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Mit dem Bobbycar zur UB? - Studieren mit Kind an der JLU Gießen

 
Mit Bobbycar zur Universitätsbibliothek?
Zwischen Bilder- und Lehrbuch, zwischen Kinderzimmer und Seminarraum soll hier Einblick in den Alltag einer studierenden Mutter gegeben werden. Betreuung und Finanzierung sind das A und O eines erfolgreichen Studiums und gleichzeitig die größten Probleme. Um den Spagat zu bewältigen, gibt es vieles zu berücksichtigen.

"Mama! Hoch! Keks!" Im besten Befehlston und mit breitem Grinsen im Gesicht versucht mir meine kleine Tochter (1½) ihr Anliegen näher zu bringen. Dabei verliert sie auf keinen Fall das Regal aus den Augen, auf dem die Keksdose steht. Dies sind die kleinen Begebenheiten, die den ansonsten recht hektischen Alltag aufhellen. Denn es verlangt konsequentes Organisations- und Improvisationstalent Studium und Erziehung eines Kindes zu vereinbaren.

Eine Schätzung der bundesweiten Studentenwerke kam zu dem Ergebnis, dass rund sechs Prozent aller Studierenden Kinder haben. Wer hat sich bei der Rückmeldung im Studentensekretariat noch nicht gewundert, wie viele Studenten in der Warteschlange mit ihren Kindern stehen?


Doch ganz alleine steht man nicht da, wenn man während des Studiums Mutter oder Vater wird oder bereits ein Kind hat und studieren möchte. In und um Giessen befinden sich viele Anlaufstellen. Neben dem Jugendamt, Pro Familia und diversen kirchlichen Einrichtungen gibt es auch Angebote des Landkreises Giessen, wie etwa eine Fachberatung für Kindertagesbetreuung.

Bereits während der Schwangerschaft hat man die Möglichkeit, sich durch zahlreiche Beratungsgespräche einen individuellen Plan zu basteln, wie man Studium und Kindererziehung vereinen kann.

Die Abteilung Beratung und Service des Studentenwerkes hat eine Infobroschüre fertig gestellt, die versucht den Informationsbedarf studierender Eltern zu decken. Von finanziellen Hilfen während und nach der Schwangerschaft bis hin zu Betreuungsangeboten und Möglichkeiten wie die Beurlaubung vom Studium oder die Befreiung von Studiengebühren versucht die Infobröschüre, allen relevanten Themen rund ums Studieren mit Kind gerecht zu werden. Für alle Eltern und die, die es werden (wollen), eine Pflichtlektüre.

Seit 2004 gibt es an der Uni Giessen ein Modellprojekt Studieren und Forschen mit Kind. Ziel des von der Hessenstiftung Familie hat Zukunft geförderten Projektes ist es, Maßnahmen zur Verbesserung der Situation forschender und studierender Eltern zu erarbeiten und umzusetzen. Dabei wird vor allem gefragt, wie Eltern ihren Alltag zwischen Hochschule und Familie gestalten und welche Probleme sie vorfinden. Nicht zuletzt durch die vorläufigen Ergebnisse des Projektes scheint sich die Situation für studierende Eltern an der Uni Giessen verbessert zu haben.

Als ich im Jahr 2006 meine Tochter bekam, sah der Zustand an der Uni noch anders aus. Ich erwartete Informationsangebote und Vorschläge zur Vereinbarkeit von Studium und Kindererziehung. Diese waren jedoch - wenn überhaupt vorhanden - sehr unzureichend. Ich war enttäuscht von der Tatsache, dass man keine Untersützung erwarten konnte. Jedenfalls begann ich alleine dafür zu sorgen, dass ich trotz Mutterschaft mein Studium nicht abbrechen musste. Doch leider ist dies der Weg, den immer noch viele wählen.

Die Infobroschüre des Studentenwerkes
Lehrbuch oder Bilderbuch?


