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Generation Einheit – Wieviel Ossi und Wessi steckt noch in uns?

Bemalter Überrest der Berliner Mauer
Ein Stück Erinnerung: Buntbemalter Mauerrest auf der Eastside Gallery. (Foto: Esch)
Berlin Alexanderplatz, 4. November 1989: „Wir sind das Volk!“, ruft die Menge. Sie wird immer größer und sie wird immer lauter. Am „Alex“ findet an diesem Tag die größte Massendemonstration in der Geschichte der DDR statt. Schon seit Wochen ballt sich in der Berliner Luft die Unzufriedenheit und Entschlossenheit der Menschen, die jetzt auf die Straßen ziehen. „Dies ist für mich der wichtigste Satz dieser letzten Wochen – der tausendfache Ruf: Wir sind das Volk!“, so die Schriftstellerin Christa Wolf über die Ereignisse kurz vor der Wende. Nur wenige Tage später ist es soweit: Aus „Wir sind das Volk!“ als Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem politischen System der DDR wird "Wir sind ein Volk!", die Forderung nach Einheit.

Berlin Alexanderplatz, 2009. Man hört sie wieder, die Parolen. „Wir sind das Volk!“, dröhnt es aus den eingebauten Lautsprechern in den Wänden der Ausstellung "Friedliche Revolution 1989/90". „Wir sind das Volk“ ist auch auf den Metalltransparenten über den Köpfen der Besucher zu lesen.

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall scheint es so selbstverständlich: „Deutschland einig Vaterland“. Selbstverständlich ist es zumindest für die Generation der heute 18- bis 25-Jährigen. Sie haben das geteilte Deutschland und den Kampf um die Wiedervereinigung nicht bewusst miterlebt. Aber fühlt  diese Generation wirklich „gesamtdeutsch“? Oder gibt es auch unter ihnen noch "Ossis" und "Wessis"?
Ursula Piontkowski, Sozialpsychologin an der Uni Münster stellt fest, dass vor allem in der jüngeren Generation die Mauer in den Köpfen bröckelt. Aus ihrer im Jahre 2006 veröffentlichten Studie, in der sie jeweils 200 Ost-und Westdeutsche vor allem nach ihren Wertvorstellungen befragte, geht hervor, dass es da kaum Unterschiede gibt. Wie wir denken und was uns wichtig ist, ist demnach weder „typisch Ossi“ noch „typisch Wessi“.

 

Gibt es tatsächlich bereits eine "Generation Einheit"?

Sarah ist 1988 in Düsseldorf geboren. Sie war noch nie in einer ostdeutschen Stadt. "Ossis" sind für sie „die mit dem witzigen Dialekt“. Mehr auch nicht. „Ich würde mich als Deutsche bezeichnen. Das ist die einzige Zugehörigkeit, die ich fühle.“

Alex ist 21 und in Erfurt aufgewachsen. Er ist stolz auf die deutsche Einheit. „Ich denke, dass dieser Tag für mich niemals eine so große Bedeutung haben wird wie für meine Eltern und Großeltern. Denn die sind in der DDR aufgewachsen und für sie hat sich nach dem Fall der Mauer vieles positiv entwickelt. Ich hingegen wurde bereits in eine freie Gesellschaft hineingeboren.“

Die meisten Jüngeren, die im wiedervereinten Deutschland aufgewachsen sind, würden Sarah und Alex wohl zustimmen. Da gibt es keine Unterschiede mehr, die Mauer ist eben Geschichte und „wir sind ein Volk! Oder nicht?“

Es ist schon dunkel als Benny und seine Freunde sich auf den Weg nach Hause machen. Sie unterhalten sich. Benny ist einer von denen mit dem witzigen Dialekt. „Scheiß Ossi, verpiss dich!“, brüllen ein paar Jugendliche aus dem Fenster. Sie scheinen es ernst zu meinen, fangen an, ihm zu drohen. In dieser Nacht passiert niemandem etwas. Aber Benny hat seitdem keinen Zweifel mehr daran, dass in den Köpfen mancher Leute, die Mauer noch steht.
Er wurde schon oft als „Ossi“ bezeichnet. Aber nicht immer kann er darüber lachen. „Man wird ausgegrenzt und abgestempelt. Jeder, der schon mal woanders war und sich dort einlebt und integrieren will und aufgrund seines Dialekts belächelt oder ausgelacht wird, weiß, dass das ein Sch…Gefühl ist.“

 

Die Mauer in den Köpfen

Deutschland einig Vaterland? Nicht überall und nicht für jeden. Auch wenn die meisten keinen Unterschied mehr machen. In einigen Köpfen, an einigen Stellen, ist die Mauer noch zu erkennen -  so unterschiedlich die Motive dafür auch sind. Ganz so wie in Berlin. Auch hier kann man sie noch sehen. Auf der Eastside-Gallery halten Künstler die Ereignisse der Jahre 1989/90 fest. Doch schürt dieser Mauerrest keine Klischees und Vorurteile, sondern erinnert an die Vergangenheit. Vieles erinnert in diesem Jubiläumsjahr in Berlin an die Friedliche Revolution vor zwanzig Jahren. Auch die Transparente auf dem Alexanderplatz. In der Hoffnung, dass sich die Einheit doch noch in allen Köpfen durchsetzt, hallt das Echo des 4. Novembers bis in die Gegenwart: Wir sind ein Volk!   


Von Johanna Esch       

Audiodatei zum Herunterladen

20 Jahre Einheit 20 Jahre Einheit (2838Kb, 03.09.2009)
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Redaktion
03.09.2009 14:41
 

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