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Wendland, Visuelle Geschichte in und über Ost(mittel)europa

Neuere Geschichte | Wendland, Anna Veronika, Dr. | SoSe 2010 | Übung | Visuelle Geschichte in und über Ost(mittel)europa | Mi 10-12 | G 333a-1lv-2010s-3ue-4hi-5oe-p434-1273-

Dr. Anna Veronika Wendland
Visuelle Geschichte in und über Ost(mittel)europa
Übung SoSe 2010

Leitung Dr. Anna Veronika Wendland
Thema Visuelle Geschichte in und über Ost(mittel)europa
Veranstaltungsart Übung
Epoche/Bereich Neuere Geschichte
Zeit Mi 10-12
Ort Philosophikum I Haus G Raum 333a
Institut | Professur Historisches Institut, Osteuropäische Geschichte
Zuordnung/Modul
  • Magister/Lehramt, nicht modularisierte Studiengänge
  • Geschichte - Basismodul: Theoretische und methodische Grundlagen | BA [Modulübersicht] | Lehramt [Modulübersicht]
  • Geschichte - Orientierungsmodul: Osteuropäische Geschichte [Modulübersicht]
  • Osteuropäische Geschichte - Einführungsmodul: Grundlagen und Arbeitstechniken der Osteuropäischen Geschichte [Modulübersicht]
Lernplattform logo studip StudIP
Kommentar

Bilder "bilden" historische Gegebenheiten nicht nur ab, sondern sie "machen" auch selbst Geschichte: Das ist die Grunderkenntnis einer neuen historischen Bildwissenschaft, der "Visual History". Die Visuelle Geschichte fragt nach der "Visualität von Geschichte und der Historizität des Visuellen" gleichermaßen (Gerhard Paul), d.h. sie behandelt Bilder nicht nur als Quellen für einen historischen Sachverhalt, sondern als auch als Anhaltspunkte für vergangene Praktiken des Sehens und Gestaltens. Vor allem aber werden Bildquellen in ihrer historischen Funktion wahrgenommen, beispielsweise als Propagandamittel oder als Sinnproduzent in Erinnerungskulturen. Schließlich wird in dieser Forschungsrichtung auch kritisch nach der Verwendung von Bildern bei der Präsentation von wissenschaftlichen Erkenntnissen oder bei der Musealisierung von Geschichte gefragt.

Die ost(mittel)europäische Geschichte ist voll von Bildern, die weltweit Geschichte "machten" und unser Bild der Geschichtsregion maßgeblich prägten. Das Torhaus des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, der Junge mit erhobenen Händen im Warschauer Ghetto, der Kniefall Willy Brandts, das brennende Atomkraftwerk in Tschernobyl, die tanzenden Menschen auf der Berliner Mauer: Mit diesen Ikonen der neueren und neuesten Geschichte wird sich sich die Übung ebenso beschäftigen wie mit "echten" Ikonen und ihrer Bedeutung für osteuropäische Kulturen. Weitere uns interessierende Bildquellen sind Karten , Alltagsfotos und Plakate. Daneben wird es um bestimmte Verfahrensformen mit Bildmaterial gehen, die von historischer Bedeutung sind, z.B. Bildfälschungen und Bild-/Kartenpropaganda, oder Debatten um den "falschen" Einsatz von Bildern (so im Fall der "Wehrmachtsausstellung").

Anhand der Bildbeispiele und -kontroversen werden in der Übung methodische und theoretische Kenntnisse für den geschichtswissenschaftlichen Umgang mit Bildern vermittelt. Thematisiert wird auch die Situierung des Ansatzes im Gesamtzusammenhang historischer Theoriebildung: der lange, nicht abgeschlossene Weg der Historikerzunft von der Verachtung der Bildlichkeit über ihren illustrativen Einsatz in Texten bis zur Historischen Bildkunde und zur Visual History.

Die Übung soll Möglichkeiten eröffnen, sich auch in anderen Kontexten als dem des Seminarraums mit Bildlichkeit auseinanderzusetzen. Obligatorisch ist daher die Teilnahme an einer Exkursion ins Bildarchiv des Herder-Instituts Marburg und an ausgewählten anderen Veranstaltungen (Filmvorführungen, Ausstellungen), die noch bekanntgegeben werden.

Literatur
  • Visual History. Ein Studienbuch, hrsg. v. Gerhard Paul, Göttingen 2006 (Allzweckwaffe für die Übung mit vielen interessanten Aufsätzen)
  • Gerhard Paul:Von der historischen Bildkunde zur Visual History. Eine Einführung, in: Visual History, S. 7-36
  • Chistoph Hamann: Fluchtpunkt Birkenau. Stanislaw Muchas Foto vom Torhaus Auschwitz-Birkenau (1945), in: Visual History, S. 283-302
  • Christoph Hamann: Visual History und Geschichtsdidaktik. Beiträge zur Bildkompetenz in der historisch-politischen Bildung, Phil.Diss. Technische Universität Berlin 2007, insbes. S. 9-43 (Zugang zum Volltext s.u. Internet-Links!)
  • Alf Lüdtke: Industriearbeit in historischen Fotografien. Zu den Chancen einer "visuellen Geschichte", in: Journal für Geschichte (1986) 3, S. 25-31
  • Neue Staaten - Neue Bilder? Visuelle Kultur im Dienst staatlicher Selbstdarstellung in Zentral- und Osteuropa seit 1918, hrsg. v. Arnold Bartetzky, Marina Dmitrieva, Stefan Troebst, Köln-Weimar-Wien 2005
  • Christoph Schmidt: Gemalt für die Ewigkeit. Geschichte der Ikonen in Russland, Köln 2009
  • John-Paul Himka: History on Linden Boards: Last Judgement Iconography in the Carpathians, Toronto 2009
Internet-Links

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