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Eleganz und Kampfeswille vereint: Marco Buljevic

Der 20-jährige Marco Buljevic von LTi GIESSEN 46ers
LTi GIESSEN 46ers-Marco Buljevic gilt als einer der talentiertesten deutschen Flügelspieler
Geschmeidig setzt der Spieler mit der Rückennummer 10 zum Wurf jenseits der 6,25-m-Linie an. Ein Ruck geht durch die Zuschauerränge der Sporthalle Gießen-Ost. Wo noch eben etwa 3000 Zuschauer ruhig auf ihren Sitzen das Spiel verfolgten, ist nunmehr eine stehende Masse zu erkennen. Endlich. Mit einem lauten "Switch" saust die orangene Kugel durch die Reuse des Gegners aus Jena. Bei den Fans des Basketball- Bundesligisten LTi GIESSEN 46ers ist die Begeisterung groß, der Jubel überwältigend. Ein Name ist in aller Munde: Marco Buljevic.

Schon in seiner zweiten Bundesliga-Saison bei den LTi GIESSEN 46ers trug der erst 20-jährige Junioren-Nationalspieler aus Sindelfingen (bei Stuttgart) mit seinen zwei Dreipunktewürfen in Folge von der Bank kommend wesentlich zum dritten Heimerfolg des Bundesliga-Urgesteins von der Lahn bei.

Doch bereits in der Saison 2006/2007, seinem ersten Jahr in der höchsten Spielklasse, zeigte der 1,96 Meter große Buljevic, dass er nicht umsonst als einer der talentiertesten deutschen Nachwuchsspieler auf der Flügelposition gilt. Unter dem damaligen Cheftrainer Ken Scalabroni erarbeitete er sich einen festen Platz in der Mannschaft. "Für mich war allgemein die Rückrunde 2006 das bisher aufregendste Ereignis in meinem Leben. Ich hatte wirklich eine Rolle im Team, als wir den Abstieg verhinderten. Vor allem das Spiel gegen Ludwigsburg werde ich nie vergessen, in dem ich zum ersten Mal in der Startfünf spielen durfte."

Ein Grund für diese etwas überraschende Entscheidung war sicherlich der unglaubliche Trainingseifer des noch so jungen Flügelspielers. Während seiner Amtszeit bei den LTi GIESSEN 46ers bemerkte Ken Scalabroni (heute bei USK Prag in Tschechien tätig) einst über seinen Schützling: "Marco ist der Erste, der zum Training erscheint und der Letzte, der aus der Halle geht." Im gleichen Atemzug benannte er ihn als "besten Dreierschützen in unserem Team." Nicht zu unrecht. Zwar ließ die Treffsicherheit Buljevics aus dem Dreipunktebereich mit 28,3 Prozent in seiner ersten BBL-Saison noch zu wünschen übrig, aber schon in dieser Saison konnte er diesen Wert bei einer durchschnittlichen Einsatzzeit von acht Minuten auf 40,9 Prozent steigern.

Für das Erstliga-Greenhorn, das sich auch gut vorstellen könnte, einmal auf europäischer Ebene - beispielsweise bei KK Split, bei dem er früher in der Jugend über den Sommer trainierte - zu spielen, haben solche Statistiken und Werte dennoch wenig Bedeutung. Wenn er Basketball spielt, will er zunächst gewinnen. Denn wie er lachend bekräftigt: "Gewinnen macht mir am meisten Spaß." Zudem fügt er hinzu, dass auch ein guter Pass, der direkt zum Korb führt, sehr viel Freude bereite. Denn damit könne man gleich zwei Leute glücklich machen.

Mit acht Jahren kam er zum Basketball

In seiner eleganten Spielweise macht Marco Buljevic seinem Vorbild Drazen Petrovic alle Ehre.
In seiner eleganten Spielweise macht er seinem Vorbild Drazen Petrovic alle Ehre

Bereits im zarten Alter von acht Jahren kam Buljevic mit dem Sport Basketball in Berührung. Obgleich er mit seinem Vater, einem ehemaligen professionellen Tennisspieler, erblich mehr als vorbelastet war, setzte er sich schon sehr früh das Ziel Profi-Basketballer zu werden. Dabei wurde er von seiner gesamten Familie immer unterstützt. Die Grundlage wurde dafür während der alljährlichen Urlaube in Kroatien gelegt. Dort nahm man ihn zu den Spielen von Jugoplastika Split mit.

Später überredete ihn ein Freund - damals wohnte er noch mit der Familie in Konstanz - einmal bei einem Training eines Basketballvereins vorbeizuschauen. "Ich bin mitgegangen und mir hat es auf Anhieb gut gefallen." Schon bald gehörte der junge Marco zu den besten Spielern im Team des TV Konstanz. Als Kapitän führte er sein Team zum Aufstieg in die Jugend-Oberliga, wo sie jedoch gegen seine zukünftige Mannschaft "immer etwas auf die Mütze bekamen."

Ein Gutes hatte es: Die SG Urspringschule bei Ehingen wurde auf Buljevic aufmerksam, ein verlockendes Angebot winkte. Lange musste man da nicht überlegen. Und so wechselte der damals 16-Jährige an die renommierte Basketball-Academy. Rückblickend ist er überzeugt: "Das war eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe. Ich wäre heute nicht hier, wenn ich nicht dort hingegangen wäre."

