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Berufe für Historiker - ein Karriereportal für Geschichtsstudenten

Sebastian Thiele - www.berufe-fuer-historiker.de
Sebastian Thiele
Der Geschichtsstudent Sebastian Thiele gründete auf eigene Faust das Karriereportal "Berufe für Historiker". Hier lesen angehende Historiker, wofür sie eigentlich studieren, was sie studieren. Herr Thiele braucht allerdings Unterstützung. Auch unser Fachbereich kann seinen Beitrag leisten...

 


Herr Thiele, Ihre Fächer sind neben Geschichte BWL und Politik, wieso?
Das Interesse am Fach Geschichte stand im Vordergrund. Daneben wollte ich etwas "Verwertbares" studieren. Sowohl BWL als auch Politik halte ich für sehr praxisnahe Fächer. Andererseits interessiere ich mich auch für Themen, die fachlich für das Berufsleben keine Rolle spielen werden. Das anregendste und beste Seminar meines Studiums war bisher "Freundschaft, Liebe und Ehe in Selbstzeugnissen der Frühen Neuzeit". Doch was ich damit nach dem Examen machen könnte, weiß ich selbst nicht.

 

 

Sie brauchen also selbst noch Orientierung?
Sicherlich, ursprünglich deshalb habe ich das Portal ja gegründet. Ich betreibe mein Studium nicht in den Tag hinein, möchte alles möglichst gut planen und mich fragen "warum studiere ich"? Dazu gehört einfach, dass man sich frühzeitig orientiert: Was ist für mich interessant, was später verwertbar?

 

 

Und das macht man im Alltag wie?
Chancen erkennen und annehmen, die sich im Alltag ständig bieten. Zum Beispiel Randthemen intensiv beleuchten, aber auch einen umfassenderen Blick für die Welt und ihre Akteure bekommen; sich allgemein bilden und auf ein paar Themen spezialisieren - ganz nach Humboldts Verständnis von der Universitas.

 

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, selbst eine Karriereseite für Historiker zu bauen?
Am Anfang stand meine eigene Berufsorientierung, 2006 habe ich dann über eine Homepage zu dem Thema nachgedacht.

 

 

Sie haben doch nicht einfach so aus dem Stegreif mit dem Programmieren einer Webseite angefangen, oder?
Ich wollte zum damaligen Zeitpunkt schon seit längerem eine Homepage machen und hatte etwas Zeit. Da habe ich mir Grundkenntnisse in Dreamweaver angeeignet und mit dem Basteln angefangen. Dabei ist die Webseite herausgekommen...

 

 

... die Ihnen nun wie viel Arbeitsaufwand beschert?
Insgesamt sind seit Frühjahr 2006 ungefähr sechs bis sieben volle Arbeitswochen zusammengekommen. In den Semesterferien oder am Wochenende schaffe ich am meisten Arbeit weg, weil ich mir dann für die Homepage Zeit nehmen kann. Letztlich habe ich aber immer zu wenig Zeit für Berufe-für-Historiker.de! Daher suche ich auch stets kompetente Leute, die mich unterstützen würden.

 

 

Es gibt andere Angebote im Netz, die Ihrem Portal recht nahe kommen. Konkurrieren Sie mit denen?
Ich sehe sie nicht als Konkurrenz, sondern als Mitstreiter. In Zukunft werde ich auf diese Angebote unter einer eigenen Rubrik hinweisen.

 

 

Woher haben Sie all die Informationen, die man auf Ihrer Seite findet?
Schon seit der Oberstufe habe ich Infos zum Thema "Karriere" gesammelt. Ob das nun ein Abi-Magazin vom Arbeitsamt mit Jobtipps war, oder später Unterlagen des Carreer Centers an der Uni Freiburg.

