Geschichte interaktiv entdecken
Unter der Leitung von Dr. Peter Hoeres stellte jeder Seminar-Teilnehmer jeweils zwei verschiedene Seiten aus dem Netz vor. So wurden mehr als 20 Geschichts-Websites genauer unter die Lupe genommen und auf Herz und Nieren geprüft. Dabei standen nicht nur Inhalt und Wahrheitsgehalt im Vordergrund der Kritik. Auch die Oberflächengestaltung sowie die Benutzerfreundlichkeit waren wichtige Aspekte, auf die bei der Bewertung geachtet werden sollten.
Die vorgestellten Seiten umfassten ein breites Spektrum. Neben den bekannten Internet-Präsenzen "H-Soz-u-Kult", "Historicum.net" und "Sehepunkte", wurde das Augenmerk auch auf nicht ganz so regelmäßig besuchte Websites gerichtet. Die "Erlanger Historikerseite" oder das "Wochenschau-Archiv" wurden dabei genauso detailliert vorgestellt wie zahlreiche staatliche Internet-Auftritte, etwa die der Bundeszentrale für politische Bildung oder des Bundesarchivs.
Nach und nach zeigte sich, dass die historischen Websites unterteilbar sind. Neben den wissenschaftlichen Seiten gibt es populärwissenschaftliche, journalistische, private sowie unseriöse Angebote. Die unseriösen Online-Auftritte sind häufig daran zu erkennen, ,dass sie gänzlich auf die für wissenschaftliche Projekte typsichen Merkmale verzichten. Hierzu zählen z. B. das Nennen der Autoren sowie die korrekte und eindeutig nachvollziehbare Angabe von Quellen.
Doch auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Seiten wiesen Makel auf, die im Seminar analysiert wurden. So fehlt es oft an einer benutzerfreundlichen Oberfläche, die dem Nutzer ein schnelles und unkompliziertes Navigieren durch die Website ermöglichen. Ebenso ließ das Design oftmals noch zu wünschen übrig.
Neben der Präsentation der Seiten bestanden die Sitzungen außerdem aus Diskussionen über wissenschaftliche Texte, die sich mit dem Phänomen "Internet und die Geschichtswissenschaft" beschäftigten. So ging es unter anderem um die Frage, ob und inwiefern die Online-Enzyklopädie "Wikipedia" ein seriöses und für wissenschaftliche Zwecke geeignetes Hilfsmittel darstellt.
Das Seminar hat einen umfassenden Überblick über einige der wichtigsten Geschichts-Websites geliefert und gleichzeitig aufgezeigt, dass viele scheinbar "wissenschaftliche" Seiten nur sehr wenig mit "Wissenschaftlichkeit" gemein haben. Demgegenüber ist jedoch auch deutlich geworden, dass das Netz eine große Chance für die Geschichtswissenschaft darstellt: Das Internet ist nicht nur ein unkompliziertes, sondern auch ein schnelles Medium, mit dessen Hilfe Unmengen an Daten und Ressourcen in Sekundenschnelle weltweit verbreitet werden können.