Im Kinderturnen sagte neulich ein Vater ganz nebenbei zu mir: "Na ja, ihr Studenten habt ja wenigstens Betreuung an der Uni. Da geht das ja schon mit den Vorlesungen und Seminaren". Als ich ihm aber sagte, dass dies nicht der Fall sei, war er recht erstaunt. Um erfolgreich weiter zu studieren, gilt es zunächt die beiden wichtigsten Probleme zu klären: die Betreuung des Kindes und die Finanzierung des Ganzen.

Schaut man auf die bundesweite Diskussion um Betreuungsplätze für Kinder, deren Elternteile zügig wieder arbeiten gehen (möchten), zeigt sich, dass oft eine Gruppe vergessen wird: Es sind die Elternteile, die sich noch in der Ausbildung befinden. Folglich haben jene auch noch kein vernünftiges Einkommen um einen Kita-Platz zu bezahlen, sofern er überhaupt vorhanden ist.

Auch angesichts dieser Situation muss die Betreuung des Kindes vor allem durch Eigeninitiative organisiert werden. Das hatte ich mir einfacher vorgestellt, als es ist. Als ich in einem Beratungsgespräch fragte, was denn mit der Kindertagesstätte Die kleinen Kobolde e.V. zwischen Philosophikum I und Philolosophikum II sei, wurde mir eröffnet, dass zwar auch Kinder von Studierenden dort betreut werden könnten. Dafür stünden jedoch nur acht Plätze pro Jahr zur Verfügung. Dass man kaum die Chance hat einen solchen Platz zu bekommen, war nicht der einzige Haken. Das Kind muss auch noch ein Gießener Stadtkind sein, man muss also mit Wohnsitz in Gießen gemeldet sein. Nun eröffnete sich mir die ganze Dimension des Problems: da ich nicht in Gießen wohne, kommt auch die Betreuung meines Kindes in einer Gießener Einrichtung nicht in Frage. Nicht im Kindergarten am Phil II, der für mich ideal wäre, pendle ich doch für mein Studium zwischen Phil I und Phil II, und auch in keinem anderen. An meinem Heimatort gibt es nur eine Kita, bei der die Plätze ebenfalls beschränkt sind. Die Gemeinden scheinen wohl Angst zu haben, ihre eigenen Kindergärten nicht vollzubekommen, wenn jedermann sein Kind dorthin brächte, wo er es gerne möchte. Auch bei Studenten, die sich in einer besonderen und zudem finanziell bescheidenen Lage befinden, wird da keine Ausnahme gemacht.

Dabei hat sich gerade im Bereich der Betreuung nahe der Uni oder der FH einiges getan: Neben der seit 1984 bestehenden Krabbelstube e.V. an der Fachhochschule Gießen-Friedberg, die speziell für Kleinkinder der Studierenden an der FH und JLU eingerichtet ist, können auch im Bereich der Humanmedizin die Studenten ihre Kinder in der betriebseigenen Kindertagesstätte Villa Wunderland hüten lassen. Voraussetzung auch hierfür: Der Wohnsitz in Gießen. Pläne für die Einrichtung weiterer, betriebseigener Betreuungsmöglichkeiten scheiterten in der Vergangenheit an mangelnden Räumlichkeiten, teilte mir ein ehemaliger Vertreter des Allgemeinen Studentenausschusses (AstA) mit.

Eine weitere Maßnahme zur Unterstützung studierender Eltern ist das Projekt Tagesmütternetz. Es läuft seit November 2006 im Rahmen des Modellprojektes Studieren und Forschen mit Kind. Nach Beantragung der Betreuung (Formulare sind beim Studentenwerk erhältlich) bekommt man eine anerkannte Tagesmutter vermittelt. Der Haken hierbei ist, dass zwar die Betreuungsstunden von wöchentlich 140 auf 280 erhöht wurden, die Plätze jedoch weiterhin knapp sind. Wird das Netz zum Beispiel etwa von 28 Kindern genutzt, könnten auf jedes Kind zehn Wochenstunden entfallen. Da die Betreuungsstunde dank Förderung 3,10 Euro kostet, stellt sich trotzdem die Frage, welcher Student im Monat 124 Euro für 40 Betreuungsstunden zur Verfügung hätte?

