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Probiotisches Bakterium: Genom entschlüsselt

Gießener Studie ermöglicht Untersuchung auf angebliche gesundheitsfördernde Eigenschaften

Gießen (pm). Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität haben das komplette Genom eines probiotischen Bakteriums entschlüsselt – damit können probiotische Eigenschaften wie die Stärkung des Immunsystems oder die Regulierung der Darmtätigkeit besser untersucht werden. Mithilfe neuester Sequenziertechniken identifizierte das Team des Instituts für Medizinische Mikrobiologie unter der Leitung von Prof. Eugen Domann das Genom des Bakeriums Enterococcus faecalis. 

Das Bakterium ist der Wirkstoff eines probiotischen Medikaments. Bei solchen Medikamenten müssen nach dem neuen Arzneimittelgesetz die Bestandteile des Medikaments bekannt und die probiotische Eigenschaft, etwa auch durch klinische Studien, bewiesen sein. Die Entschlüsselung des Genoms ist nach Angaben der Justus-Liebig-Universität der erste Schritt, um die Wirksamkeit von probiotischen Eigenschaften auf einer fundierten wissenschaftlichen Basis zu untersuchen. Dem Team, zu dem auch Dr. Moritz Fritzenwanker und Dr. Torsten Hain gehören, gelang die Entschlüsselung des Genoms innerhalb einer Woche. 

Das Hochleistungs-Sequenziergerät »MiSeq Personal Sequencer« steht dem Institut seit letztem Juli zur Verfügung. Die Wissenschaftler konnten damit zeigen, dass dieses Enterococcus-Genom aus 2,8 Millionen Basenpaaren besteht und über 2733 Gene verfügt. Aussagekräftig wird die Analyse allerdings erst, wenn dieses Genom mit den Genomen von anderen Enterokokken verglichen wird. Ein solcher Vergleich wurde in der am selben Institut angesiedelten Abteilung für Bioinformatik durchgeführt. Er zeigte, dass das untersuchte Bakterium keine Eigenschaften enthält, die Infektionen auslösen könnten – das ist eine Grundvoraussetzung, um lebende Bakterien als Medikament zu verkaufen. 

Die neuen Sequenziertechnologien bieten die Möglichkeit, komplette bakterielle Genome sehr schnell und vergleichsweise kostengünstig zu sequenzieren und bioinformatorisch zu analysieren. Gerade bei plötzlich auftretenden Infektionen, wie es zum Beispiel im Jahr 2011 beim EHEC-Ausbruch in Deutschland der Fall war – damals starben 53 Menschen – sind diese Technologien nach Angaben der Wissenschaftler unersetzlich, um die molekulare Struktur eines Erregers zu verstehen, den Ausbruch epidemiologisch zu bewerten und ihn einzudämmen. 

 

Quelle: Giessener Allgemeine Zeitung, 26.02.2012