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Sonderforschungsbereich "Erinnerungskulturen"

Teilprojekt B13 Zwischen Vergangenheitsbezug und Gegenwartsgestaltung: Politische 'Memoria' und politische Prophezeiungen an spätmittelalterlichen deutschen Königs- und Fürstenhöfen


B Erinnerungskulturen und Gruppenidentitäten im Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Teilprojekt: B13 Zwischen Vergangenheitsbezug und Gegenwartsgestaltung: Politische 'Memoria' und politische Prophezeiungen an spätmittelalterlichen deutschen Königs- und Fürstenhöfen.

1. Arbeitsvorhaben: Politische Memoria


Mitarbeiter


Projektskizze

Fürstliche Herrschaft bedurfte stets der auf Erinnerung basierenden Legitimation durch Herkommen. Das Projekt widmet sich der Frage, wie diese Legitimation über erinnerungskulturelle Strategien konstruiert wurde. So wichtig die geistliche Memoria auch für die Seele des Herrschers war, so wenig beschränkte sich Erinnerung auf sie: Erinnerung bezog sowohl den natürlichen Körper des Herrschers wie seinen politischen ein, sie galt dem Individuum wie der exemplarischen Erfüllung des Amts. Dies wiederum hatte Rückwirkungen auf die politische "Erziehung" und die politische Praxis: So beruhten die Lehren der Fürstenspiegel nicht nur auf theologischen und/oder politiktheoretischen Überlegungen, sondern sie nahmen auch auf tradierte Handlungs- und Deutungsmuster Bezug. Historische Exempla dienten als Beleg; doch auch Herrscheranekdoten, Preis- und Leichenreden, Spruchdichtung und erzählende Quellen formten Erinnerung so, dass daraus praxisrelevante Beispiele für gelungene oder misslungene Herrschaftsausübung gewonnen werden konnten. Zu untersuchen sind Selektion, Stilisierung und Aktualisierung vor dem Hintergrund gängiger narrativer, aber auch paränetischer Techniken.

Soweit möglich, soll aber auch nach der (selteneren) Verwendung rezenter historischer Beispiele, die noch im kommunikativen Gedächtnis wurzelten, in Fürstenspiegeln, in der Historiographie oder in Predigten gefragt werden. Was den Gebrauch von Exempla und Anekdoten betrifft, soll nicht nur der Gebrauch innerhalb einer Quellengattung, sondern auch der Austausch von Motiven und Argumentationsmustern zwischen verschiedenen Gattungen erforscht werden. Dies ist von besonderem Interesse, denn es ist davon auszugehen, dass die unterschiedlichen Literaturgattungen unterschiedliche Werthaltungen propagierten.

Als Untersuchungsgegenstand ist der Hof Kaiser Friedrichs III. vorgesehen, an dem aufgrund virulenter politischer und literarischer Konkurrenzen auch das Ringen um die "Erinnerungshoheit" nachvollzogen werden kann.



2. Arbeitsvorhaben: Politische Prophetie


Mitarbeiter


Projektskizze

Untersucht werden sollen die Wechselwirkungen zwischen politischer Prophezeiung und Politik im römisch-deutschen Reich des 15. Jh., besonders zur Zeit der Regierung der Kaiser Sigismund und Friedrich III. Dabei ist nach dem bisherigen Kenntnisstand davon auszugehen, dass politische Prophezeiungen an den Höfen bekannt waren und diskutiert wurden. Alte Prophetien, die ein Deutungsangebot zur Zeitgeschichte, aber auch eine Handlungsaufforderung an den Herrscher beinhalten konnten, wurden auf Herrscher bezogen und dadurch aktualisiert. Zu ermitteln ist daher zunächst der Kontext, in dem Prophetien verbreitet wurden. Sodann ist nach der Adressatengruppe zu fragen: Obwohl auf einen Herrscher bezogen, wurden Weissagungen doch über den Hof hinaus breit rezipiert, was auch beabsichtigt gewesen sein dürfte; doch fehlt es hierzu bisher an präzisen Kenntnissen. Nicht zuletzt sind auch die Personen, die Vaticinien verfassten oder verbreiteten, noch nicht systematisch (etwa im Sinne einer Kollektivbiographie) erforscht.



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09.03.2009 10:01
 

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