"Gießen ist gar nicht schlecht aufgestellt"
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Wie sauber ist die Umwelt in Gießen? Welche Maßnahmen hat die Stadt bereits durchgeführt? UNIversum fragte den Leiter des Gießener Amtes für Umwelt und Natur, Hans-Joachim Grommelt.
Trotz Umweltschäden ist die Bilanz des Amtes für Umwelt und Natur positiv"Gießen liegt in einem Becken, deshalb sind die lufthygienischen Voraussetzungen von vorne herein nicht gut", sagt Hans-Joachim Grommelt, Leiter des Amtes für Umwelt und Natur in Gießen. Nicht verwunderlich scheint daher die Tatsache, dass die Stickstoffdioxid-Werte an der Gießener Messstation Westanlage die zulässigen Grenzwerte im Jahr 2006 überschritten haben. Der Schadstoff, der negative Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem des Menschen haben kann, ist den Mitarbeitern des Umweltamtes ein Dorn im Auge: "Der Wert ist bedenklich. Mit Hilfe des Luftreinhalteplans wird es uns hoffentlich gelingen, diesbezüglich eine schnelle Abhilfe zu schaffen," erklärt Grommelt. Doch nicht nur Schadstoffe in der Luft belasten die mittelhessische Studentenstadt. Es gibt auch einen Landschaftsschaden in Gießen, der besonders an dem künstlich ausgebauten Ufer der Lahn in Augenschein tritt. "Die unmittelbare Gestaltung der Ufer mit Holzbohlen oder aber auch Asbestplatten ist ein Problem unserer Stadt", gibt Grommelt offen zu. Dennoch sei die Umweltsituation in Gießen keineswegs verheerend. Positiv zu beurteilen sei die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen: So beherberge der Philosophenwald etwa drei Fledermausarten. "Wir haben dort Exemplare aus Nordostdeutschland und sogar aus dem Baltikum gesichtet", bemerkt Grommelt. Um den Tieren ein sicheres und schönes Zuhause zu bieten, ist das Umweltamt dabei, ein neues Konzept auszuarbeiten. Die Höhlenbäume, in denen die Feldermäuse leben, sollen geprüft und gegebenenfalls gesichert werden. |
Wichtig: Sensibilisierung der Bürger für Umwelt-ThemenAuch in anderen Bereichen zeichne sich Gießen durch seine gute Umweltpolitik aus: "In der Abfallwirtschaft ist Gießen führend", sagt Grommelt. Besonders hervorhebenswert gilt das System der Abfallvermeidung, das vorrangig vor der Abfallverwertung und Abfallbeseitigung unterstützt wird. Beispielhaft sind hierfür das Stadtfest oder der Weihnachtsmarkt, bei denen seit Anfang der 90er Jahre Speisen und Getränke nur in Mehrweggeschirr ausgegeben werden dürfen. Aber auch Zuhause im Kleinen herrsche das Prinzip der Abfallvermeidung vor: "In anderen Bundesländern ist Abfalltrennung längst nicht so selbstverständlich wie in Hessen und Gießen", so Grommelt. Die Trennschärfe, sprich die Bereitschaft Müll genau zu differenzieren, hänge auch vom Bildungsstandard der Bewohner ab. "Deswegen versuchen wir die Menschen aufzuklären", meint Grommelt. "Besonders in der Nordstadt hat sich die Situation diesbezüglich stark verbessert. Nun wollen wir dort eine Offensive zum Thema Energiesparen starten." Mit einem Beratungsprogramm soll in die Haushalte gegangen werden und mit den Menschen über Energieeinsparmöglichkeiten gesprochen werden. Dazu gehören ganz praktische Tipps wie Hinweise zum Kauf von energiesparenden Haushaltsgeräten oder zum Einbau von Spülstopptasten auf der Toilette. Die Bevölkerung Gießens sei alles in allem schon recht gut für das Thema Umwelt sensibilisiert; Aufklärung sei trotzdem immer gut. Besonders wichtig erachtet der Leiter des Umweltamts daher auch die Lokalen Agenden. "Hier engagieren sich Bürgerinnern und Bürger für Umwelt, Wirtschaft und Soziales", erläutert Grommelt. Er selbst ist mit der Betreuung der Gruppe "Natur- und Umweltschutz" beauftragt, die erst im Mai 2007 mit dem Umweltpreis der Stadt Gießen ausgezeichnet wurde. Innerhalb Hessens führend sei Gießen nach Angaben des Umweltamtes auch mit dem Gießener Gebäudepass. Dabei handelt es sich um eine Dienstleistung, mit der private Haus- und Wohnungseigentümer im Landkreis Gießen ihre Immobilie auf Herz und Niere prüfen lassen können. "Das Angebot besteht aus zwei Modulen, der Schadstofferkundung und der Energieeinsparung und eignet sich besonders für Leute, die Umbaumaßnahmen oder eine Modernisierung ins Auge fassen", erklärt Grommelt. Wirtschaftlich sei das ganze Verfahren auch noch: Einerseits werde das Angebot selbst vom Bund bezuschusst, andererseits könnten durch die Energieersparnis Kosten minimiert werden. Dass das Thema Umwelt- und Klimaschutz derzeit in der Öffentlichkeit viel diskutiert wird, findet Grommelt gut und richtig. Sein Fazit für die Stadt Gießen lautet: "Man kann immer noch mehr machen, aber man sieht auch, dass Gießen in Sachen Umwelt gar nicht so schlecht aufgestellt ist." Text und Bild: Claudia Köhler |