3. Podiumsdiskussion <>
Das offensichtliche Dilemma zwischen globaler Nahrungssicherheit und der klimagerechten Nutzung von Bio-Energie steht im Mittelpunkt der dritten diesjährigen Podiumsdiskussion, die APEDIA an der JLU mit Experten aus dem Wirtschafts- und Agrarsektor veranstaltete.
Hintergund
Die Existenz vieler Menschen in den Entwicklungsländern ist durch ein aktuelles Szenario bedroht: Knapper werdende fossile Energieressourcen und steigende Energiepreise führen dazu, dass weltweit vermehrt Anbauflächen für Nahrungsmittel zur Energiepflanzenproduktion umgewidmet werden. Schätzungsweise zehn Prozent der weltweiten Maisernte wird bereits zu Biokraftstoff statt zu Lebensmitteln verarbeitet; schon jetzt gilt Biokraftstoff als Preistreiber für Lebensmittel.
Pro und Kontra
Die so entstehende Konkurrenz um Anbauflächen lässt eine verstärkte Verknappung des Nahrungsmittelangebots befürchten. Parallel dazu erwartet die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bis zum Jahr 2050 einen Anstieg der Weltbevölkerung auf 9,2 Milliarden Menschen. Um diese zu ernähren, müssten sich die Erträge von Weizen, Reis, Mais, Kartoffeln und anderen Grundnahrungsmitteln bis zum Jahr 2050 verdoppeln.
Andererseits ist zur Rettung des Weltklimas eine strukturelle Veränderung des Energiemixes hin zu erneuerbaren Energieträgern unbedingt erforderlich. Entsprechend argumentieren die Befürworter des Biosprits, dieser Treibstoff verringere die Abhängigkeit vom Erdöl und sei nahezu klimaneutral, denn bei seiner Verbrennung im Motor würde nur etwa so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie die Pflanzen beim Wachstum aus der Luft genommen haben.
Fragestellung
Mit der Diskussion um den so genannten „Biosprit“ wird derzeit ein eigentlich bekanntes Dilemma für Politik, Wirtschaft und Verbraucher aktuell: wie kann Land klimagerecht zur Gewinnung erneuerbarer Energien genutzt und gleichzeitig die Ernährung der stetig wachsenden Weltbevölkerung sichergestellt werden? Die „unerwünschten Effekte“ bei der Gewinnung von Bio-Energien aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und „zwingende Kausalitäten“ zu definieren stand bei der dritten Podiumsdiskussion im Vordergrund.
Diskussionsteilnehmer
- Frau Karin Arnold (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie)
- Herr Hubert Loick, (Firmengründer der Loick AG)
- Herr Thomas Preuße (Chefredakteur des Agrarmagazins „DLG-Mitteilungen“)
- Herr Dr. Rafael Schneider (Deutsche Welthungerhilfe)
- Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Schmitz (Professur für Agrar- und Entwicklungspolitik, JLU Gießen)
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