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Geschichte des Instituts für Ernährungswissenschaft in Gießen

Die Ernährungswissenschaften haben an der Justus-Liebig-Universität eine sehr lange Tradition. Diese geht in ihren Ursprüngen zurück auf Justus Liebig, einen der großen Wegbereiter der Ernährungslehre und wurde 1956 mit der Gründung des ersten Instituts für Ernährungswissenschaft in einer alten Fabrikantenvilla in der Wilhemstr. 20 und in der Folge mit der Einrichtung des ersten Diplom-Studiengangs „Haushalts- und Ernährungswissenschaften“ in Deutschland fest verankert. Im Laufe der Jahre erweiterte sich die Anzahl der Professuren stetig und es kamen weitere Standorte innerhalb von Gießen dazu.

„50 Jahre Institut für Ernährungswissenschaft“

 

Der Anfang

Das Institut für Ernährungswissenschaft wurde im November 1956 mit der Berufung von Prof. Dr. med. Hans-Diedrich Cremer auf den Lehrstuhl für „Menschliche Ernährungslehre“ in der Humanmedizinischen Fakultät gegründet, die zu dieser Zeit in Gießen als Akademie für Medizinische Forschung und Fortbildung geführt wurde. Gießen war die erste Hochschule in Deutschland, die einen solchen Lehrstuhl und ein solches Institut einrichtete.

Dies entsprach einerseits der Tradition der Universität im Sinne Justus Liebigs, einer der großen Wegbereiter der Ernährungslehre und der heutigen Ernährungswissenschaft in Deutschland, andererseits aber auch dem wachsenden Bedarf an wissenschaftlich fundierten Kenntnissen zu Ernährungsfragen.

Impulse hierzu kamen vor allem auch aus den USA, in denen dreizehn Jahre zuvor, 1943, eine erste Fassung von Empfehlungen zur Nährstoffzufuhr, den Recommended Dietary Allowances (RDA) vorgelegt wurde. Mit dem Erscheinen weiterer richtungsweisender Empfehlungen durch die FAO und WHO begann in vielen Ländern die Arbeit an nationalen Empfehlungen zur Nährstoffzufuhr – in Deutschland wurde dies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) übernommen, die Anfang der fünfziger Jahre gegründet wurde und mit der Prof. Cremer durch eine enge Zusammenarbeit verbunden war.

Räume für das neue Institut standen zunächst im Sockelgeschoss der medizinischen Klinik zur Verfügung, bevor die Villa Rinn in der Wilhelmstraße 20 als repräsentatives Institutsgebäude übernommen werden konnte. Seit einigen Jahren steht dieser Jugendstilbau unter Denkmalschutz.

„Pflichtvorlesungen“ in Ernährungslehre gab es zunächst nur außerhalb der Universitätsgebäude, so im Landwirtschaftspädagogischen Institut, in der Diätschule und in der Krankenpflegeschule.

Die damalige Forschungsarbeit umfasste größtenteils Forschungsaufträge der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), des Amerikanischen National Institute of Health (NIH), der Ernährungsindustrie und vor allem des Bundesverteidigungsministeriums.

Die Wachstumsphase

Im Jahr 1962 erfolgte in Kooperation mit der Landwirtschaftlichen Fakultät die Aufnahme des Studiums der Hauswirtschafts- und Ernährungswissenschaften, dann zwei Jahre später die Einrichtung des ersten Diplom-Studiengangs „Haushalts- und Ernährungswissenschaften“ in Deutschland mit dem Abschluss Diplom-Ökotrophologe (Dipl. oec. troph.). Im WS 1966/67 betrug die Gesamtzahl der Studierenden 72.

Im Zuge der Hochschulreform im Jahr 1971 kam es zur Ausgliederung des Instituts aus der Humanmedizinischen Fakultät und zur Gründung des Fachbereichs Ernährungswissenschaft gemeinsam mit den Instituten für Pflanzenernährung und für Tierernährung.

Als Prof. Cremer 1975 in den Ruhestand ging, hatte sich der größte Teil seiner Mitarbeiter bereits zur zweiten Professorengeneration formiert und gewährleistete eine differenzierte Lehr- und Forschungstätigkeit und prägte damit die Institutsarbeit bis in die neunziger Jahre hinein.

Als Nachfolger von Prof. Cremer wurde Prof. Dr. med. Werner Kübler berufen, der seine Diensträume in der Goethestraße 55 bezog, so dass sich das Institut nun auf zwei Standorte verteilt.

Im Jahr 1985 wurde der Fachbereich erweitert und in den Fachbereich „Ernährungs- und Haushaltswissenschaften“ umbenannt.

Der Generationenwechsel

Anfang der neunziger Jahre begann der nächste Generationenwechsel, was mit der Einrichtung weiterer Professuren verbunden war.  Neben zwei Medizinern und einem Lebensmittelwissenschaftler ist heute der größte Teil der Professuren mit Ernährungswissenschaftlern bzw. Ökotrophologen besetzt.

Das Institut für Ernährungswissenschaft ist inzwischen auf acht Professuren angewachsen, die sich mit ihren Mitarbeitern auf nunmehr vier Standorte verteilen.

 

Neben der ursprünglichen Professur für Ernährung des Menschen (Neuhäuser-Berthold) im Institutsgebäude in der Goethestrasse befinden sich die Professuren für  Ernährungsphysiologische Bewertung von Lebensmitteln (Kunz), für Ernährung in Entwicklungsländern (Krawinkel), und für Ernährungsökologie (Hoffmann) in der Villa Rinn in der Wilhelmstraße. Die Professuren für Biochemie der Ernährung (Becker), für Lebensmittelwissenschaft (Brückner) und für Molekulare Ernährungsforschung (Wenzel) sind in dem neuen Gebäude des Interdisziplinären Forschungszentrums untergebracht, während die Professur für Ernährungsberatung und Verbraucherverhalten (Leonhäuser) ihren Sitz im Zeughaus hat.

1999 kam es zum Zusammenschluss mit dem Fachbereich Agrarwissenschaften zum Fachbereich Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement.

Der Fachbereich war der erste in Deutschland, der die Modularisierung der Studiengänge mit den Abschlüssen Bachelor of Science (B.Sc.) u.a. in Ökotrophologie und Master of Science (M.Sc.) u.a. in Ernährungswissenschaft, Ernährungsökonomie und Haushaltswissenschaft einführte. Zum WS 2006/07 hatten sich 381 Studierende allein für den Studiengang B.Sc. Ökotrophologie neu eingeschrieben.

Ab dem WS 2007/08 wird neben dem Bachelor-Studiengang Ökotrophologie der Bachelor mit dem Abschluss Ernährungswissenschaften eingeführt, um der hohen Nachfrage in diesem Bereich Rechnung zu tragen.

 

Die Forschungsschwerpunkte und Ziele des Instituts bzw. der ihm zugehörigen Professuren beinhalten die Aufklärung der Mechanismen einer gesunden Ernährung auf molekularer und zellulärer Ebene sowie die Analyse biochemischer und ernährungsphysiologischer Prozesse im menschlichen Organismus, um zur nachhaltigen Sicherung einer gesunden Ernährung beizutragen. Angesichts ihrer gesundheitspolitischen Relevanz spielen primär- und sekundärpräventive Überlegungen zur Wirkung der Ernährung bzw. von Lebensmittelinhaltsstoffen ebenso eine Rolle wie die Untersuchung des Ernährungsverhaltens und ernährungsökologischer Zusammenhänge.

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Redaktion
15.09.2007 10:30
 

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