Trotzdem ist das Tagesmütternetz ein großer Erfolg, wie die Nachfrage der Studierenden zeigt. Die 280 Betreuungsstunden sind voll ausgebucht. Es existieren sogar Nachrücker-Wartelisten für den Fall, dass jemand noch abspringt. Durch das Tagesmütternetz erhalten die Studierenden zum ersten Mal die Möglichkeit einer ihren Bedürfnissen entsprechenden Kinderbetreuung. Sie müssen sich nicht monate- oder sogar jahrelang um einen Kita- oder Kindergartenplatz bemühen, sondern nur rechtzeitig das Anmeldeformular abgeben. Denn die Reihenfolge der Abgabe ist entscheidend für die Zusage der Betreuung. Konkret heißt dies, dass man nach Möglichkeit vier Monate vor Beginn der Vorlesungszeit das Antragsformular abgegeben haben sollte. Dabei muss man bereits die benötigte Wochenstundenzahl und nach Möglichkeit die Termine angeben. Wie gut, dass die Vorlesungsverzeichnisse etwa einen Monat vor Vorlesungsbeginn erscheinen und man auch nicht aus überfüllten Seminaren herausfliegen kann!

Wie es mit dem Tagesmütternetz weitergeht, steht noch in den Sternen. Das Projekt läuft zunächst bis Oktober 2008. Es müssen neue Geldgeber gefunden werden, damit es weiter existieren kann.

Unitasche und Wickeltasche?
Studieren an der familienfreundlichen Uni Gießen: Eltern-Kind-Raum am Philosophikum II ...
... Kindertisch in der Zweigbibliothek...

Regelmäßig finden Treffen des Netzwerkes Studieren mit Kind statt. Zunächst waren sie als Kennenlern-Plattform und zum Austausch der Studierenden untereinander gedacht. Nun haben die Treffen verschiedene Themen zum Inhalt. Die Veranstaltungen behandeln Probleme wie "Studieren mit Kind – Unbezahlbar?" oder "Wohin mit meinem Kind während der Vorlesung?". Regelmäßig werden Gastreferenten eingeladen, die die Hauptfragen der studierenden Mütter und Väter aufgreifen. Doch stoßen diese Treffen auf geringe Resonanz, trotz der Bemühung, durch ihre Inhalte Studenten anzusprechen. Das einzige Treffen, an dem ich selbst teilnahm ("Wohin mit meinem Kind während der Vorlesung?"), ermunterte mich auch nicht weiter dorthin zu gehen:

Die Gastereferentin, die das Tagesmütternetz vorstellen sollte, kam erst gar nicht. Drei weitere Studenten waren außer mir noch da und man teilte uns Anmeldungen für das Tagesmütternetz aus.
Der Titel der Veranstaltung hatte in mir die Assoziation geweckt, dass man dort bestimmt einige Möglichkeiten zur Kinderbetreuung vorgestellt bekäme, zusätzlich zu dem neu eingerichteten Tagesmütternetz. Schließlich, so dachte ich, bekommt die JLU doch nicht einfach so diese Auszeichnungen. Es blieb dabei. Als ich noch gefragt wurde, wie in meinem Heimatort die Betreuung aussehe und wie ich es manage zu studieren, fühlte ich mich völlig fehl am Platz, verließ daraufhin die Veranstaltung (war ich nicht deswegen gekommen?) und ärgerte mich, dass ich dafür mein Seminar geschwänzt hatte.


... und Rutsche im Phil. I.

