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Projektpräsentation
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Identitätsstiftung und Repräsentation: Korporative Siegelbilder im Spätmittelalter
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Für Korporationen jeglicher Art – seien es private Firmen oder
öffentliche Institutionen – ist es heute selbstverständlich, ein Logo zu
führen. Es dient dazu, die eigene Identität selbstvergewissernd
gegenüber sich selbst, aber auch in Abgrenzung gegenüber der Umwelt in
visuell-ikonische Strukturen zu übersetzen. Bei Korporationen gehen Identitätsstiftung und ihre repräsentative Medialisierung nicht erst in der Gegenwart, sondern bereits seit dem Mittelalter Hand
in Hand:
Im Rahmen eines Dilthey-Fellowships der Volkswagen
Stiftung widmet sich das Projekt der Vorgeschichte des modernen
Corporate Designs am Beispiel des mittelalterlichen Korporationssiegels. Siegel waren in antiker Tradition
personengebundene Rechtszeichen, die mittels eingeprägter Bild Dokumente authentifizierten. Seit dem 11. Jahrhundert eigneten sich dieses im lateinischen Europa auch soziale Gruppen an.
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Gefördert
durch das Graduiertenstipendium der Justus-Liebig-Universität widmet sich das
Dissertationsprojekt „Visuelle und mediale Strategien mittelalterlicher
Pilgerzeichen“ (Arbeitstitel) diesen intermedialen Bezügen anhand zweier
konkreter Fallbeispiele: Aachen und Canterbury. Die Heiligsprechung Karls des
Großen 1165 sowie die seit dem frühen 14. Jahrhundert stattfindende öffentliche
Weisung der vier großen Heiligtümer Aachens, darunter das Gewand Mariens,
machten Aachen zu einem der größten und wichtigsten Wallfahrtsorte. Diese besondere Verbindung von Marien- und
Karlskult schlägt sich auch in einigen Pilgerzeichen nieder, deren sehr
komplexe Kompositionen auf vielfältige Weise ineinandergreifen. In Canterbury
wiederum wurden Pilgerzeichen nicht nur als Plaketten, sondern auch in Form von
Ampullen hergestellt. Beruhend auf der spezifischen Verehrungspraxis vor Ort
waren sie ein Behälter für das wunderwirkende
und mit dem Blut des Märtyrers Thomas Becket angereicherte Wasser. Bereits seit
dem frühen Christentum zu Beginn der Pilgerreisen wurden Heil und Authentizität
eines Ortes traditionell durch originale Substanzen von eben jenem Ort
gewährleistet, wie Staub oder Öl der Märtyrergräber. Durch die Form des
Pilgerzeichens als Ampulle wurde die Funktion beansprucht, potentieller Träger
solcher Substanzen zu sein. Eingebunden in das mittelalterliche Konzept von
Heilsvermittlung transportieren Pilgerzeichen somit die Autorität des
Gnadenortes und die heilskräftige Präsenz seiner Heiligen. Folglich waren
Pilgerzeichen gleichermaßen Bildträger wie Speicher von Heils- und
Segenskräften.
Gerade
dieses - von der Forschung bislang wenig beachtete - Spannungsverhältnis
zwischen Visualität und Medialität ist in Bezug auf den aktiven Umgang mit den
Pilgerzeichen von zentraler Bedeutung, ohne welches ihre Funktion und Bedeutung
nicht nachvollziehbar sind. Zwischen sichtbarem Erinnerungszeichen und
Heilsträger oszillierend, reflektieren sie als ein Phänomen der Alltagskultur
grundsätzlich das spätmittelalterliche Verständnis von Erinnerung und
Medialität: Erinnerung in ihrer identitätsstiftenden Funktion für
Wallfahrtsorte, aber auch in ihrer religiösen Funktion
des Gedenkens und Betens an Heilige und deren Fürsprache um Erlösung; Medialität
als zunehmend an materielle Objekte geknüpfte Vermittlung, Verfügbarkeit und
Verbreitung von Heil. Durch eine exemplarisch angelegte, systematische Analyse sollen
daher Erkenntnisse über die Art und Weise gewonnen werden, wie diese
Komponenten die unterschiedlichen Funktionen der Pilgerzeichen ermöglichen und
unterstützen.
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Ein Projekt im Rahmen des Dilthey-Fellowships der Volkswagenstiftung Philosophikum I, Haus G, 3. Stock Tel.: 0049-641-99-28284
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10.05.2011 11:05
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