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»Science Night« präsentiert Wissenswertes aus vielen Bereichen

Zum Erfolg der »Science Night« trug neben den Vorträgen auch die Gestaltung der Uni-Aula mit speziellen Lichteffekten bei. (Foto: Schepp)
Zum Erfolg der »Science Night« trug neben den Vorträgen auch die Gestaltung der Uni-Aula mit speziellen Lichteffekten bei. (Foto: Schepp)
Gießener Allgemeine vom 11. Februar 2012

Gießen (vo). Mondaufgang in der Uni-Aula: Von einer ungewohnten Seite präsentierte sich die Justus-Liebig-Universität in ihrer »Nacht der Wissenschaft«.

Zu der Veranstaltung am Donnerstag ab 17 Uhr mit Vorträgen verschiedener Fachgebiete inklusive lebhafter Diskussion waren nicht nur Studierende, sondern auch interessierte Besucher aus der Stadt und dem Landkreis gekommen. Von zunächst 400 Zuhörern hielt etwa ein Viertel bis zum Schluss nach 23 Uhr durch.

Prof. Katja Becker, Vizepräsidentin für Forschung, die durch das Programm führte, war von diesem Erfolg begeistert. Dazu beigetragen hatten sicher die Gestaltung der Aula mit lockeren Sitzreihen und hellen, modernen Sofas auf der Bühne, Musik und Lichteffekte sowie das Titelvideo mit Sonnenuntergang und dem erwähnten Aufgang des Mondes über bewegten Wellen.

Die Macht der »Tagwissenschaft« mit ständiger Beschäftigung unter Zeitdruck habe unverhältnismäßig zugenommen und führe weithin zu Erschöpfung und Depression. »Welche Art von Wissenschaft betreiben Menschen, die weder Zeit noch Kraft haben, ihre Mitmenschen wahrzunehmen, welche Entscheidungen treffen sie?«, fragte die Vizepräsidentin. Herausgenommen aus den Zwängen des Tages und der Verpflichtung zu zeitnahem Output solle »Nachtwissenschaft« mit quasi zweckfreiem Denken für Entschleunigung sorgen.

Um mit aktuellen Themen nicht nur Kollegen und Studierende des eigenen Fachs, sondern die aller Fakultäten und dazu Gäste von außen zu erreichen, hatten die Vortragenden jeweils eigene Formen der Darstellung gewählt. So referierte Prof. Peter Klar über Nanostrukturen, die seit jeher existierten, aber erst seit zwei Jahrzehnten bewusst in Industrieprodukten wie Sonnencreme und Zahnpasta bis hin zu Autoreifen und Computerchips genutzt würden. Er hatte Geräte verteilt, mit denen ein Teil des Publikums abstimmen konnte. Zum Beispiel wurde die Frage, ob Nanopartikel eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellten, von 85 Prozent bejaht. Trotzdem hielt eine große Mehrheit Nanostrukturen eher für einen Segen als für einen Fluch.

Mit vielen Fotos berichtete Prof. Andreas Dittmann über die Lage in Libyen und die Hintergründe der NATO-Intervention während der Revolution, ohne aber die Titelfrage »Gibt es den gerechten Krieg?« beantworten und die deutsche »Ohne-uns«-Haltung bewerten zu können. Klar fiel allerdings seine Meinung dazu aus, worum es eigentlich gegangen sei, nämlich um nichts anderes als den westlichen Zugang zu den libyschen Erdölreserven.

Der Frage »Gezieltes Töten erlaubt?« ging Prof. Thilo Marauhn in freier Rede und im Dialog mit dem Publikum nach. Unter anderem skizzierte er die Aufklärung von Kriegsverbrechen und Völkerrechtsverletzungen durch eine internationale humanitäre Entwicklungskommission, der er seit Kurzem angehört.

Über »Atomausstieg – Energiesicherung – Energiespeicherung« plauderten die Professoren Wolfgang Cassing und Martin Eickhoff entspannt auf einem der Sofas. Sie riefen dazu auf, angesichts knapper Rohstoffe Elektroschrott zu sammeln und zu recyceln sowie durch Energiesparen den Wegfall des Atomstroms auszugleichen.

Auch Prof. Peter Tillmann und Prof. Andreas Langenohl gestalteten ihren Vortrag über die Macht der Finanzmärkte im Zwiegespäch. Sie erklärten die Funktion von Rating-Agenturen, sahen in einem liberalen Finanzmarkt eine Voraussetzung für Wachstum, in einer europäischen Rating-Agentur aber keine sachliche Lösung. Auch sprachen sie sich gegen eine Finanztransaktionssteuer aus.

Zusammen mit den Erlebnisberichten einer afrikanischen und einer deutschen Studentin stellte der Vortrag von Prof. Michael Krawinkel die Gesundheits- und Ernährungsforschung in Ostafrika dar.

Wie man ohne Aktivierungsenergie mit Atomen durch die Wand und dem »Beamen« ein Stück näher kommen könne, schilderte Prof. Peter R. Schreiner, PhD, in anschaulichen Bildern. Prof. Becker sieht in ihm »einen unserer herausragendsten Wissenschaftler«.

Die Vizepräsidentin findet ihr Konzept bestätigt, dass die Freiheit der Darstellungsform und die dichte Atmosphäre der Veranstaltung zu kreativem Denken anregten. Angesichts des Erfolgs denkt sie an eine Fortführung im nächsten Jahr.

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Redaktion
IfG
17.02.2012 20:36
 

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