Gut, dass die Gastreferentin nicht kam, war natürlich Pech. Doch waren dem Studentenwerk tatsächlich lange Zeit die Hände gebunden, aktiv Hilfen für die Studierenden mit Kind anzubieten. Man konnte an bestehende Einrichtungen Gelder verteilen, nicht jedoch selbst Krabbelstuben oder Betreuungsangebote ins Leben rufen. Im letzen Jahr wurde eine Novellierung des hessischen Studentenwerkgesetzes beschlossen: Nun ist eine Phase eingetreten, in der die hessischen Studentenwerke konkrete Konzepte zur Kinderbetreuung vorschlagen können. Diese müssen dann noch von höherer Stelle genehmigt werden.

Ist man im E-Mail-Verteiler des Netzwerkes Studieren mit Kind eingetragen, erfährt man allerlei Nützliches und bekommt regelmäßig Einladungen zu Treffen. In schwierigen Situationen werden auch schon mal die Studenten selbst um Rat gefragt. Wenn man sich nicht gegenseitig helfen kann, ist der Gießener Verein Eltern helfen Eltern e.V. eine weitere wichtige Anlaufstelle in allen Fragen rund um die Kindererziehung . Er bemüht sich, Hilfen in allen Situationen zu geben.

Letzendlich musste ich die Betreuung meiner Tochter alleine organisieren. Außer dem Tagesmütternetz kommt ja keine Betreuung für mich in Frage (es sei denn, ich ziehe nach Gießen). Zum Glück bestreite ich ein geisteswissenschaftliches Studium und kann selbstständig und weitestgehend unabhängig mein Studium gestalten. Wichtig dabei ist, dass ich im "guten alten Magisterstudiengang" meinen Stundenplan selbst erstellen kann. Wäre dem nicht so, wüsste ich nicht, wie ich mein Studium und mein Kind miteinander vereinen sollte. Daher verstehe ich auch, warum viele in einer solchen Situation ihr Studium abbrechen.

Die Hauptaufgabe besteht in erster Linie im Zeitmanagement. Ich wähle nun die Seminare kaum noch nach ihren Themen aus, sondern vor allem nach der Zeit und dem Wochentag, an denen sie stattfinden. Meine Wahl der Seminare richtet sich nach den freien Tagen meiner Mutter und Schwiegermutter (in spe). Müssen diese arbeiten, versuche ich von Woche zu Woche die Betreuung durch andere Verwandte oder Freunde zu organisieren. Wie jemand allein erziehend studiert, kann ich mir nur schwer vorstellen. Gerade mein Partner ist eine große Hilfe. Nach einem stressigen Tag beschäftigt er unsere Tochter, damit ich wenigstens den Text für das nächste Seminar einmal kurz überfliegen kann. Auch ohne Auto, um schnell von einem zum anderen Ort zu kommen, wäre es für mich unvorstellbar.

Tagsüber kommt man kaum dazu, etwas für das Studium zu arbeiten. Kind, Haushalt und Hunde sorgen dafür, dass bei uns zu Hause immer was los ist. Abends, wenn meine Tochter schläft (das kann durchaus 21 Uhr werden), darf ich mich um das Studium kümmern. Zahnen und schlaflose Nächte inklusive. Auch schlugen Versuche meine Tochter mit einem Puzzle oder einem Spielzeug abzulenken, um schnell ein paar Seiten zu lesen, kläglich fehl. Denn alles, was die Mama hat, ist ja so schrecklich interessant. Textmarker malen so schön bunt auf diesen komischen Zetteln, die sie da in der Hand hält.

Einen Vorteil jedoch hat die ganze Organisation. Dadurch, dass man die Zeit zum Lernen ganz genau einplanen muss, nutzt man diese effektiver und lernt sinnvoller. Ich kann nichts mehr auf die lange Bank schieben, sondern muss Wochen vorher planen wann ich in die Bibliothek gehe, wann ich mich mit welchem Referat beschäftige und die Hausarbeiten schreibe.

Frühkindliche Schreiberziehung: Mit Seminarreader und Textmarker ...
... und Notebook-Tastatur.

