Jesus goes to Hollywood
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Alle Jahre wieder laufen vor allem zur Weihnachs- und Osterzeit zahlreiche Jesus- und Bibelverfilmungen im Fernsehen. Doch wann entstanden sie und was sagt eigentlich die Kirche dazu? Dem soll im Folgenden auf den Grund gegangen werden.
Religion und Öffentlichkeit seit 1945Umfragen zufolge spielt Religion heute für viele Deutsche nicht mehr so eine große Rolle wie etwa vor fünfzig Jahren. Trotzdem sind Kirche und Religion in den Medien allgegenwärtig. Dies gilt für die "Medienpäpste" Johannes Paul II. und Benedikt XVI. genauso wie für die Darstellung biblischer Themen wie zuletzt in Mel Gibsons "Die Passion Christi". Das von Prof. Dr. Frank Bösch geleitete Hauptseminar thematisiert das wechselseitige Verhältnis von Kirche und Medien. Dabei wird sowohl auf Printmedien als auch auf Kino und Fernsehen eingegangen. Mel Gibsons Bibelfilm erregte vor einigen Jahren aufgrund seiner Brutalität großes Aufsehen. Weniger gewalttätig geht es bei den Streifen zu, die in den 50er und 60er Jahren entstanden und die in dem folgenden Referat analysiert wurden.
Die Entwicklung des Bibelfilms bis in die 60er JahreBereits die Anfänge des Bibelfilms sind eng mit dem Entstehen des Kinos verbunden. Schon 1897 wird mit der französischen Produktion "La Passion du Christ" der erste Jesusfilm gedreht. Noch im selben Jahr kommen Italien, den USA und Großbritannien weitere Filme auf. Sie bestehen meist aus einer Aufreihung von nahezu statischen Szenen. Bis in die zwanziger Jahre ist dieses Genre ein Garant für sichere Gewinne. 1927 wird mit "König der Könige" der bislang teuerste Film produziert. Mit ihm endete die erste Phase der Bibelverfilmungen. Erst in den fünfziger Jahren lebt das Genre sowohl in Europa als auch in den USA wieder auf. Den enormen Erfolg wie etwa von "Die Zehn Gebote" (USA, 1956) versuchen die Hollywood-Produzenten in den sechziger Jahren mit äußerst aufwändigen Produktionen wie "Die Größte Geschichte aller Zeiten“ fortzusetzen. Diese können aber nicht an ihre Vorgänger anknüpfen. So stellt John Hustons Bibel-Projekt von 1966 für längere Zeit die letzte Bibelverfilmung dar.
Die Entwicklung des amerikanischen Kinos in der NachkriegszeitNach dem Zweiten Weltkrieg müssen sich die Hollywood-Studios mit zwei Herausforderungen auseinandersetzen. Der Popularisierung des Fernsehens als Konkurrenzmedium und dem Wiedererstarken des europäischen Kinos. Eine Krise im Filmwesen kündigt sich an. Die großen Produktionsfirmen versuchen, das weitere Absinken ihrer Erlöse durch technische Neuerungen aufzuhalten. Man setzt auf Attraktionen wie Breitbandformate und Tricktechnik, die zwar das Kino, nicht aber das heimische Fernsehgerät bieten kann. So entstehen zahlreiche aufwendig gemachte Filmepen. Bibelverfilmungen bieten hierbei ausgezeichnete Gelegenheiten, die technischen Neuerungen in Szene zu setzen.
Das Verhältnis von Kirche und Kino in den 50er und 60er Jahren1958 kommt es zu einer grundsätzlichen Prioritätenverschiebung in der päpstlichen Medienarbeit. Diese soll nicht mehr nur an Inhalten orientiert sein, sondern vor allem die Fähigkeit zum kritischen Umgang mit medialen Erzeugnissen vermitteln. Die Anzahl der negativen Filmbewertungen des kirchlichen Filmdienstes klettert 1958 auf ein Rekordniveau. Besonders in den USA verfügen kirchliche Institutionen, allen voran die "Legion of Decency", über große Macht. Mit Bibelverfilmungen versuchen die Produzenten, die Gunst der Kirche zu gewinnen. Die erhoffte Unterstützung bleibt jedoch aus, da man den Filmen mangelnde Tiefe unterstellt.
Rezeption und Wirkung der BibelverfilmungenVom Publikum werden diese Streifen in erster Linie als Glaubenszeugnisse wahrgenommen. Die meisten Zuschauer geben an, durch sie eine Stärkung des Glaubens erfahren zu haben. Je mehr ein Film den Zuschauererwartungen entspricht, desto größer sein Erfolg. Insgesamt erzielten die Bibelverfilmungen eine enorme Wirkung und prägten die religiöse Vorstellung ganzer Generationen. Vielfach lösen sie die Bibel als das klassische Medium zur Vermittlung der christlichen Werte ab. Im Gegensatz zu den Zuschauern werden die Filme von den Kritikern sehr negativ bewertet, weil sie vor allem auf Schaueffekte ausgerichtet sind.
Von Florian Grafl |