 

 

Die Uni Freiburg. Wie werden die Studenten dort betreut und auf ihre Karriere vorbereitet?
Es gibt hier eine ganz gute Beratung seitens der Uni. Zum Beispiel werden Referenten eingeladen. Das sind Leute aus Berufen, die im weitesten Sinne für uns infrage kommen: Lektoren, Fundraiser, Bibliothekare...

 

 

Berufe-für-Historiker.de

 

www.berufe-für-historiker.de zeigt, wie man mit Wissenschaft sein Geld verdienen kann.

 

Zu den Details - was bietet "Berufe für Historiker" dem Besucher?
Die Homepage ist ein Einstieg. Er soll Studienanfängern und Studenten nach dem abgeschlossenen Examen zeigen, wie vielfältig ihr Jobangebot nach dem Studium sein kann. Sie können zum Beispiel Fundraiser werden, auch die Universitäten werden in Zukunft immer mehr Drittmittel eintreiben müssen...
Außerdem könnte die Seite mit der Zeit weitere Geisteswissenschaftler ansprechen. Zum Beispiel ihnen Ideen geben, ihre Disziplinen etwas aufzuweichen. Ich würde begrüßen, wenn die Geisteswissenschaften sich zu noch mehr Interdisziplinarität ermutigen ließen.

 

 

Brauchen denn die Studenten Orientierungshilfe?

Ja, ich denke schon. Von den – zugegebenermaßen wenigen – Reaktionen der Besucher auf die Homepage weiß ich, dass es dankbar angenommen wird, wenn andere die vielfältigen Berufsmöglichkeiten mal bündeln, analysieren und Vorschläge machen, was man mit seinem Studium alles anfangen kann. Einige Kommilitonen wissen gar nicht, was sie eigentlich machen wollen, andere sind sehr wissenschaftlich fixiert, bauen ihre Karriere nur auf diese eine Schiene, das kann zu negativen Konsequenzen führen.

 

 

Sie empfehlen also Studenten der Geschichte prinzipiell was?

Bereits während des Studiums sollten sie ihre Interessen und Tätigkeiten breit fächern, sie sollten sich zwar durchaus auf bestimmte Bereiche konzentrieren, aber immer auf mehrere Bereiche. Sie sollten Nebenjobs annehmen, die ihnen nicht nur Geld einbringen sondern vielmehr wichtige Erfahrungen und Karriereorientierung. Dazu kommt ein ganz wichtiger Punkt in Sachen Karriere: Geisteswissenschaftler werden auch in der Industrie und Dienstleistung gesucht, wegen ihrer sogenannten "Soft Skills". Diese muss man sich aber erst einmal erarbeiten.

 

 

Soft Skills trainieren klingt gut - Und dazu empfehlen Sie den Studenten was?

Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stoff sollte im Vordergrund stehen. Nur wer Referate gut vorbereitet oder zum Beispiel versucht, einen gelungenen Essay zu schreiben, wird zum Beispiel sein Präsentations- und Schreibvermögen ausbauen können. Die größte Zeitverschwendung ist doch ein Studium, das man nur absitzt. Dafür sind die Jahre zu schade und am Ende hat man auch nur einen Bruchteil dessen gelernt, was man hätte können.
Darüber hinaus früh mehrere Jobs ausprobieren, Praktika machen, Firmen und Leute kennen lernen. Mit den Professoren und Dozenten sprechen, sich Kritik und Anregungen einholen.

 

 

Was für Angebote macht das Freiburger Historische Seminar zur Berufsorientierung der Studierenden?
Ein Professor an der Uni Freiburg macht zum Beispiel eine Übung mit sechs Terminen nur zur Berufswahl. Er lädt Historiker, Journalisten, Redakteure und so weiter ein...

