Vorstellung des Fachs
Altes Testament
Die Auslegung der Bibel hat im Protestantismus traditionell eine zentrale Bedeutung. Das Alte Testament bildet den ersten und umfangreicheren Teil der christlichen Bibel und ist zugleich auch heilige Schrift der Jüdinnen und Juden. Es wird immer häufiger auch ‚Hebräische Bibel’ oder ‚Erstes Testament’ genannt. Diese Bezeichnungen sollen im Gedächtnis halten, dass diese Schriftensammlung auch genuin jüdisches Erbe darstellt und eigenständiges Zeugnis vom biblischen Gott ist – eben nicht überholter Vorläufer des Neuen Testaments.
Die Schriften des Ersten Testaments sind im ersten Jahrtausend v. Chr. entstanden. Ihre Entstehung innerhalb dieses langen Zeitraumes verdankt sich den wechselvollen politischen und sozialen Bedingungen Israels und seines Austausches mit den Religionen und Kulturen der altorientalischen Welt. Die Überlieferungen des Ersten Testaments sind somit Glaubenszeugnisse einer vergangenen Zeit und Kultur. Darin sind sie uns heute vielfach fremd und unverständlich. Die Aufgabe der Exegese ist es, diese Texte in ihrer Eigenart wahrzunehmen, zu erklären und zu Gehör zu bringen. Darüber hinaus ist ihre Wirkungsgeschichte zu bedenken sowie ihre Bedeutung für die Gegenwart zu reflektieren.
Die alttestamentliche Wissenschaft ordnet sich in ihren methodischen Mitteln, ihren Prämissen und ihrem Interesse in den Kanon der Wissenschaften ein. Sie gehört in den allgemeinen Rahmen der Geisteswissenschaften. Sie ist interdisziplinär ausgerichtet und arbeitet im Horizont von Religions-, Zeit- und Sozialgeschichte sowie von Sprach- und Literaturwissenschaft. Seit der Aufklärung hat sich die Bibelwissenschaft methodologischen Entwicklungen geöffnet und damit das Verstehen biblischer Texte gefördert. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen, die biblische Exegese ist offen für neue Impulse.