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Ein bisschen Macho muss schon sein...

Ode an eine vom Aussterben bedrohte Gattung Mensch.

Kennen Sie das? Sie sitzen an einem Sonntagvormittag liebeskummerbedingt im Kino und sehen sich zum 67. Mal "Casablanca" an. Neben Ihnen ein Mann im pfirsichfarbenem Hemd, der schon beim Vorspann leise schnieft. Als Rick über seinem Whisky zusammenbricht, reichen Sie ihrem Nachbarn diskret ein Taschentuch und beim Abspann weinen Sie beide wie zwei Schoßhunde auf Frettchen Malzpaste.

Anschließend lädt er Sie auf einen Prosecco ein und erzählt mit weinerlicher Stimme, dass er die "Casablanca"-Extended-DVD einst einer hoffnungslosen Liebe geschenkt hat. Mitleidig fragen Sie, warum der Scheiß-Kerl ihn nicht erhört habe. "Ich habe SIE geheiratet", empört er sich darauf, "und nun hat sie mich für einen Rohrreiniger verlassen." Während er seinen Gefühlen freien Lauf lässt, dämmert es Ihnen: Der Mann ist in Wahrheit eine Prinzessin...

In dieser Situation passiert mir folgendes: Plötzlich steht die soeben zum 67. Mal emotional verendete Ilsa neben mir, bereit an meiner Seite um ihre einzig große Liebe zu kämpfen, der Liebe zu einem sexy Macho, einem Herzen brechenden Raubein, sprich einem wahrhaft männlichen Mann. Und wahrhaft männlich, das bedeutet das Auto der Schwester per "icq-Ferndiagnose" zu reparieren, statt hilflos zur ADAC-Service-Card zu greifen, Kaffee und Kippe zum Frühstück anstelle aufgeschäumter Milch gepaart mit magenschonendem Espresso. Das heißt auch Dreitagebart statt Brusthaarphobie und nicht zu vergessen, nächtelange, schweißtreibende Leidenschaft und keinen fünfminütigen Kuschelsex.

Ilsa und ich sind böse. Wir erklären unserem "Hetero-Männchen" die drei unumstößlichen Grundregeln:

1. Männer sind stark. Weder jammern noch frieren sie, noch haben sie Angst vor Spinnen oder sind jemals krank. Und falls doch, dann renovieren sie noch schnell die Garage. Das heißt männlich. Das ist sexy. Ebenso das restpromillige Fahren am Morgen nach einem Saufgelage. Ein zart gehauchtes "In meinem Kopf tobt der Dritte Weltkrieg" ist da völlig fehl am Platz.

2. Männer sind emotional verkümmert. Deshalb weinen sie auch nicht, wenn sie verlassen werden. Im Übrigen wird auch nicht mit ihnen Schluss gemacht – sie machen Schluss, und zwar aus wohldurchdachten Gründen: zum Beispiel, wenn sie lieber mit dem Motorrad die Panamericana fahren wollen oder einen atomaren Sprengkörper mit der "Rot-blau-rot-Methode" entschärfen müssen. Bei all dem haben sie natürlich stets männliche Sätze auf den Lippen wie: „Uns bleibt immer Paris“ oder „Soviel Stress, nur um die Welt zu retten".

3. Männer sind keine Frauen. Sie stehen nicht länger als 7,5  Millisekunden vor dem Spiegel, besitzen kein eigenes IKEA-Schuhregal und keine blassblonden Strähnchen im sorgfältig frisierten Haupthaar. Als  absolutes "No-Go" gelten außerdem: Selbstbräunungslotion, gepaart mit einer dem Alterungsprozess entgegenwirkenden Nachtcreme für die anspruchsvolle, sensible Haut. Ach ja: Männer, die den Spitznamen "Prinzessin" tragen, zählen per se zu den unerfreulichen Erfahrugen.

 

Von diesen ihm völlig fremden Regeln ist der "Pfirsisch-Hemd-Mann" nicht gerade erfreut. Er macht sich auf den Nachhauseweg, immer noch schniefend.

In diesem Moment erblicken Ilsa und ich IHN: den Fensterputzer. Muskulös, dunkle Locken, tätowiert. Ilsa flüstert: "Jetzt oder nie". Ohne zu lange zu überlegen springe ich auf, schmeiße mich an seine Brust und fordere ihn auf: "Nimm! Mich! JETZT!" Er zündet sich gemütlich eine Marlboro an und antwortet mit einer nach Whisky, Zigaretten und harter Arbeit klingenden Stimme: "Ich bin verheiratet, Kleines."

Kennen Sie das? Sie nehmen sich den Montag frei und sitzen den ganzen Tag im Kino. Und das nur, um den "Marlboro-Cowboy" zu sehen.

 

Von Tatjana Heid

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Redaktion
15.12.2009 13:45
 

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