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Bei Schieloperationen ist Augenklinik führend

Tag der offenen Tür mit bemerkenswertem Informations-Parcours – Chefin Lorenz zur Sektionsvorsitzenden gewählt

Gießen (if). Schätzungsweise rund 6000 Augenärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, tagten kürzlich in Berlin. Die Gießener Teilnehmer kehrten von diesem Jahrestreffen der ältesten wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaft der Welt mit erfreulichen Informationen zurück: Prof. Birgit Lorenz, die Direktorin der Universitäts-Augenklinik Gießen, wurde von ihren Kollegen zur Vorsitzenden der neugegründeten Sektion »erbliche Augenheilkunde« gewählt, die sich die zügige Umsetzung von Forschungsergebnissen der Augenheilkunde in die klinische Praxis auf die Fahnen geschrieben hat. Ihr Kongressbeitrag zur Neugeborenen–Retinopathie war einer der Höhepunkte der Tagung. Den Posterpreis für Nachwuchswissenschaftler brachte die Doktorandin Jutta Schlegel mit: Hohe kollegiale Anerkennungen für die Arbeit, die tagtäglich in der Friedrichstraße geleistet wird. 

Beim Tag der offenen Tür, zu dem Klinikchefin und ihr Team am Freitagnachmittag einluden, erwartete die Besucher dann bei einem Fünf-Stunden-Parcours über vier Etagen an zwei Dutzend Stationen eindrucksvolle Einblicke in die »Augenheilkunde von heute und morgen«. Gespräche mit dem Ärzteteam und den Mitarbeitern boten zugleich die gerne genutzte Möglichkeit, alles, »was man schon immer wissen wollte«, zu erfragen. »Was passiert, wenn es nicht funktioniert?« konnten Wissbegierige, die unermüdlich in kleinen Gruppen oder solo treppauf, treppab durchs Haus wanderten, zum Thema »beidäugig sehen« bereits im Souterrain bei den Orthoptisten-Schülern Anna Staszeh, Philipp Haß und Ann-Kathrin Neeb testen. 

Zwei Etagen darüber war Dr. Rhiaad Khematehem – Gastarzt aus dem Maghreb – am neuen 100 000 Euro teueren, für Ausbildungszwecke mit Landesmitteln aufgestellten OP-Simulator für »vitreoretinale Chirurgie« beim »Peeling« einer kranken Hornhaut zu sehen – falls man nicht selbst Platz nehmen und das anspruchsvolle »Anti-Tremor-Training« üben wollte. Diabetiker müssen – so hatte bei der Spezial-Bürgersprechstunde am vergangenen Mittwoch bereits Leitender Oberarzt Dr. Frank Weigand erläutert – bei diabetischen Netzhautschäden damit rechnen, dass Lasern erforderlich wird. Für eine wesentliche Verkürzung dieser Behandlung steht neuerdings – wie er den Besuchern jetzt zeigen konnte – in der Augenklinik mit einem »Pascal-Laser« das derzeit modernste, nur in wenigen anderen deutschen Zentren vorhandene Gerät zur Verfügung.

Apropos chirurgische Eingriffe: Rund 2200 Operationen werden im Jahr in der Augenklinik stationär durchgeführt, ambulant erfolgen weitere rund 3000. Was speziell Schieloperationen angeht, kommt man – so Prof. Lorenz auf Fragen von Besuchern – in Gießen jährlich auf 1000 Operationen an insgesamt 2400 Augenmuskeln. Das sind ebenso viele wie die Zentren München und Köln zusammen durchführen. Leitender Oberarzt Prof. Michael Gräf, am »Tag der offenen Tür« Diensthabender, ergänzte: Die Zahl der Erwachsenen – sie können nach einer solchen Operation in der Regel nach zwei Nächten wieder entlassen werden – ist im Steigen begriffen. 

Wer bisher immer nur vom berühmt-berüchtigten »Gelben Fleck« auf der Netzhaut gehört hatte: Bei Dr. Knut Stieger am Ophtalmoskop-Simulator konnte er ihn selbst suchen, um dann einige Türen weiter bei Dr. Norbert Fischer zu erfahren, warum manche Patienten zur Messung des Augeninnendrucks stationär in die Klinik kommen: Nur über eine kontinuierliche Erfassung der Werte im Vierstunden-Turnus über 48 Stunden sind in vielen Fällen die für eine optimale Therapie erforderlichen präzisen Informationen zu gewinnen. Als gegen 18 Uhr der Tag der offenen Tür schließlich ausklang, nahmen auch die letzten Gäste, die – von Christine Mais begrüßt – die Klinik inspiziert hatten, eine Fülle von Informationen sicher samt stiller Anerkennung mit nach Hause.

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Redaktion
11.10.2011 12:53
 

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