Ionenstrahlzerstäubungsdeposition (IBSD)
Die Plasmadeposition ist eine Schlüsseltechnologie für eine Vielzahl von Beschichtungsprodukten wie energieeffiziente Architekturverglasung, Dünnschicht-Photovoltaik, Displays u.a. Die Anforderungen an die Technologie hinsichtlich Präzision und Komplexität steigen zunehmend und erfordern verbesserte Prozesskonzepte, wie sie mit konventioneller, einfacher Zerstäubung nicht möglich sind, um optimale strukturelle und optische Eigenschaften im Bereich Präzisionsoptiken, Hartvergütungen oder ultraharte Materialien zu erzielen. Ionenstrahl-Sputter-Deposition (IBSD) arbeitet bei einem niedrigeren Druck, was die Problematiken der Substrataufheizung und des Verunreinigungseinbaus im deponierten Film minimiert. Da IBSD ein Atom-nach-Atom-Transportprozess hochenergetischer Teilchen in einer Niederdruck- Umgebung ist, haben die so erzeugten Filme hohe Packungsdichte und Qualität. Daher gilt IBSD mehr und mehr als eine Alternative zu den herkömmlichen Methoden, da eine unabhängige Kontrolle von Strahlenergie, Strahlrichtung und Stromdichte ermöglicht wird. Im Vergleich zu herkömmlichen Abscheidungstechniken werden verbesserte Eigenschaften erwartet: hohe Oberflächenqualität, dichte glatte Filme, sehr geringe Streuung, sehr geringe optische Verluste, sehr gute Reproduzierbarkeit, hervorragende Homogenität und maximale Flexibilität.
Ionenstrahlen werden für Dünnschicht-Abscheidung in
einer Vielzahl von Konfigurationen angewendet. Die erste Konfiguration, die direkte Ionenstrahl-Deposition
(Abbildung 1), ist die konzeptionell einfachste der
Ionenstrahl-Depositions-Techniken, bei denen das Material selbst aus dem
ionisierten Strahl abgeschieden wird. Die Dünnschichteigenschaften hängen im
Allgemeinen stark von der Energetik des Teilchenbeschusses beim Schichtwachstum
ab und direkte Ionenstrahl-Deposition bietet komplette Kontrolle über die
Materialspezies. Leider gibt es Beschränkungen für praktische Anwendungen
dieses Verfahrens. Zum einen können viele Materialien nicht einfach in eine
Gasentladung eingeführt werden, um ionisiert zu werden, Dies begrenzt die Wahl
vor allem auf Materialien mit niedrigem Schmelzpunkt oder hohem Dampfdruck.
Zweitens muss die Depositionsenergie der Ionen gering gehalten werden, sodass
die Selbst-Sputter-Ausbeute nicht die Akkumulation des Filmes behindert. Diese
Bedingung beschränkt den Fluss
auf niedrige Werte, was zu entsprechend
niedrigen Depositionsraten führt. Anwendungen dieser Konfiguration sind daher
auf Studien des Wachstumsverhaltens der Schichten bei verschiedenen Abscheidungsenergien
und Abscheidung feiner Metalllinien begrenzt.

