Vorstellung des Fachs
Systematische Theologie
Systematische Theologie in ihrer Unterscheidung von Dogmatik und Ethik sieht sich verpflichtet, den Gegenwartsanspruch von Theologie im Licht der Tradition zu formulieren. Sie muss demnach einerseits die christliche Tradition in ihrem Reichtum kennen, also Gedächtnisarbeit leisten, andererseits deren Relevanz im Hinblick auf die Deutungskraft für das Selbstverständnis und die Handlungsorientierung menschlichen Daseins in der Gegenwart prüfen und benennen.
Diese Aufgabenstellung impliziert, dass das Thema der Theologie, die Deutung des Daseins im Lichte der Wirklichkeit Gottes, sich nicht auf Randphänomene religiösen Lebens bezieht, etwa auf die Bewältigung von Kontingenz oder auf die Sehnsucht nach einer metaphysischen Hinterwelt, sondern dass sie die Bewältigung und Verantwortung des Daseins als solchem vor Augen hat. Es geht in ihr um Deutung und Gestaltung humaner Wirklichkeit überhaupt.
In dieser Aufgabe ist die Beziehung von Dogmatik und Ethik begründet und darüber hinaus die disziplinenübergreifenden Aneignung von Fachwissen. Da die Gestaltungsaufgabe das menschliche Dasein als Ganzes umfasst, bedarf diese zu ihrer Lösung nicht nur ethisches, sondern auch technisches Wissen im Sinne von Fachwissen. Interdisziplinarität ist daher ein genuines Desiderat Systematischer Theologie. Als Deutung humaner Wirklichkeit unter der Signatur des Pluralismus bedarf sie ebenfalls des interkulturellen und interreligiösen Dialogs.