Vorstellung des Fachs
Neues Testament
Die Auslegung der Bibel hat im Protestantismus traditionell eine zentrale Bedeutung. Das Neue Testament bildet den zweiten und schmaleren Teil der christlichen Bibel. Es enthält die Zeugnisse, die einen Zugang zum historischen Jesus und zur frühchristlichen Verkündigung ermöglichen. Nicht vergessen werden sollte, dass Jesus Jude und die ersten Christinnen und Christen ebenfalls Jüdinnen und Juden waren. Für sie waren die Thora und die prophetischen Schriften des Ersten Testaments die heilige Schrift.
Die Schriften des Neuen Testaments sind zwischen 50 und 150 n. Chr. entstanden. Sie enthalten im Wesentlichen theologische Deutungen Jesu und ethische Anweisungen, die beeinflusst sind von religiösen Vorstellungen der hellenistisch-römischen Welt und den politischen und sozialen Bedingungen jener Zeit. Darin sind sie uns heute vielfach fremd. Die Aufgabe der Exegese ist es, diese Schriften als solche wahrzunehmen und zu Gehör zu bringen sowie unter Berücksichtigung der Wirkungsgeschichte ihre Bedeutung für die Gegenwart zu reflektieren.
Die neutestamentliche Wissenschaft ordnet sich in ihren methodischen Mitteln, ihren Prämissen und ihrem Interesse in den Kanon der Wissenschaften ein. Sie gehört in den allgemeinen Rahmen der Geisteswissenschaften. Sie ist interdisziplinär ausgerichtet und arbeitet im Horizont von Religions-, Zeit- und Sozialgeschichte sowie von Sprach- und Literaturwissenschaft. Seit der Aufklärung hat sich die Bibelwissenschaft methodologischen Entwicklungen geöffnet und damit das Verstehen der biblischen Texte gefördert. Dieser Prozess ist nicht abgeschlossen, die biblische Exegese ist offen für neue Impulse.