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Vorstellung des Fachs

Praktische Theologie/Religionspädagogik

Die Praktische Theologie handelt im Verbund aller theologischer Disziplinen, die auf unterschiedliche Weise die Entstehung und die Geschichte, das Wesen und die Wirkung, den Sinngehalt und die Inhalte, die Ideen und die Praktiken der christlichen Religion darzustellen und zu reflektieren suchen. Dabei ist sie diejenige Disziplin, die insbesondere die historische und gegenwärtige Religionspraxis zu ihrem Thema macht, und zwar auf zwei Ebenen: Ihren ersten großen Focus richtet sie auf die kirchlich vermittelte christliche Praxis, wie sie vor allem im kirchlichen Binnensektor nachgewiesen, beschrieben, verstanden und gestaltet werden kann. Ihr zweiter, ebenso intensiver Blick freilich richtet sich auf Kultur und Gesellschaft generell, wo sich alltagskulturell vermittelte Lebenspraktiken und Orientierungsstrategien als Fragmente einer religiösen Sinndeutungspraxis erkennen lassen.

Dazu braucht es natürlich ein Theorieddesign, das nur im Dialog mit bzw. in Definition zu anderen Wissenschaften gewonnen werden kann: Was Religion überhaupt ist, was Individuum, Subjekt und Kultur, wie ein Mensch zum Menschen wird, sich und seine Ideen vom Leben entwickelt, Sinn sucht und findet, wie Gesellschaft im Ganzen funktioniert, sich aber de facto auch in Milieus und Lebensstilgruppen aufsplittert, was Medien damit zu tun haben, welche Rolle Kommunikation und Interaktion, Bildung und Lernen, Spiel und Sprache insgesamt  zukommt – zu all diesen wichtigen Fragen versucht die Praktische Theologie einen klärenden Beitrag zu leisten. Sie tut dies vor allem, indem sie in ständigem Bezug zu den christlichen Gottesbildern und Glaubenslehren die Bedeutung und Relevanz all derjenigen symbolischen Formen, Formatierungen und Bedeutungssysteme reflektiert, die sich auf Erfahrungen mit dem Unverfügbaren und Unbedingten beziehen lassen können.

Auf dreifache Weise nimmt die Praktische Theologie diese Arbeit auf - und geht deskriptiv, hermeneutisch und normativ vor: Zum ersten nimmt sie „wahr“ – und stellt historische und aktuelle, phänomenologisch und soziologisch greifbare (religionspraktisch valente) Konkretionen zusammen und dar: von Riten, Praktiken, Sitten, Gebräuchen, Regelwerken, Moralia über Gruppen, Kreise, Schichten, Klassen, Milieus, Systeme sowie Medien, Architekturen und Kunstformen bis hin zu Sprachen, Sprachspielen, Jargons, Bildern und Ritualen. Sodann versucht sie verstehend zu erschließen und zu rekonstruieren, von welchen Sinnmustern, Lebensdeutungsintegralen, Orientierungshilfen und Identifikationsangeboten Gebrauch gemacht wird und wie diese kommuniziert werden. Schließlich versucht sie sich daran, ein Urteil abzugeben, zu bewerten, zu kategorisieren und zu systematisieren.

Im Ergebnis freilich verfolgt sie ein doppeltes Ziel. Das eine ist die Reflexion der Bedingung der Möglichkeit religiöser Praxis generell, ein Verstehen des menschlichen religiösen Handelns sowohl vor dem Horizont eines kirchlich-theologischen als auch eines phänomenologisch-kulturanthropologischen Religionsbegriffes. Das andere aber ist eine Reflexion der kirchlichen Praxis zum besonderen Zwecke seiner ständigen Verbesserung und Aktualisierung - mit der ganz konkreten Absicht, Kunstregeln, Instrumente und Methoden für eine gelungene (kirchlich-)christliche Praxis zu entwickeln.

Dies alles gilt auch für die Religionspädagogik und die Religionsdidaktik, so sie sich weniger als untergeordnete Teildisziplin(en) der Pädagogik oder gar im Sinne schlichter Anwendungswissenschaften oder Umsetzungslehren missverstehen lassen wollen, sondern den Anspruch einer theologisch verpflichteten Reflexionswissenschaft aufrecht halten: Als solche nämlich geht die Religionspädagogik der Aufgabe nach, im Kontext eines kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Diskurses anschaulich und plausibel zu machen, wie aus ihrer Sicht (religiöse) Entwicklung, Bildung und Erziehung zu verstehen und zu beschreiben ist, während die Religionsdidaktik ihrem recht ähnlichen Auftrag nachkommt, Sinn, Recht und Grenzen religiösen Lernens (und Lehrens) sowohl theologisch sicher als auch gegenwartskommunikabel und wissenschaftskompatibel zu definieren.

Am Ende sind es genau diese auf sachgerechte Präzision und wissenschaftliche Akkuratesse drängenden Reflexionen, die auch hinsichtlich ihrer gegenwartskulturell-alltagsrelevanten Anschlussfähigkeit wenig schuldig bleiben, sondern jene gedeihliche Praxis (des Verstehens und Handelns) ermöglichen, auf die die gesamt Praktische Theologie – als theologische Kulturwissenschaft! - abzielt.

 

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