"Hier ist ein Ort, den ihr mitgestalten könnt"
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Den International Day feierten Studenten aus aller Welt im neu eröffneten Lokal International
Wer sich für Sprachen und fremde Länder interessiert, wer als ausländischer Student Orientierung sucht oder wer einfach Lust hat, seinem Alltag multikulturelle Würze zu verleihen – der hat seit Freitag, dem 19. Juni, eine Anlaufstelle in der Universitätsstadt Gießen. Am Eichendorffring wurde das neue Lokal International offiziell mit einem International Day eröffnet. Dieser Tag hielt was er versprach: Ein buntgemixtes und vor allem länderübergreifendes Programm begeisterte Studenten aus aller Welt und machte Lust auf mehr. "Japanisch ist sehr, sehr einfach", so die Überzeugung der dynamischen Dozentin Reiko Paul. "Wir haben zum Beispiel keine Dialekte, unterscheiden nicht zwischen männlich und weiblich und auch nicht zwischen Singular und Plural", führt sie weiter aus. "Aber woran erkenne ich denn dann, ob es sich zum Beispiel um ein oder mehrere Dinge handelt?", fragt eine junge Studentin dazwischen. "Warum muss man sagen, ob es sich um ein oder zwei Stifte handelt? Man sieht es doch", antwortet die lebhafte Japanerin auf witzige, fast brüskierte Art. Sie unterrichtet an der Volkshochschule Gießen und war eine der vier Dozenten, die im Rahmen des International Day Crash-Kurse in ihrer Muttersprache gaben. "Den International Day organisierte das Studentenwerk Gießen gemeinsam mit der Abteilung Internationale Studierende des Akademischen Auslandsamtes. Dieser Tag ist eine "Go out! – Studieren weltweit"- Kampagne des Deutschen Akademischen Austauschdienstes mit dem Ziel, mehr deutsche Studierende zu Auslandsaufenthalten zu bewegen. Der International Day war Teil der Durchführung der diesjährigen Go-Out-Aktionen an der JLU, die übrigens zum 4. Mail innerhalb der Kampagne gefördert wird", fasst die Mitorganisatorin Meike Röhl zusammen.
International Day soll regelmäßig stattfinden"Den International Day machen wir heute zum zweiten Mal und wir werden ihn jetzt regelmäßig stattfinden lassen", ruft Petra Schulze von der Abteilung Internationale Studierende enthusiastisch in die Menge. Und mit den Worten: "Heute steht das Lokal International als Internationales Studierenden Zentrum zum ersten Mal für die Öffentlichkeit bereit", beschreibt die Mit-Initiatorin die Örtlichkeit. Euphorisch heißt Petra Schulze im Namen aller Organisatoren die Besucher willkommen: "Das ganze soll leben. Es wird dann Spaß machen und von Dauer sein, wenn Sie sich alle aktiv beteiligen und das Lokal International ein Stück ihr Zuhause werden lassen". Dass sich die harte Arbeit für dieses Gemeinschaftsprojekt gelohnt hat, zeigt der rege Zulauf von Studierenden aus allen möglichen Ländern allein an diesem Tag - ob aus Brasilien, Polen, Ungarn, aus dem Sudan oder aus Chile. Zum International Day kam tatsächlich eine Vielzahl von Nationalitäten zusammen und vor allem ins Gespräch. Den International Day im wiedereröffneten ehemaligen Study Affairs stattfinden zu lassen, empfanden wohl alle Beteiligten als gelungenen Auftakt zu einem dauerhaften multikulturellen Anlaufpunkt für jeden interessierten Studenten. Auch die Polin Martyna Waszczykowska, die zurzeit ein fünfmonatiges Praktikum im Akademischen Auslandsamt absolviert, zeigte sich begeistert: "Ich finde das hier eine sehr gute Idee. Ich möchte auch meine deutsche Sprache verbessern und denke, dass das hier eine gute Plattform dafür ist."