 

 

...bei uns macht so was zum Beispiel die Fachschaft, und einige Professoren auch. Wir haben auch Proseminare, die direkt von Praktikern vom HR, NDR oder zum Beispiel von der Leika Akademie gehalten werden...
.. Richtig so! Auch die Studenten sollten sich darum kümmern, dass Leute aus Industrie und Dienstleistung in die Ausbildung eingebettet werden. Was wir alle auch ganz konkret vorantreiben sollten, ist die Anbindung an Personalvermittler und Jobmessen. Wenn gute Studenten schon im Hauptstudium aktiv umworben würden - wie zum Beispiel die BWLer und die WiWis - fühlten sie sich viel motivierter, ihre Qualifikationen und Kompetenzen würden direkt gewürdigt.

 

 

Die Organisation ständiger Besuche aus den Firmen ist aber auch nicht leicht.
Man muss die Uni eben ständig ermuntern, so was mehr zu machen. Und man muss es selbst anpacken!

 

 

Apropos wirtschaftliche Interessen - wofür ist Geschichte Ihrer Meinung nach gut?
Ja, viele Schüler fragen sofort: "Was kann man mit Geschichte denn machen?". Die Antworten sind so einfach wie zahlreich: Geschichte und überhaupt die Geisteswissenschaften können das eigene Leben und das Anderer bereichern. Sie können das Studium selbst wertvoll machen, einen persönlich weiterbringen. Die zeitliche Investition, die man in ein Studium tätigt, zahlt sich meiner Überzeugung nach im Leben mehr als aus.

 

 

Was finden Ihre Besucher am interessantesten auf Berufe-für-Historiker.de?
Die Statistiken verraten mir Interesse vor allem an Überblickstexten und Tipps zur Arbeitsplatzsuche. Auch die Informationen zu eher traditionellen historischen Berufen, wie Archivar oder Lektor, sind sehr gut besucht...

 

 

Wie geht es mit der Seite weiter?
Ich will längerfristig an der Homepage weiterarbeiten, die vorhandenen Artikel überarbeiten, die Qualität meiner Inhalte verbessern und Leute gewinnen, die mitmachen! Auch soll eine gewisse Nutzereinbindung eingeführt werden, so dass man selbst Artikel verfassen kann.

 

 

Historypedia.org oder MyHistory.com?
Nein, eher eine Themen- und Karriereplattform für Geisteswissenschaftler. Dort sollen dann auch andere Historiker in Diskussionsforen schreiben und Praktika- und Jobberichte veröffentlichen. Daraus erwachsen dann Jobmöglichkeiten, Forschungsideen und Anregungen für die Lehre.

 

 

Sie haben mit Herrn Kailer und Herrn Bösch von der Uni Gießen Kontakt aufgenommen, warum?
Ich suche wie gesagt nach Praktikumsberichten, Jobprofilen und themenverwandten Informationen. Auch suche ich Mitstreiter für Recherche, Korrektur und Admin-Tätigkeiten auf dem Portal. Herr Kailer hat mir ein Interview zum Berufsfeld Wissenschafts-Management gegeben und mit Herrn Bösch bin ich so verlieben, dass er seine Studenten auf Suche nach Praktikumsberichten aufmerksam machen wird.

 

 

Schreiben Sie doch ein Praktikum aus - zum Beispiel für unsere Studenten der Fachjournalistik Geschichte.
Gerne, mal sehen.

 

 

Was sollten potentielle Mitstreiter können?
Im Prinzip kann jeder helfen. Historiker - ob im Studium oder schon im Beruf – sollten ihre eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse einbringen. Es sind viele Texte zu bearbeiten, HTML/PHP-Kenntnisse sind natürlich hoch willkommen. Aber es gibt auch eine Menge zu recherchieren und Experten müssen interviewt werden. Ob man sich einmal oder länger engagiert ist weniger wichtig.

 

 

Herr Thiele, wir danken für dieses Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Suche nach Mitstreitern und interessanten Informationen zum Thema Karrierechancen für Historiker!
Gerne, vielen Dank!

 

 

Das Interview führte Patrick Wilke

 

Links: www.berufe-für-historiker.de

 

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Redaktion
SW8381
02.06.2010 13:13
 

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