UnterschiedeDer Unterschied zwischen Bioprodukten und konventionellen Produkten besteht darin, dass in der Bio-Landwirtschaft gänzlich auf synthetische Spritz- und Düngemittel verzichtet wird. Damit soll verhindert werden, dass Stoffe in die Lebensmittel gelangen, die verantwortlich für bestimmte Allergien gemacht werden und zur Resistenz gegen bestimmte Medikamente führen sollen. So werden die Tiere im Krankheitsfall mit homöopathischen Mitteln und nicht mit Antibiotika behandelt. Außerdem ist für alle Tierarten - im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft - eine Mindestgröße für Stall- und Freiflächen vorgeschrieben. |
AnbauverbändeDie Mehrzahl der ökologischen Erzeuger haben sich in Anbauverbänden zusammengeschlossen. Die bekanntesten Verbände in der Bundesrepublik Deutschland sind Bioland, Demeter, Naturland, Gäa e.V. oder Biopark. Sie garantieren dem Verbraucher zusätzliche Produktsicherheit, weil ihre Bestimmungen und Kontrollen strenger sind als die Gesetzgebung der Europäischen Union vorschreibt. In der Schweiz ist Bio Suisse der größte Anbauverband, in Österreich Bio Austria. |
Das Bio-Siegel
Wer ein Erzeugnis mit Bio-Siegel erwirbt, erhält:
- Ein Produkt, das weniger Umweltschäden anrichtet und dadurch weniger Kosten an anderen Stellen verursacht (zum Beispiel teure Trinkwasseraufbereitung),
- ein Lebensmittel, das ohne chemische Pflanzenschutzmittel, chemische Wachstumsförderer, chemisch-synthetische Düngemittel und Gentechnik produziert und ohne Geschmacksverstärker, künstliche Aromen oder Bestrahlung verarbeitet wurde,
- ein Lebensmittel, das bei der Erzeugung den Tierschutz besonders berücksichtigt,
-
ein Lebensmittel, dessen Erzeugung so streng kontrolliert wird wie kaum eine andere Gruppe von Nahrungsmitteln.
AnbauweiseBeim biologischen oder ökologischen Landbau unterscheidet man zwei Anbauweisen. Zum einen den "biologisch-dynamischen Landbau", diesem wird der Demeter-Verband zugeordnet. Andererseits gibt es den "organisch-biologischen Landbau", dem der Bioland-Verband zugeordnet wird. |
Biologisch-dynamischer LandbauDie biologisch-dynamische Landwirtschaft gibt es seit den 1920er Jahren. Die Grundlage dafür bildet die Lehre des Anthroposophen Rudolf Steiner. Diese aus der anthroposophischen Naturerkenntnis heraus entwickelten Grundlagen beruhen in erster Linie auf geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen und nicht auf denen der Naturwissenschaft. In der biologisch-dynamischen Landwirtschaft gibt es für alles im Leben einen geeigneten und einen weniger geeigneten Zeitpunkt - die Kunst besteht darin, den richtigen zu finden. Dieser Aufgabe stellen sich die Demeter-Bauern jedes Jahr aufs Neue. Sie bauen dabei auf kosmische Rhythmen. Der Bauernhof wird als lebendiger und einzigartiger Organismus betrachtet. Die Bauern haben nicht allein die physischen Kräfte der Natur im Blick, sondern auch die gestaltenden Kräfte des Kosmos. Typisch für den biologisch-dynamischen Landbau und deshalb in den Demeter-Richtlinien entsprechend verankert ist der Einsatz spezieller Präparate aus Heilkräutern, Mineralien und Kuhdung. Diese Präparate werden auf den Höfen meist selber hergestellt und fein dosiert eingesetzt, vergleichbar mit den Prinzipien der Klassischen Homöopathie. Auch verzichten die Bauern auf synthetische Dünger, chemische Pflanzenschutzmittel und künstliche Zusatzstoffe in der Weiterverarbeitung. So werden den Produkten weder Nitritpökelsalz (findet sich oft in Fleisch und Wurstwaren und soll krebserregend wirken) noch so genannte natürliche Aromen zugesetzt. Auch gentechnisch veränderte Stoffe sind grundsätzlich verboten. |
