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Vietnamkrieg und Notstandsgesetzgebung als streikbare allgemein-politische Themen

Antikriegsdemonstration 1969
Antikriegsdemonstration 1969
Aufruf zum Teach-in und Demonstration im Juni 1970
Aufruf zum Teach-in und Demonstration im Juni 1970

Auch allgemeine politische Themen standen im Fokus der Gießener Studentenproteste: Zum einen richteten sie sich gegen die amerikanische Kriegsführung in Vietnam und solidarisierten sich mit dem Vietkong, zum anderen bestreikte man die drohende Einschränkung der Grundrechte durch die Notstandgesetzgebung.

Ersteres fand beispielsweise in einer SDS-Kundgebung am 14. Februar 1968 Ausdruck, wo rund 500 Teilnehmer ihren Unmut mit Plakaten wie "Keine Mark für die US-Aggressoren" oder "Freiheit durch Napalm" Luft machten.

Ebenfalls am 14. Februar 1968 problematisierte man Vietnam in Teach-ins, Demonstrationen und Geldsammlungen auf dem Seltersweg für das vietnamesische Rote Kreuz. Wie sich Heinrich Brinkmann erinnert, sammelten sie mit Sammelbüchsen. "Und manches alte Mütterlein steckte uns einen 10-Markschein in die Sammelbüchse mit der Frage:`Ist das gegen die Amerikaner?´, die Antwort lautete `Ja´ und schon war der 10-Markschein drin." Sie hätten gnadenlos die antiamerikanischen Affekte ausgenutzt und über 1000 DM zusammenbekommen, die tatsächlich nach Nord-Vietnam "teils über Marburger, teils über Berliner Kanäle" verschickt wurden und wohl auch ankamen, weiß Heinrich Brinkmann zu berichten.

Die Notstandsgesetzgebung, die am 30. Mai 1968 in der Zeit der Großen Koalition vom Bundestag gegen den Widerstand der außerparlamentarischen Opposition verabschiedet wurde, bildete einen weiteren großen Themenkomplex der Studentenproteste, auch in Gießen.

Die Einschränkung der Grundrechte bot den Stein des Anstoßes für verschiedene Demonstrationen im Mai 1968, die durch die Innenstadt Gießens führten. Aber auch zuvor kam es anlässlich der drohenden Gesetze teilweise zu einem Auszug der Protestbewegung aus der Stadt. Beispielsweise fand im Oktober 1966 in Frankfurt der Kongress "Notstand der Demokratie" statt, wo Helmut Ridder aus Gießen einer der Hauptredner war.

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Redaktion
19.07.2007 20:45
 

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