Nutzen aus der Selbst-Sputter-Ausbeute dieses direkten Ionenstrahlbeschusses kann jedoch für andere Anwendungen gezogen werden. So verwenden Ion Beam Etching (IBE), Reactive Ion Beam Etching (RIBE) und Chemically Assisted Ion Beam Etching (CAIBE) diese Vorteile um Strukturen zu ätzen, indem mittels geeigneter Materialien bestimmte Bereiche vom Ionenbeschuss abgeschirmt werden und diesem lediglich die unmaskierten Bereiche ausgesetzt sind. Der Vorteil gegenüber konventionellen chemischen Ätzverfahren liegt dabei vorallem daran, dass die maskierten Bereiche nahezu unbeeinflusst bleiben, während chemische Ätzverfahren ebenfalls Bereiche unterhalb der Maskierung schädigen (Abbildung 2). Anwendung finden diese Strukturen dann in Optoelektronik, integrierten Schaltungen oder Laseroptik, um nur einige zu nennen.
Abbildung 2: Oberflächenstrukturierung mittels Ionenstrahlätzen
Die zweite Konfiguration, Ionenstrahl-Sputter-Deposition (Abbildung 3) nutzt die Vorteile des in Breitband-Ionenstrahl-Quellen verfügbaren hohen Ionenstromes. Die Abscheidung erfolgt „line-of-sight“ aufgrund des geringen Gas-Druckes, was ebenfalls strukturierte Abscheidung durch Masken erlaubt („lift-off deposition“). Da die Substrate nicht der Entladung oder dem Strahl direkt ausgesetzt sind, werden sie nicht deutlich erwärmt. Daher kann nahezu jedes Material, das gesputtert werden kann, auf temperaturempfindlichen Substraten abgeschieden werden.
![]() Abbildung 3: Ionenstrahl-Sputter-Deposition |
In der Regel sind die Eigenschaften der durch Ionenstrahl-Sputter-Abscheidung gewonnenen Filme vergleichbar mit denen, die mittels HF-Sputtern hergestellt wurden. Der Einbau von Inertgas während des Sputter-Vorganges beträgt in der Regel 0,1 - 1,0 %. Niedrigere Werte können durch geeignete Wahl der Ionenspezies erreicht werden. Dabei wählt man die Spezies, welche Rückstreuung aus dem Target und das Eindringen in die Schichtoberfläche minimieren. Mehrkomponenten-Schichten können gesputtert werden, wenn man den Strahl auf segmentierte Targets richtet: Durch Änderung der Targetposition können somit verschiedene Zusammensetzungen eingestellt werden. |
Untersuchungen zeigen, dass Filme durch Ionenstrahl-Sputtern bei Temperaturen abgeschieden werden können, die unter denen anderer Techniken liegen. Die Ankunftsenergie gesputterter Atome in Ionenstrahl-Systemen entspricht wegen der niedrigen Gasdrücke der Ausstoßenergie (bis einige 10 eV). Diese Energie trägt zu einer aktivierten Oberfläche bei, ähnlich wie der Einfluss höherer Temperaturen.
Deposition reaktiver Verbindungen durch Ionenstrahl-Sputtern ist leicht durch die Einführung eines sogenannten Reaktivgases in die Depositionskammer oder direkt in die Ionenquelle zu realisieren, wenn man mit dem Ionenstrahl ein Metall oder einen Halbleiter sputtert.
Eine effizientere Möglichkeit, die reaktive Spezies
einzuführen, bietet sich, wenn man einen weiteren Ionenstrahl verwendet (siehe
Abbildung 4). Diese sogenannte Dual-Ionenstrahl-Deposition
verbindet die Niederdruck-Tieftemperatur-Möglichkeit der
Ionenstrahl-Abscheidung mit der zusätzlichen Flexibilität des kontrollierten
Ionenbeschuss des wachsenden Films. So kann simultaner Ionenbeschuss während
der Abscheidung dazu genutzt werden, um die Zusammensetzung der Schicht zu
kontrollieren, die Oberfläche der wachsenden Schichten zu polieren, die
Bedeckung steiler Oberflächenstufen zu verbessern oder strukturelle Veränderungen in einem
wachsenden Film hervorzurufen. Die Dual-Strahl-Technik ist besonders gut
geeignet, reaktive Filme durch Zugabe des reaktiven Stoffes (z. B. Sauerstoff
oder Stickstoff) in den auf die wachsende Schicht gerichteten Ionenstrahl zu
generieren.
Verbundbildung auf der Oberfläche kann erzeugt werden während die
Target-Oberfläche metallisch bleibt, da der inerte Target-Strahl eine hohe
Abtragungsrate aufweist. Die Energie der auftreffenden Reaktivionen auf das
Substrat führt zu Dissoziation, Implantation und chemisch aktivierten Gebieten,
in denen Reaktionen stattfinden können. Wie bei anderen Ionenstrahl-Techniken
ist der Ansatz direktional, d. h. Verbindungen bilden sich lediglich dort, wo
der reaktive Strahl auf die Schicht trifft.

IBSD-Anlagen wurden bereits in vielen Varianten und Modifikationen entwickelt und nutzen dabei diverse Ionenquellentypen - von Kaufman-Quellen, basierend auf Gleichstrom-Gasentladung, bishin zu Radiofrequenzquellen. Der im I. Physikalischen Institut der JLU etablierte Aufbau nutzt die ebenfalls in Giessen entwickelten RIM-Ionenquellen (RIM = Radiofrequenz-Ionenquelle für Materialbearbeitung) für oben genannte Zwecke.
Bei der Etablierung des Prozesses rückte vor allem Zinkoxid (ZnO) in den Blickpunkt, da dieses Materialsystem einer der Forschungsschwerpunkte des I. Physikalischen Instituts der Universität Giessen ist. Aufgrund seiner Bandlückenenergie von 3.36 eV ist ZnO ein Kandidat für die Realisierung blauer lichtemittierender Strukturen wie LED und Laserdiode, welche zur Verbesserung von Datenspeichern, Innovationen im Bereich der Unterhaltungselektronik und schnellere Datenübertragung genutzt werden könnten. Weiterhin bieten Halbleiter wie ZnO im Gegensatz zu Metallen eine hohe Leitfähigkeit und Transparenz im sichtbaren Spektralbereich, was deren Anwendung als TCOs (transparente leitfähige Oxidschichten) ermöglicht. Der entscheidende Faktor für die optischen Eigenschaften ist dabei erneut die Bandlückenenergie, welche einer Wellenlänge von ca. 368 nm entspricht und damit im UV-Bereich liegt. Aktuell sind Indiumzinnoxid (ITO) und Fluor-dotiertes Zinnoxid (FTO) die beiden meist etablierten TCO Materialien. Allerdings rückt z. B. Aluminium-dotiertes Zinkoxid stärker in den Blickpunkt des Forschungsinteresses, da die Indiumvorkommen begrenzt sind, während Zinkoxid und Aluminium in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

Abbildung 5: Realaufnahmen der IBSD-Anlage und ihrer Kernbestandteile
