Forschung
Gießener Koordinationsstelle für schulische Lernförderung und Evaluation (GK SchuLE)Nicht erst seit dem Bekanntwerden des schwachen Abschneidens in der PISA-Studie und der daraufhin proklamierten Bildungsmisere in Deutschland gehört die Förderung von Kindern mit Lern- und Leistungsproblemen zu den größten Herausforderungen im Alltag der Schule. Studien zur Entwicklung von Schulleistungsproblemen zeigen übereinstimmend, dass sich Lernschwächen ausgesprochen frühzeitig stabilisieren und im weiteren Verlauf nur noch schwer positiv zu beeinflussen sind (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995; Krajewski, in Druck; Shaywitz et al., 1999). Dessen ungeachtet kann die bisherige schulische Förderpraxis bestenfalls als defizitär bezeichnet werden (Klicpera & Gasteiger-Klicpera, 1995; May, 2001). Die aktuelle Lage krankt einerseits an einem völlig unzureichenden Transfer pädagogisch-psychologischer Expertise in die Schulpraxis und andererseits an einem eklatanten Mangel an Evaluations- und Implementationsforschung. Diesen Problemen soll mit der Einrichtung einer Koordinationsstelle für schulische Lernförderung und Evaluation entgegengewirkt werden. Hier werden pädagogisch-psychologische bzw. auf spezifischen Modellen der Kompetenzentwicklung basierende Interventionsverfahren für den Einsatz im schulischen Kontext modifiziert, optimiert und gegebenenfalls neu entwickelt. Die jeweiligen Interventionen, bei denen es sich sowohl um unterrichtsintegrierte Maßnahmen als auch um Trainings für Kleingruppen mit einem spezifischen Förderbedarf handeln kann, werden im Rahmen universitärer Aus- und Weiterbildungsangebote an Studierende und Lehrkräfte vermittelt. Zugleich wird die Bewährung dieser Fördermaßnahmen durch eine standardmäßige empirische Begleitforschung systematisch evaluiert. Durch die enge Verzahnung von Lehreraus- und –weiterbildung mit empirischer Evaluations- und Implementationsforschung sollten beide Bereiche, sowohl Forschung als auch Lehre, profitieren und zudem einen optimierten Wissenstransfer in die schulische Unterrichts- und Förderpraxis mit sich bringen. Darüber hinaus sollen die resultierenden Befunde als Grundlage für weiterführende Forschungsaktivitäten im Rahmen von Drittmittelprojekten dienen. Förderung durch das Studienstrukturprogramm des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK) Kontakt: Teresa.Hecht@psychol.uni-giessen.de
Deutscher Mathematiktest für neunte Klassen (DEMAT 9)Bei diesem Projekt handelt es sich um die Entwicklung des Deutschen
Mathematiktests für neunte Klassen (DEMAT 9) sowie die Erstellung einer
deutschlandweiten Normstichprobe mit anschließender Veröffentlichung
des Tests. Dazu wird der Test mit Haupt-, Real- und Gymasialschülern der
neunten Klasse aus allen Bundesländern durchgeführt. Die Daten werden
ausgewertet und bilden die repräsentative Datengrundlage anhand derer
anschließend einzelne Schüler adäquat in ihrer Leistung eingeschätzt
werden können.
Prävention von Rechenschwäche in der Grundschule
Vorliegende Befunde aus Längsschnittstudien bestätigen, dass sich Defizite in der Entwicklung mathematischer Kompetenzen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt manifestieren und oft über den gesamten Verlauf der Schulzeit erhalten bleiben (Krajewski, 2003; Stern 2003). Die Befunde sprechen insgesamt für möglichst frühzeitige Interventions- bzw. Präventionsmaßnahmen, wobei sich aus der verfügbaren Literatur drei zentrale Anforderungen ableiten lassen: (1) eine Orientierung an aktuellen Modellen der "normalen" Kompetenzentwicklung, (2) eine darauf aufbauende Diagnose von Basis- bzw. Vorläuferkompetenzen zum Zweck der Früherkennung und schließlich (3) die Entwicklung und Evaluation gezielter Interventionsmaßnahmen (vgl. Ennemoser & Krajewski, 2007; Krajewski & Schneider, 2006). In einer groß angelegten Studie werden in Anlehnung an das Entwicklungsmodell von Krajewski (2007) Kinder bereits in den ersten Schulmonaten im Hinblick auf jene Basiskompetenzen untersucht, die für den erfolgreichen Erwerb eines konzeptuellen mathematischen Verständnisses erforderlich sind. Eine auf diese Weise identifizierte Gruppe von "Risikokindern" erhält ein /entwicklungs- bzw. kompetenzorientiertes/ Training mathematischer Basiskompetenzen. Die Evaluation der Förderung umfasst neben den üblichen Wirksamkeitsanalysen auch eine Analyse der zugrunde liegenden Wirkmechanismen. D.h. es wird überprüft, inwiefern eine etwaige Performanzsteigerung in Mathematik tatsächlich auf eine trainingsbedingte Verbesserung mathematischer Basiskompetenzen zurückzuführen ist. Finanzierung durch das Forschungsnetzwerk Unterrichts- und Bildungsforschung des ZfL Kontakt: Daniel.Sinner@psychol.uni-giessen.de
Vermittlung von Kulturtechniken bei Menschen mit geistiger BehinderungDie Vermittlung der Kulturtechniken Lesen und Schreiben zählte bis Ende der 70er Jahre nicht zu den zentralen Aufgaben der Schule für geistig behinderte Schüler. In der damaligen Fachliteratur lassen sich klare Standpunkte gegen das Lehren der Kulturtechniken finden (Koller 1969, Speck 1975, Bach). Der Anstoß zum Umdenken kam aus Aktivitäten der Eltern. Sie gaben zu bedenken, dass auch die Schule für praktisch bildbare Schüler nicht nur Aufbewahrungsstätte ist, sondern die Aufgabe zur Bildungsarbeit hat. Durch diesen Impuls erkannte auch das Kultusministerium die Notwendigkeit der Kulturtechniken an und nahm diese erstmals in die Richtlinien für den Unterricht in der Schule für praktisch bildbare Schüler auf. In den hessischen Richtlinien heißt es konkret "Zeichen, Signale und Symbole erkennen, beachten und entsprechend ihrer Bedeutung handeln; durch das Symbolverständnis soll es zu ersten Begegnung mit Kulturtechniken im weitesten Sinn kommen" (Richtlinien für den Unterricht in der Schule für Praktisch Bildbare/Sonderschule, Stand 21. November 1983). Kontakt: Diana.Klein@psychol.uni-giessen.de
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