Spätestens wenn man die Betreuung und damit auch die Zeit zum Lernen organisiert hat, stellt sich die wichtige Frage, wie das Ganze zu finanzieren ist. Schafft man es auch noch nebenher arbeiten zu gehen? Doch was nützt es, wenn man für 7,50 Euro die Stunde arbeiten geht (mehr bekommt man selten bei einem Studentenjob) und für die Betreuung 6,- Euro pro Stunde zahlen muss? Zwar kann man auch beim Jugendamt einen Zuschuss für die Betreuung beantragen, doch weil dieser immer von der Höhe des Einkommens oder BAföGs abhängig ist, bleibt man trotzdem oft auf erheblichen Kosten sitzen.

In meinem Fall sind es ganz klar die BAföG-Gelder, die mir das Studium ermöglichen. Wenn man ein Kind erzieht, erhält man sie auch noch über die Förderungshöchstdauer hinaus. Von dem alten Erziehungsgeld (300,- Euro) und dem Kindergeld (154,- Euro) allein lässt sich schwer leben. Da man meistens nicht in einem Arbeitsverhältnis steht, bekommt man auch kein Mutterschaftsgeld. Deshalb gilt: Bei allen möglichen Stellen wie Studentenwerk, Jugendamt, Krankenkasse etc. gründlich informieren welche Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht kommen!

Bleibt die Gruppe derjenigen, die kein BAföG bekommen und auch nicht von ihren Eltern unterstützt werden können. Sie sind darauf angewiesen schnellstmöglich arbeiten zu gehen. Der Studentenstatus schließt nämlich auch den Bezug von Sozialgeld, geschweige denn Arbeitslosengeld II aus. Für ein Kind unter 15 Jahren kann man immerhin Sozialgeld beantragen. Ansonsten hat man den Salat. Wie soll man studieren, ein Kind erziehen und arbeiten, wenn viele andere noch nicht einmal arbeiten und gleichzeitig ein Kind erziehen können, wie die Medien-Diskussion des letzen Jahres um Betreuungsplätze zeigt?

Wird es zu viel mit dem Studium und der Kindererziehung, eröffnen sich auch noch andere Möglichkeiten. Studierende Eltern können Urlaubssemester einlegen. Doch auch dann würde sich die finanzielle Lage verschlechtern, da man während dieser Zeit keine BAföG-Gelder erhält. Ähnlich verhält es sich mit dem Teilzeitstudium, das man auch zur Erziehung eines Kindes beantragen kann. Bei einem Teilzeitstudium steht ebenfalls kein BAföG mehr zu Verfügung.

Allein diese finanziellen Gründe hielten mich davon ab, ein Urlaubssemester oder ein Teilzeitstudium zu beantragen. Im ersten Semester nach der Geburt meiner Tochter besuchte ich nur ein Seminar und auch im darauf folgenden studierte ich nur zögerlich. Doch bin ich auch froh, nicht ganz aus dem Uni-Alltags-Rhythmus herausgekommen zu sein. Ich könnte sogar fertig werden, bevor mein Studienguthaben verbraucht ist. Wie ich meine beiden achtwöchigen Praktika absolvieren soll, so lange meine Tochter noch nicht in den Kindergarten geht, ist das nächste Rätsel, das es zu lösen gilt. Möglicherweise müssen alle Verwandten eine Woche hintereinander Urlaub beantragen, wenn ich keine andere kostengünstige Betreuung finde.

