"Cum Tempore" - Für 15 Minuten Professor sein
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Unter dem Namen "Cum Tempore - 400 akademische Viertelstunden zu 400 Jahren der Universität" wurde vom 20. bis zum 24. Mai eine 100 Stunden lange Dauervorlesung gehalten.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Feierlichkeiten zum 400-jährigen Jubiläum der Justus-Liebig-Universität statt. Im biologischen Hörsaal des Uni-Hauptgebäudes bekamen auch Studenten und Laien die Chance, sich einmal als Professor zu versuchen.
Vorlesung non-stopDer Vortrags-Marathon begann am Montag, den 20. Mai um 8 Uhr morgens mit dem Jahr 1607: Prof. Dr. Kogel und Prof. Dr. Carl referierten zur Gründung der Landesuniversität von Hessen-Darmstadt - der heutigen Justus-Liebig-Universität. Vier Tage später, am Freitag, den 24. Mai um 12 Uhr endete die Veranstaltung mit dem Jahr 2007 und Prof. Dr. Spenglers Vortrag "Cum Tempore: 100 spannende Stunden". Dazwischen hatten Professoren, Dozenten, aber auch Studenten und Laien rund um die Uhr zu 400 Jahren Geschichte referiert und dabei ganz unterschiedliche Themen behandelt.
War Frankenstein ein Gießener Student?Prof. Dr. Janek beschäftigte sich in seinem Vortrag zum Jahr 1673 mit der Frage, ob Mary Shellys "Dr. Frankenstein" ein Gießener Student gewesen sei. Der Leiter des Gießener Stadtarchivs Ludwig Brake referierte zum Jahr 1853 über das Gießener Bier und den Wandel vom bürgerlichen zum industriellen Brauen, während der Anglistik-Student Tobias Gabel 1936 als Todesjahr des Gießener Sprachwissenschaftlers Otto Behagel zum Anlass nahm, um den Zuhörern dessen Leben und Wirken an der Universität näher zu bringen.
Durch die beiden Weltkriege in 15 MinutenAuch ich hatte mich kurzfristig entschlossen, an dieser rekordverdächtigen Veranstaltung teilzunehmen. Mit dem von mir ausgewähltem Thema - die Universität Gießen im Ersten und Zweiten Weltkrieg – war ich durch meine Examensarbeit bereits bestens vertraut. Über die Online-Anmeldung zu den Vorträgen hatte ich das Jahr 1948 für meinen Vortrag ausgewählt. Zwar hatte das Jahr eigentlich nichts mit meinem Vortrag zu tun, aber die Jahreszahlen, die sich dafür angeboten hätten, waren schon anderweitig vergeben. Dafür hatte 1948 den Vorteil, dass es am Mittwoch um 21:15 Uhr in einer ganz angenehmen Zeit lag - im Gegensatz zu anderen Vorträgen, die um 3 oder 4 Uhr nachts gehalten werden mussten.
In Konkurrenz zum Championsleague-FinaleIch kam etwa eine halbe Stunde vor meinem Vortrag im Uni-Hauptgebäude an. Das gab mir die Gelegenheit, noch den vorherigen Vortrag anzuschauen. Im Gegensatz zu dieser professionellen Powerpoint-Präsentation erschien mein Medien-Angebot eher spärlich: Ich hatte lediglich fünf Folien vorbereitet. Jeder Vortragende bekam ein Mikrofon umgehängt. Auf einem großen Monitor begannen die 15 Minuten herunterzulaufen. Auch wenn die Zuhörer nicht gerade zahlreich waren (zeitgleich lief das Finale der Championsleague), war es doch ein aufregendes Erlebnis, einmal selbst eine Vorlesung halten zu dürfen.
Kurzfilmwettbewerb mit Spannung erwartetInsgesamt war die Vortragsreihe eine sehr interessante Veranstaltung. Man hätte man sich nur etwas mehr aktive und passive Beteiligung gewünscht: Einige Vorträge konnten nicht vergeben werden, und auch die Zuschauerzahlen hielten sich eher in Grenzen. Bleibt zu hoffen, dass die weiteren Veranstaltungen zum Jubiläum wie etwa der Kurzfilm-Wettbewerb auf eine größere Resonanz stoßen. Dies würde auch dem Engagement der Organisatoren gerecht werden, die bei ihren Planungen großen Einfallsreichtum bewiesen haben.
Von Florian Grafl
Konzept und Live-Streams von "Cum Tempore" Alle Informationen der Justus-Liebig-Universität zu den 400-Jahr-Feierlichkeiten gibt es hier.
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