Vietnamkrieg und Notstandsgesetzgebung als streikbare allgemein-politische Themen
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Auch allgemeine politische Themen standen im Fokus der Gießener Studentenproteste: Zum einen richteten sie sich gegen die amerikanische Kriegsführung in Vietnam und solidarisierten sich mit dem Vietkong, zum anderen bestreikte man die drohende Einschränkung der Grundrechte durch die Notstandgesetzgebung. Ersteres fand beispielsweise in einer SDS-Kundgebung am 14. Februar 1968 Ausdruck, wo rund 500 Teilnehmer ihren Unmut mit Plakaten wie "Keine Mark für die US-Aggressoren" oder "Freiheit durch Napalm" Luft machten. Ebenfalls am 14. Februar 1968 problematisierte man Vietnam in Teach-ins, Demonstrationen
und Geldsammlungen auf dem Seltersweg für das vietnamesische Rote Kreuz. Wie sich Heinrich Brinkmann erinnert, sammelten
sie mit Sammelbüchsen. "Und manches alte Mütterlein steckte uns einen
10-Markschein in die Sammelbüchse mit der Frage:`Ist das gegen die
Amerikaner?´, die Antwort lautete `Ja´ und schon war der 10-Markschein drin."
Sie hätten gnadenlos die antiamerikanischen Affekte ausgenutzt und über 1000 DM
zusammenbekommen, die tatsächlich nach Nord-Vietnam "teils über Marburger,
teils über Berliner Kanäle" verschickt wurden und wohl auch ankamen, weiß
Heinrich Brinkmann zu berichten. Die Notstandsgesetzgebung, die am 30. Mai 1968 in der Zeit der Großen Koalition vom Bundestag gegen den Widerstand der außerparlamentarischen Opposition verabschiedet wurde, bildete einen weiteren großen Themenkomplex der Studentenproteste, auch in Gießen. Die Einschränkung der Grundrechte bot den Stein des Anstoßes
für verschiedene Demonstrationen im Mai 1968, die durch die Innenstadt Gießens
führten. Aber auch zuvor kam es anlässlich der drohenden Gesetze teilweise zu
einem Auszug der Protestbewegung aus der Stadt. Beispielsweise fand im Oktober
1966 in Frankfurt der Kongress "Notstand der Demokratie" statt, wo Helmut
Ridder aus Gießen einer der Hauptredner war. |