Der zu diesem Zeitpunkt als einziger Konstanzer Spieler in der Baden-Württemberger Landesauswahl stehende Flügelspieler erhielt nun eine Rundum-Basketball-Ausbildung. Anders gesagt: Während die einen gemütlich am Mittagstisch saßen, stand Marco zusammen mit anderen Basketballern schwitzend in der Sporthalle und ackerte bis zum Umfallen.

Aber die harte Arbeit machte sich bezahlt. Das von Trainer Ralph Junge im Jahre 1998 gestartete Jugendbasketballprogramm an der Urspringschule bei Ehingen gewann im Handumdrehen an Popularität. Denn seine Mannschaft gewann nicht nur zweimal hintereinander das Basketball-Jugendturnier "Jugend trainiert für Olympia" (2003/2004, 2005/2006), sondern marschierte förmlich durch alle Basketball-Ligen hindurch, bis sie schließlich in der 2. Bundesliga landeten. So sammelte der junge Buljevic im Laufe seiner Schulzeit neben Titeln wie die deutsche Vizemeisterschaft in der Altersklasse U16 und den deutschen Meistertitel in der U18) auch wertvolle Erfahrungen bei internationalen Turnieren wie beispielsweise auf Hawaii und in Wien.

Ein Höhepunkt war die Beteiligung an der amerikanischen AAU-Summer League in Las Vegas und Los Angeles, zu dem Marco und sein damaliger Zimmernachbar Nicolai Simon (Alba Berlin, BBL-Rookie of the Year, 2006) geschickt worden waren. Darüber hinaus ging der damals 17-jährige Buljevic seit der Saison 2004/2005 für den Süd-Zweitligisten Erdgas Ehingen auf Korbjagd. In seinen insgesamt 28 Spielen erzielte er 10,9 Punkte bei einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 22:02 Minuten pro Partie. Mit einer Trefferquote von 45,9 Prozent (51 von 111) wies Buljevic zudem im Dreipunktbereich unter den "Vielwerfern" (mehr als zwei Dreierversuche pro Spiel) in der 2.Liga Süd den besten Wert auf.

Krönender Abschluss war schließlich die EM 2005 in Serbien-Montenegro. Dort nahm er mit der U18-Nationalmannschaft teil. Bei sechs Einsätzen und einer Spielzeit von 14 Minuten kam er auf 5,8 Punkte pro Spiel. Vor allem das Spiel gegen Kroatien war für ihn etwas ganz Besonderes. "Das war ein Traum. Während des Sommers in Kroatien habe ich ständig bei der Jugendmannschaft von KK Split mittrainiert. Nun stand ich meinen Jungs gegenüber."

"Ich fühle mich wirklich wohl bei den GIESSEN 46ers"

Das LTi GIESSEN 46ers-Team in der Saison 2007/2008
Das LTi GIESSEN 46ers-Team in der Saison 2007/2008

Zur Saison 2006/2007 wechselte Marco Buljevic zum Erstligisten LTi GIESSEN 46ers. Seinen Dreijahresvertrag unterschrieb er kurz vor seinem Abitur im März 2006.

Diesen Entschluss hat er bis heute nicht bereut, obwohl die 46ers in der letzten Saison lange Zeit um den Klassenerhalt im deutschen Basketball-Oberhaus kämpfen mussten und auch in diesem Jahr wieder in den Abstiegskampf verstrickt sind.

Ganz im Gegenteil: "Ich fühle mich wirklich wohl bei den LTi GIESSEN 46ers. Ich habe hier meine Freundin kennengelernt und ein Teil meiner Familie wohnt ganz in der Nähe. So sind sie bei jedem Heimspiel mit dabei, was für mich wichtig ist. Und das ist alles, was ich brauche, um mich wohl zu fühlen."

Hinzu kommt sicherlich auch, dass er sich in der Stadt Gießen zunehmend heimischer fühlt: "Gießen hat ein paar schöne Flecken. Manchmal gehe ich zum Beispiel um den Schwanenteich joggen."

Sein großes Vorbild: Basketball- Legende Drazen Petrovic

 LTi GIESSEN 46ers-Flügelspieler Marco Buljevic beim Dreipunktewurf
Ganz in seinem Element: LTi GIESSEN 46ers-Flügelspieler Marco Buljevic beim Dreipunktewurf

Für die Zukunft heißt seine Devise: "Ich gehe von Spiel zu Spiel, bin immer positiv und gebe nie auf. Denn wenn man sich aufgibt, dann hat man schon verloren." Um eben das zu verhindern, arbeitet der junge 46ers-Spieler unermüdlich an sich: "Es gibt viele Sachen, die ich verbessern will. Zum einen möchte ich meine Schnelligkeit verbessern, ein bisschen Muskelmasse zulegen und an meinem Ballhandling arbeiten."

Sein großes Vorbild ist der kroatische Basketball-Nationalspieler, Volksheld und NBA-Spieler Drazen Petrovic, der im Frühjahr 1993 bei einem Autounfall ums Leben kam. "Wenn ich schlecht gespielt habe, dann nehme ich seine Biographie aus dem Regal und lese darin. Es gibt mir Kraft und Motivation."

Nicht verwunderlich also, dass sein Wurf und seine Spielweise von einer Eleganz zeugen, die seinem Vorbild, der europäischen Basketball-Legende, Drazen Petrovic wenig nachstehen.

Autorin: Katja Weber

Bilder: MediaShots Werbefotografie



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26.01.2008 15:41
 

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