Studierende mit Kind haben seit kurzem einen kleinen finanziellen Vorteil: Von den Studiengebühren sind sie bis zu sechs Semester lang befreit. Danach müssen auch sie zahlen. Großartig für jemanden, der im zweiten Semester ein Kind bekommt und ab dem achten Semester dann zu zahlen hat. Studieren beide Eltern, müssen sie sich die sechs Semester teilen. Eine weitere Neuerung birgt eine eindeutige Verschlechterung: Studierende Eltern, die das seit 01.01.2007 eingeführte Elterngeld bekommen, stehen finanziell deutlich schlechter da. Sie erhalten nur den Mindestbetrag von 300 Euro, während berufstätige Eltern bis zu  67 Prozent ihres Nettogehaltes bekommen können. Außerdem beträgt die Bezugsdauer nun höchstens 14 Monate. Das Erziehungsgeld - ebenfalls in Höhe von 300,- Euro - wurde zuvor 24 Monate lang gezahlt. Immerhin wurde dies in der BAföG-Novelle berücksichtigt. Ab WS 2008/09 erhöht sich der BAföG-Satz um 10 Prozent und man kann zur Erziehung eines Kindes seit kurzem einen monatlichen Zuschuss beantragen.

Was das Thema Studiengebühren betrifft: Sie finden nach Angaben des Studentenwerkes keine Verwendung für die Verbesserung der Situation studierender Eltern.

Wie wäre es denn, wenn das Betreuungsangebot an einzelnen Bereichen der Uni ausgeweitet würde, auch für Studenten der Universität Gießen, die nicht in Gießen wohnen? Die Betreuungseinrichtungen an der FH oder bei den Humanmedizinern sprechen doch für sich und können als Vorbild dienen. Die große Nachfrage nach dem Tagesmütternetz macht deutlich, dass hier erheblicher Handlungsbedarf besteht. Als Vorbild könnte man die FH Gießen-Friedberg betrachten: sie hat laut Infobroschüre des Studentenwerks beim Not-Kindergarten Friedberg (Betreuung von 0-12 Jahren) 400 Betreuungsstunden eingekauft. Studierende können pro Kind zehn Wochenstunden in Anspruch nehmen und zahlen pro Stunde 2 Euro. Das liegt im Rahmen studentischer Möglichkeiten!

Wie man sieht, gibt es viele Dinge zu berücksichtigen und man muss erst einmal den Überblick bewahren. Weiß man, welche Stellen geeignet und kompetent genug sind, ist man in der Lage, eine individuelle Organisation zur Finanzierung und Betreuung zu entwickeln. Mit erheblicher Anstrengung im Vorfeld und einer nicht gerade kleinen Geldbörse lässt sich dann vielleicht auch entspannt zu Ende studieren.


Abschließend mein Tipp: Infobroschüre gründlich lesen, Eigeninitiative ergreifen und nicht entmutigen lassen!


Und natürlich jede Menge Spaß mit dem Kind haben…



von Nastasja Becker

Kunstwerk Pferd - für Kinder immer eine Attraktion.
Spätestens seit der Neufassung der Unterhaltsregelung ist klar: Niemand wird es sich in Zukunft leisten können, für Familie und Kinderbetreuung auf eine eigene Ausbildung zu verzichten. Demnach wird der Anteil der Studierenden, die Kinderbetreuung und Uni-Arbeit miteinander vereinbaren müssen, in den kommenden Jahren steigen.

Auch die Universitäten werden sich verstärkt auf diese Herausforderung einstellen müssen. Deshalb wollen wir die Situation studierender Eltern an der JLU genauer untersuchen und herausfinden, in welchen Bereichen Verbesserungen nötig sind.

Unsere Umfrage richtet sich an alle Kommilitoninnen und Kommilitonen mit Kind: Schreibt uns doch einfach, wie ihr eure Situation erlebt und was euch Schwierigkeiten bereitet.

  • Erlebt ihr Ähnliches oder stimmt ihr gar nicht zu?
  • Welcher Aspekt erscheint euch am wichtigsten?
  • Und wo besteht eurer Meinung nach Handlungsbedarf?

Viele beklagen, dass sie keine Studierenden mit gleichaltrigen Kindern kennen. Vielleicht könnte man in dieser Hinsicht etwas in die Wege leiten.


Über Zuschriften an diese Adresse würden wir uns überaus freuen!

 


Für Fragen, Anregungen und Kritik stehe ich gerne zur Verfügung.


Manchmal anstrengend, aber vor allem wunderschön ist es ein Kind zu haben!