Triathlon zur Ringallee
Gießen, die Sonne brennt, die Frisur hält. Der Schweiß läuft über das Gesicht, das T-Shirt klebt am Körper. Im Hörsaal sind es mal wieder mindestens 30 °C und die Atemluft ist knapp. Die Konzentration strebt dem absoluten Nullpunkt entgegen. Ein hoffnungsvoller Blick auf die Uhr sagt, dass erst drei Minuten seit dem letzten Kontrollblick vergangen sind. Verzweiflung macht sich breit. Noch mehr als eine halbe Stunde, bis die Vorlesung zu Ende ist.
Ein Schluck aus der Wasserflasche zur mentalen Erfrischung, doch die Kohlensäure hat sich längst verflüchtigt und erfrischend ist das lauwarme Wasser auch nicht gerade.
Eine kalte Dusche wäre jetzt die Lösung. Oder Schwimmbad. Wieso eigentlich nicht, denn das Freibad in der Ringallee ist vom Philosophikum I aus mit dem Fahrrad in 15 Minuten zu erreichen. Etwas Abkühlung bis zum nächsten Seminar ist bei solchen Temperaturen auch wesentlich sinnvoller als ein schweres Essen in der Mensa. Also auf zur Ringallee!
An der Kasse hat man die Qual der Wahl. Die Einzelkarte ohne Studentenrabatt gibt es für satte 2,20 Euro. Die preisgünstige 5er Karte ist für 5,80 Euro, die Saisonkarte für 30,80 Euro zu haben. Somit hat sich die Saisonkarte bereits nach 14 Besuchen amortisiert. Geöffnet ist das Freibad sehr studentenfreundlich täglich von 9 Uhr bis 20 Uhr.
Das merkwürdige Verhalten Gießener Studenten zur Paarungszeit
Nachdem die Alltagskleidung in der Umkleidekabine gegen die neueste Bademode getauscht und in einem Schließfach verstaut wurde, findet sich schnell ein Plätzchen auf der großen Liegewiese. In der knallenden Mittagssonne ist der Halbschatten unter einem der großen Bäume sehr verlockend. Reichlich mit Lichtschutzfaktor 15 eingecremt, folgt endlich der Sprung ins eiskalte Wasser. Elegant vom 1-Meter-Brett oder für Fortgeschrittene wahlweise auch vom 3-Meter-Turm. Und eiskalt ist das Wasser tatsächlich, denn beheizt ist das Freibad nicht.
Da das Sprungbecken vom 50-Meter-Schwimmerbecken abgeteilt ist, muss man auch keine Angst vor waghalsigen Sprüngen vermeintlich lebensmüder Teenager haben, wenn man in Ruhe seine Bahnen ziehen möchte.
Bekanntlich werden mit steigenden Temperaturen auch Studenten wieder zu Kleinkindern und vergnügen sich im Kinderbecken mit Wasserball oder auf der extra breiten Rutsche. Denn im Sommer sind Frühlingsgefühle noch lange nicht verflogen und das Balzverhalten des Homo Sapiens ist in den Monaten Juni bis September sehr stark ausgeprägt. Das männliche Geschlecht sieht sich permanent gezwungen, den Weibchen zu imponieren. Daher wirkt die Minigolf-Anlage besonders anziehend auf frisch verliebte Pärchen. Hier kann Mann unter Beweis stellen, wie gut er im Einlochen ist.
Einmal Pommes rot-weiß, bitte!
Bewegung im Wasser löst sehr schnell ein starkes Hungergefühl aus, so dass der Kiosk mit den berühmt-berüchtigten Schwimmbad-Pommes mehr als willkommen ist. Denn mal ehrlich, was gibt es Besseres, nach ein paar Stunden planschen und in der Sonne braten, als matschige und Fett triefende Pommes Frites mit ordentlich Mayonnaise?
Da man direkt nach dem Essen bekanntlich nicht ins Wasser gehen sollte, kann man die Zeit für eine Partie Beach-Volleyball oder Tischtennis nutzen und so die eben angefutterten Kalorien direkt wieder umwandeln. ADP – ATP, oder wie war das noch? -Oh nein, Bio! Vor lauter Spaß bloß nicht die nächste Veranstaltung vergessen…! Gut, wenn man nicht die ganze Zeit faul herum gelegen, sondern etwas für die Uni getan hat.
Jetzt schnell wieder in trockene Kleidung schlüpfen und zurück zur Uni! Aber wo ist das Fahrrad? Stand es nicht genau hier? Ein Glück, dass es ein uraltes Rad war und ohnehin kaum noch zu etwas taugte. Dann heißt es jetzt wohl laufen.
Und wenn man den positiven Aspekt sieht, so war dies ein Nachmittag ganz im Zeichen des Sports. Erst Rad fahren, dann schwimmen und zum Schluss noch laufen. In Fachkreisen nennt man diese Disziplin auch Triathlon.
Von Rebekka Haag
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