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Stromberg – Eine Rezension

ProSieben, Montag, 22.15 Uhr

 

 

 

Wer kennt ihn nicht?

Den egoistischen, sexistischen und unverbesserlichen Ressortleiter der Schadensregulierung M-Z der Capitol-Versicherung: Bernd Stromberg, kongenial dargestellt von Christoph Maria Herbst.

 

 

Charakter mit Macken

Die Figur des Bernd Stromberg wirft eine Reihe Fragen auf: Wie schafft es jemand, der nicht nur solche Charaktereigenschaften in sich vereint, sondern dazu auch noch cholerisch und rassistisch ist, trotzdem so sympathisch auf das TV-Publikum zu wirken? Wie kann es sein, dass eine Person, die stets nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist und deren liebstes Hobby das Traktieren ihrer Mitmenschen ist, dennoch eine treue Zuschauerschaft für sich gewonnen hat?

 

Die Antworten auf diese Fragen sind ebenso simpel wie einleuchtend. Bernd Stromberg personifiziert auf der einen Seite den klassischen Verlierertypen. Egal, was er auch anpackt oder wie gut es für ihn in einer Episode auch laufen mag, am Ende ist er immer der Dumme. Seine mehr oder (meistens) weniger gekonnt gestreuten Unwahrheiten und sein nicht vorhandenes Fachwissen führen fast immer zu einem Episoden- oder Staffelende, dass so gar nicht nach seinem Geschmack ist.

 

Die Beliebtheit der Figur resultiert aber nicht nur aus der Verkörperung des ewigen Losers. Stromberg symbolisiert ebenso das allseits beliebte Stehaufmännchen. Er kann von seinen Vorgesetzten noch so viele Standpauken bekommen oder abgemahnt werden, durch irgendwelche Zufälle oder oftmals auch einfach nur durch pures Glück schafft er es  immer wieder, sich aus der Schlinge zu ziehen. Stromberg ist einer dieser Typen, denen das Schicksal zwar oft böse mitspielt, der aber auf wundersame Art und Weise nicht klein zu kriegen ist.

 

Aus diesen Gründen wäre es auch viel zu simpel Stromberg als Unmensch und/oder Schleimer zu beschreiben, obwohl diese Aussagen ganz oberflächlich betrachtet wohl vollkommen zutreffend sind. Doch gerade die Darstellung der verschiedenen Typen, die man einerseits hassen und mit denen man andererseits in manchen Situationen mitleiden kann, spiegeln den einmaligen und unverwechselbaren Humor Strombergs wieder. Dieser erschließt sich wahrscheinlich nicht jedem Zuschauer, doch die eingeschworene Fangemeinschaft ist von dieser - in Deutschland neuen - Art der Comedy schlicht und einfach begeistert. In der Qualität der drei Staffeln gibt es jedoch durchaus Unterschiede:

 

 

 

1. Staffel:  Stromberg at his best

Die Anfänge Strombergs bilden das absolute Highlight der bisher gesendeten drei Staffeln. Der Humor ist frisch und unverbraucht. Jede einzelne Folge bietet unzählige Lacher. Dies liegt aber nicht nur an Stromberg selbst, sondern auch an seinen Kollegen in der Capitol. Erika, Tanja, Ulf und Ernie, der eigentlich Berthold heißt, tragen durch ihre offene und liebenswerte Art dazu bei, Strombergs gegensätzlichen Charakter und seinen krassen Humor noch stärker zu betonen.

In Frau Berkel und Herrn Turculu hat Bernd Stromberg zwei harte, wenn auch wiederum sympathische Widersacher, die ihm das Leben in der Capitol nicht immer leicht machen. Gleichzeitig sorgen sie aber durch ihre alleinige Präsenz dafür, dass Stromberg nicht nur austeilen kann, sondern auch einstecken muss. Das Zusammenspiel der verschiedenen Figuren liefert einen Pointenreichtum, der nur schwer zu überbieten ist.

 

 

 

2. Staffel:  Leicht vom Kurs abgekommen

Nach dem sensationellen Beginn schwächelt die zweite Staffel merkbar. Dies liegt vor allem am Fehlen von Frau Berkel und Herrn Turculu. Beide bildeten in der ersten Staffel ein Duo, das Stromberg in den meisten Fällen ebenbürtig war. An die Stelle der Beiden tritt jetzt Herr Becker, der die Position als Strombergs direkter Vorgesetzter einnimmt. Während in den früheren Folgen das Spiel zwischen Stromberg und Frau Berkel dadurch geprägt war, dass sie zwar immer die Oberhand behalten hatte, er sich von ihr aber nicht bedroht fühlte, ändert sich dieses nun.

Herr Becker stellt eine unmittelbare Gefahr für Stromberg dar. Er genießt alle Macht und Stromberg kann sich nur schwer gegen ihn wehren. Die Figur des Herrn Beckers wirkt teilweise so unsympathisch, dass Stromberg im Vergleich zu ihr an Boshaftigkeit verliert. Der Hauptfigur geht dadurch auch das gewisse Etwas verloren. Das hat zur Folge, dass die zweite Staffel nur selten die Klasse ihrer Vorgängerin erreicht. Zwar gibt es auch hier wieder etliche Highlights, doch ist der Qualitätsverlust deutlich spürbar.

 

 

 

3. Staffel:  Auf dem Weg zu alter Stärke

Mit der bisher letzten Staffel von Stromberg sind die Macher wieder auf dem richtigen Weg. Stromberg, der am Ende der zweiten Staffel ins Archiv verbannt wurde, hat es durch seine Werbung für die Capitol und den dadurch entstandenen Bekanntheitsgrad wieder geschafft, seinen alten Posten als Ressortleiter zurück zu bekommen. Er ist für Herrn Becker fast unantastbar geworden, da er nun unter dem Schutz von Herrn Wehmeyer, dem Marketingchef der Capitol, steht. Stromberg und Herr Becker bewegen sich damit ungefähr auf der gleichen Stufe. Becker und Wehmeyer lassen sich so durchaus mit Turculu und Berkel aus der ersten Staffel vergleichen. Dadurch funktioniert der Humor der Serie auch wieder. Die Hauptfigur braucht einen Konkurrenten, gegen den sie nicht chancenlos ist. Dieser Konkurrent ist nun wieder gegeben.

Zusätzlich gewinnt die dritte Staffel im Vergleich zu ihrer Vorgängerin an Qualität, da Stromberg sich nach seiner Scheidung wieder auf Frauenjagd begibt. Die neue Kollegin Jenny passt zufällig genau in sein Beuteschema. Nach den vielen Schicksalsschlägen in der zweiten Staffel ist es einfach angenehm zu sehen, wie Stromberg wieder zurück zu alter Stärke findet. Dadurch wird auch das humoristische Niveau der Serie wieder angehoben. Nur das Ende der Staffel fällt ein wenig zu traurig und dramatisch aus, da eine der Hauptpersonen leider stirbt.

 

 

 

 

 

Fazit

 

Die Serie Stromberg ist bestimmt nicht für jedermann zu empfehlen. Dazu ist der Humor einfach zu speziell. Aber jeder der etwas für Ironie, Sarkasmus und Situationskomik übrig hat, sollte sich dieses Comedy-Juwel auf keinen Fall entgehen lassen. So grandios gespielte und sympathische Figuren lassen sich im restlichen deutschen TV-Angebot nur schwer finden. Wer den schlimmsten aller Chefs also noch nicht selbst erlebt hat, sollte dies schleunigst nachholen.

 

 

 

 

 

Von Marc Vits

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Redaktion
17.08.2009 23:44
 

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