Organisch-biologischer LandbauZu Beginn des 20. Jahrhunderts gründete der Agrarpolitiker Dr. Hans Müller die Bauernheimatbewegung in der Schweiz. Im Zuge dieser Bewegung entwickelte er zusammen mit seiner Frau Maria und dem deutschen Arzt Hans Peter Rusch in den folgenden Jahren die theoretischen Grundlagen des "organisch-biologischen Landbaus". Diese Anbauweise beruht auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen - im Gegensatz zum "biologisch-dynamischen Landbau", dessen Grundlage geisteswissenschaftlicher Natur ist. Das "organisch-biologische" Landbausystem breitete sich in Deutschland ab den 1960er Jahren aus. Im Zuge dieser Bewegung wurde 1971 der Anbauverband Bioland gegründet. Im Einklang mit den Prinzipien des "organisch-biologischen Landbaus" streben Bioland-Betriebe nach möglichst geschlossenen Stoffkreisläufen. Das heißt, dass die Kühe das Futter fressen, das auf dem Hof angebaut wurde und auch der Kuhmist wiederum zum Düngen der Felder verwendet wird. Der Gebrauch von chemischen Pflanzenschutzmitteln wird durch eine sorgfältige Sortenwahl sowie die Pflege der Pflanzen mit Kräuterauszügen umgangen. Durch die Förderung von Nützlingen wie Marienkäfer, Nematoden oder Raubmilbe können potenzielle Schädlinge wie Blattlaus, Schnecken oder Spinnmilbe im Zaum gehalten werden. Die Anzahl der Tiere auf einem Bioland-Betrieb ist an die bewirtschaftete Fläche gebunden. Das heißt: Es dürfen nur so viele Tiere gehalten werden, wie Futter auf den eigenen Betriebsflächen erzeugt werden kann. Die Tiere müssen artgerecht gehalten werden. Ob Rind, Schwein oder Huhn, alle Tiere haben Zugang zu Auslaufflächen oder Weidegang. Erkrankt ein Tier, werden - wie auch beim "biologisch-dynamischen Landbau" - bevorzugt Naturheilverfahren und homöopathische Mittel eingesetzt. Antibiotika, Hormone und Gentechnik als Leistungsförderer sind bei Bioland seit jeher tabu. Tierhaltung |
|
Ob biologisch-dynamische oder organisch-biologische Landwirtschaft: In allen Bio-Verbänden gelten auch Tierschutz-Prinzipien. Für alle Tierarten ist eine Mindestgröße für Stall- und Freiflächen vorgeschrieben. In der konventionellen Käfighaltung der Legebatterien wird im Moment überlegt, die Zahl der Hühner auf 40 pro Quadratmeter zu erhöhen. In der Bio-Haltung stehen einem Huhn hingegen mindestens zwei Quadratmeter zu. Die Tiere müssen mit ökologischen Futtermitteln gefüttert werden. Dabei muss das Futter soweit wie möglich aus dem eigenen Betrieb stammen. Auch die Krankheitsvorbeugung hat in der ökologischen Tierhaltung Vorrang. Der Einsatz von chemischen Arzneimitteln zur Erhaltung der Gesundheit der Tiere ist nur erlaubt, wenn Naturheilverfahren oder Homöopathie nicht zum Erfolg führen. Medizinisch unnötige Eingriffe an Tieren, zum Beispiel das Enthornen, die Kastration und das Kupieren von Schwänzen sind grundsätzlich verboten. Bei der herkömmlichen Massentierhaltung werden den Schweinen zum Beispiel die Ringelschwänze abgeschnitten. In der Enge und Eintönigkeit der Massenzucht könne es vorkommen, dass die Tiere aggressiv werden und den Schwanz des Nachbarn abbeißen. |
GentechnikEin wichtiger Aspekt der biologischen Landwirtschaft ist, dass komplett auf Gentechnik verzichtet wird. So darf weder genmanipuliertes Saatgut noch Futter aus gentechnisch veränderten Pflanzen verwendet werden. Das Bundesverbraucherministerium hat Abstände vorgeschrieben, die zwischen biologisch bewirtschafteten Feldern und solchen mit genmanipuliertem Saatgut liegen müssen. Allerdings gibt es Faktoren wie Wind oder die Verteilung der Pollen durch Bienen, die man nicht kontrollieren kann. Und so kann es passieren, dass der genmanipulierte Mais auf benachbarte Felder übertragen wird und im nächsten Jahr auch auf diesem Feld Gen-Mais wächst.
|