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Projektpräsentation

Titel

Identitätsstiftung und Repräsentation: Korporative Siegelbilder im Spätmittelalter

Institut
Philosophikum 1 Haus G, 3. Stock

Dr. Markus Späth
Telefon 0049-641-99-28284
E-Mail
Markus.Spaeth@kunst.geschichte.uni-giessen.de
Text

Für Korporationen jeglicher Art – seien es private Firmen oder öffentliche Institutionen – ist es heute selbstverständlich, ein Logo zu führen. Es dient dazu, die eigene Identität selbstvergewissernd gegenüber sich selbst, aber auch in Abgrenzung gegenüber der Umwelt in visuell-ikonische Strukturen zu übersetzen. Bei Korporationen gehen Identitätsstiftung und ihre repräsentative Medialisierung nicht erst in der Gegenwart, sondern bereits seit dem Mittelalter Hand in Hand:

Im Rahmen eines Dilthey-Fellowships der Volkswagen Stiftung widmet sich das Projekt der Vorgeschichte des modernen Corporate Designs am Beispiel des mittelalterlichen Korporationssiegels.  Siegel waren in antiker Tradition personengebundene Rechtszeichen, die mittels eingeprägter Bild Dokumente authentifizierten. Seit dem 11. Jahrhundert eigneten sich dieses im lateinischen Europa auch soziale Gruppen an.

Ein Projekt im Rahmen des Dilthey-Fellowships der VolkswagenStiftung

Gefördert durch das Graduiertenstipendium der Justus-Liebig-Universität widmet sich das Dissertationsprojekt „Visuelle und mediale Strategien mittelalterlicher Pilgerzeichen“ (Arbeitstitel) diesen intermedialen Bezügen anhand zweier konkreter Fallbeispiele: Aachen und Canterbury. Die Heiligsprechung Karls des Großen 1165 sowie die seit dem frühen 14. Jahrhundert stattfindende öffentliche Weisung der vier großen Heiligtümer Aachens, darunter das Gewand Mariens, machten Aachen zu einem der größten und wichtigsten Wallfahrtsorte. Diese besondere Verbindung von Marien- und Karlskult schlägt sich auch in einigen Pilgerzeichen nieder, deren sehr komplexe Kompositionen auf vielfältige Weise ineinandergreifen. In Canterbury wiederum wurden Pilgerzeichen nicht nur als Plaketten, sondern auch in Form von Ampullen hergestellt. Beruhend auf der spezifischen Verehrungspraxis vor Ort waren sie ein Behälter für das wunderwirkende und mit dem Blut des Märtyrers Thomas Becket angereicherte Wasser. Bereits seit dem frühen Christentum zu Beginn der Pilgerreisen wurden Heil und Authentizität eines Ortes traditionell durch originale Substanzen von eben jenem Ort gewährleistet, wie Staub oder Öl der Märtyrergräber. Durch die Form des Pilgerzeichens als Ampulle wurde die Funktion beansprucht, potentieller Träger solcher Substanzen zu sein. Eingebunden in das mittelalterliche Konzept von Heilsvermittlung transportieren Pilgerzeichen somit die Autorität des Gnadenortes und die heilskräftige Präsenz seiner Heiligen. Folglich waren Pilgerzeichen gleichermaßen Bildträger wie Speicher von Heils- und Segenskräften.

Gerade dieses - von der Forschung bislang wenig beachtete - Spannungsverhältnis zwischen Visualität und Medialität ist in Bezug auf den aktiven Umgang mit den Pilgerzeichen von zentraler Bedeutung, ohne welches ihre Funktion und Bedeutung nicht nachvollziehbar sind. Zwischen sichtbarem Erinnerungszeichen und Heilsträger oszillierend, reflektieren sie als ein Phänomen der Alltagskultur grundsätzlich das spätmittelalterliche Verständnis von Erinnerung und Medialität: Erinnerung in ihrer identitätsstiftenden Funktion für Wallfahrtsorte, aber auch in ihrer religiösen Funktion des Gedenkens und Betens an Heilige und deren Fürsprache um Erlösung; Medialität als zunehmend an materielle Objekte geknüpfte Vermittlung, Verfügbarkeit und Verbreitung von Heil. Durch eine exemplarisch angelegte, systematische Analyse sollen daher Erkenntnisse über die Art und Weise gewonnen werden, wie diese Komponenten die unterschiedlichen Funktionen der Pilgerzeichen ermöglichen und unterstützen.

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Adresse

Ein Projekt im Rahmen des Dilthey-Fellowships der Volkswagenstiftung
Philosophikum I, Haus G, 3. Stock
Tel.: 0049-641-99-28284

Aktuelle Informatioen
Personen

Redaktion
10.05.2011 11:05
 

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