Diese Prospektionsphase von 1994-1997 im Rahmen des
DFG-Schwerpunktprogramms "Grundlagenforschung in Kleinasien" führte zu
der Erkenntnis, dass der Tafelberg von spätneolithischer oder
frühchalkolithischer bis mittelbyzantinischer Zeit besiedelt war. |
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Links: Fragment eines Wagenlenkers, Terrakotta, 6. Jh. v. Chr., Inv. K105.97
Rechts: Frühklassisches Frauenkopfprotom, Terrakotta, um 480/70 v. Chr., Inv. K40.95.2 |
| Die Ergebnisse dieser Untersuchungsphase sind in H. Abbasoglu - W. Martini, Die Akropolis von Perge I. Survey und Sondagen 1994-1997 (2003) publiziert. Seit 1998 wird etwa in der Mitte des Tafelbergs gegraben (Fläche 1), da nur dort die Sondagen mächtigere früheisenzeitliche Schichten erwarten ließen. 2000-2001 wurde außerdem im Westbereich des Tafelbergs gegraben, um dort ein sakrales Zentrum der Akropolis klassischer Zeit zu untersuchen. |
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Die baulichen Reste, die in den seit 1999 im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms "Wege und Formen der Akkulturation im östlichen Mittelmeergebiet" alljährlich durchgeführten fünfwöchigen Kampagnen in Perge festgestellt werden konnten, dokumentieren eine aufwendige Befestigung und dichte urbane Bebauung des größeren Teils des Plateaus, die nach den bisherigen Einzelfunden von geometrischer bis in mittelbyzantinische Zeit andauerte. Darüber hinaus bezeugen Keramik, Kleingeräte aus Silex und Obsidian und Bestattungen die Anwesenheit von Menschen auf dem Tafelberg seit dem späten Neolithikum oder dem frühen Chalkolithikum. |
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Der vorläufige Gesamtplan ist durch Großbauten klassischer bis
frühbyzantinischer Zeit, das teilweise sondierte Straßensystem und eine
komplexe Befestigung vor allem am Südhang wie in geringerem Maß an der
Westseite gekennzeichnet. Nicht besiedelt war der Nordteil des
Tafelbergs, auf dem sich wie an den Hängen im Norden, Westen und
Südwesten Nekropolen ausbreiteten.
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Nach Norden führen Treppen in das sog. Ostviertel mit dichter
Wohnbebauung in einem orthogonalen Straßensystem seit archaischer Zeit
und topographisch angepaßte Straßen auf den sog. Osthügel mit drei
repräsentativen Wohnkomplexen seit klassischer Zeit, die vermutlich der
lokalen Elite als Wohnsitz dienten. Die 11 m breite Hauptstraße
verläuft nach Westen auf 90 m vorbei an natürlichen und künstlichen,
einst wasserführenden Kultgrotten, auf das eigentliche Plateau des
Tafelbergs und passiert ein gut 40x40 m großes hellenistisches Peristyl. |
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Panzertorso, Inv. K 19.95 |
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In der sich nördlich anschließenden Mulde breiten sich mehrere hellenistische und kaiserzeitliche Großbauten aus, von denen zwei als Bauplatz für frühbyzantinische Basiliken von gut 45 m Länge genutzt wurden. Eine dritte früh- bis mittelbyzantinische Basilika befindet sich im Bereich des östlichen Heiligtums. Auf dem sog. Westhügel dominieren mehrfach überbaute größere Bauwerke klassischer Zeit, darunter zwei Säulenhallen. Am nördlichen Hang dieses Hügels endet die urbane Bebauung mit einer Mauer und Toranlage, von der aus die Straße zum Westtor und anschließend zu der Nekropole im Westhang führte, die sich in der Kaiserzeit in der Ebene fortsetzte und seit 1998 von H. Abbasoglu ausgegraben wird. Außerdem führt die Straße nach Norden vorbei an einem kaiserzeitlichen Columbarium, das als Coemeterium in christlicher Zeit weiter belegt wurde, zur Grabbautenterasse des 4. Jhs.v.Chr. auf dem sog. Nordhügel. |
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Der Kern der urbanen früheisenzeitlichen Besiedlung liegt nicht zufällig in der großen Mulde zwischen Ost- und Westhügel. Offenbar entfaltete sich schon die prähisorische Besiedlung, die sich durch drei Kindergräber und einen erwachsenen Hocker mit Speerspitze andeutet, in diesem Bereich. Während den wenigen hethitischen und mykenischen Scherben bisher keine Baureste zugeordnet werden können, werden die ältesten Reste der annähernd orthogonal angelegten Wohnbauten durch zyprische Importkeramik seit dem späten 9. Jh.datiert. Rhodische Reliefamphoren und Knickrandschalen kennzeichnen die nächste Hauptphase der Bebauung und dokumentieren seit dem frühen 7.Jh.v.Chr. starken griechischen Einfluß, der seit dem 5.Jh.v.Chr. dominiert und in Fläche 1 sich in dem Quaderwerk des großen Bankettraums manifestiert. Während südlich und westlich die archaischen Bauten hellenistisch und kaiserzeitlich überbaut wurden, blieben der Bankettbau, die ‚Kultgrotte' und das kleine Heiligtum mit Stelenbasis bis in die Späte Kaiserzeit zugänglich und unterstreichen den sakralen Charakter dieses Bereichs. |
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Keramik und Terrakotten veranschaulichen die Mischung verschiedenster kultureller Prägungen. Neben der dominanten zypro-geometrischen Keramik findet sich etwa im 8. Jh.v.Chr. gleichzeitig auch zentralanatolische Keramik; im 7.Jh.v.Chr. kommen ägäisches und späthethitisches Formen- und Gedankengut hinzu. |
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Trotz der Dominanz griechischen Formenguts seit frühklassischer Zeit, die sich in griech. Keramik und Votiven äußert, und die aufgrund eines Zerstörungshorizonts in Fläche 1 gegen 470 v.Chr. mit der Schlacht am Eurymedon und einer möglichen attischen Kleruchie in Perge in Beziehung gesetzt werden kann, bleibt angesichts der bekannten Inschrift des frühen 4. Jhs.v.Chr. für Vanassa Preia oder eines Gefäßfragments des 5. Jhs.v.Chr. mit sidetischen Schriftzeichen eine starke lokale Komponente erhalten, die auch den eigenartigen Sakralbau auf dem Westhügel prägt. |
| Ausblick |
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Die neue archäologische Evidenz bestätigt zwar noch nicht eindeutig die
These Ottens von der Existenz von Perge in hethitischer Zeit und gewiß
nicht die antike Überlieferung der Gründung von Perge und anderer
pamphylischer Städte durch am Trojanischen Krieg beteiligte Griechen;
sie zeigt aber, dass nach hethitischen und mykenischen Kontakten
spätestens seit dem 9./8. Jh.v.Chr. eine urbane Besiedlung mit stark
zyprischer Prägung zu beobachten ist, die im Lauf des 8. Jh.v.Chr.
durch zentralanatolische Keramik eine weitere kulturelle Komponente
erhält. |
| Ziele künftiger Forschungen |
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Die wichtigsten Ziele künftiger Forschungen auf der Akropolis von Perge sind daher: |
| Gießen 2001, Wolfram Martini |