In heiteren Sprachkursen wurden Hemmschwellen abgebautOb mit Schlüsselbund, Brillenetui, kindlichen Schaubildern oder noch ausbaufähigen Malkünsten - die Dozentin Reiko Paul schreckte in ihrem Drang, Begeisterung für ihre Muttersprache zu wecken, vor nichts zurück. Hemmungen brauchte während der humorvollen kurzen Einführungen in fremde Sprachen keiner zu haben. Ob Ungarisch, Schottisch, Chinesisch oder eben Japanisch - die Botschaft aller Dozenten lautete: So schwer ist die Sprache gar nicht. Auf diese Weise brachte auch die Ungarin Judit Kepecs die Grammatik ihrer Landessprache auf den Punkt: "Viele glauben, diese Sprache lerne ich nie, aber bei uns ist nur alles umgekehrt." Ein kleines Wörterrätsel zeigte auf, was die meisten wohl nicht erwartet hätten: Tatsächlich ähneln sich viele Begriffe in Deutsch und Ungarisch: Welche Wörter assoziieren wir denn mit csokoládé, torta oder kávé? Natürlich! Die Lösungsworte Schokolade, Torte und Kaffee lösten Schmunzeln und einen allgemeinen Aha-Effekt aus. |
Persönliche Erfahrungsberichte gaben hilfreiche Tipps
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Doch der International Day bot noch mehr als heitere Sprachkurse. Am Nachmittag berichteten Studierende in Referaten von ihren eigenen Auslandsaufenthalten. "Ich hab' einfach ehemalige 'Outgoings' angeschrieben, ob sie nicht ein paar Kurzvorträge über ihre Auslandsaufenthalte halten könnten", erzählte Stefanie Eibich vom Akademischen Auslandsamt sichtlich erfreut. Sicher hätte der hell und modern eingerichtete Raum noch mehr Zuhörern Platz geboten. Doch die etwa zwanzig jungen und älteren Studenten wurden auf jeden Fall mit facettenreichen Einblicken in fremde Länder und hilfreichen Tipps für Auslandsreisen belohnt. Dank Power-Point-Präsentationen auf einer riesigen Leinwand wurde den Interessierten unter anderem die kleine schottische Insel Berneray nahegebracht. Man konnte sich aber nicht nur von den Landschaftsbildern beeindrucken lassen, sondern auch leicht seine eigene To-Do-Liste notieren, wenn man ebenfalls einen Aufenthalt im Ausland plant."Wenn ihr euch überlegt über Erasmus ins Ausland zu gehen, informiert euch rechtzeitig über die Bewerbungsfristen. Fragt euch: Welche Partner-Uni spricht mich am meisten an? Wann sind die Vorlesungszeiten an meiner Wunsch-Uni?", riet zum Beispiel Veronica Eckstein, Studentin der Angewandten Fremdsprachen und Wirtschaft, die im 5. Semester nach England ging. Gut strukturiert gab sie ihren Zuhörern nützliche Tipps. Man solle ihrer Meinung nach ins Wohnheim gehen, weil man dort sehr leicht mit anderen jungen Leuten in Kontakt käme. Oder: "Auf jeden Fall solltet ihr euch eine Kreditkarte besorgen und euch eine Bank mit Auslandsvertretung suchen." Und: "Man sollte nicht nur jegliche Beratungsgespräche vor Ort, sondern auf jeden Fall auch die "Welcome Week" wahrnehmen, weil man sonst viele Rennereien alleine bewältigen muss." Alle guten Ratschläge wurden in einer lockeren und persönlichen Atmosphäre gegeben und es blieb keine Frage unbeantwortet.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht…Förmlich unter den Stühlen vor Lachen lagen die Zuhörer beim Referenten David Schmidt. Als Student der Mathematik gab er einen mit trockenem Humor gewürzten Erlebnisbericht zum Besten: "Ich dachte mir, hier fällt mir Spanisch lernen so schwer, gehe ich doch einfach für ein halbes Jahr nach Spanien und dann kann ich die Sprache". Doch dies habe sich schwieriger gestaltet als gedacht – blauäugig und nur mit einem Wörterbuch gewappnet. Zu spät habe er sich Gedanken über die Kosten seiner Unterkunft gemacht. Da diese ihm deutlich zu teuer war, suchte der Student auf eigene Faust eine neue Gastfamilie - und das praktisch ohne Sprachkenntnisse. Denn auf Englisch oder Deutsch wollte oder konnte sich kein Spanier mit ihm verständigen. Chaotisch habe auch sein Uni-Alltag begonnen. Der junge Mann verpasste nicht nur die Einführungswoche, sondern verstand erst am Ende seines Aufenthalts, warum ihn seine Dozentin im Seminar 'Didaktik der Mathematik' nicht leiden konnte: "Durch Zufall habe ich erfahren, dass es in Spanien absolut unhöflich ist zu gähnen. Nun ja, das Seminar war morgens acht Uhr und wir saßen nur zu sechst um den Lehrertisch herum." Durch die subjektive Schilderung ihrer ganz persönlichen Erfahrungen machte es einfach Spaß, den Studenten zuzuhören. Und mit Sicherheit entfachten oder verstärkten die Vorträge bei jedem der Zuhörer Fernweh. |
Infos, Infos, Infos...
Zum späteren Nachmittag wurde es dann richtig voll im zeitgemäß eingerichteten Lokal International. Es gab viele Info-Tische mit Informationen über sein jeweiliges Traumland, aber vor allem auch darüber, wie man überhaupt dort hin kommt. Man konnte sich nicht nur kostenlose Broschüren des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD) in die Tasche stecken, sondern sich auch über Sprachreisen und Stipendien informieren. Und immer waren hilfsbereite Mitarbeiter der Abteilung Internationale Studierende des Akademischen Auslandsamtes zur Stelle, die ganz gezielt persönliche Fragen beantworteten. Für das leibliche Wohl sorgten studentische Hilfskräfte hinter der Theke.
"Wir haben hier sehr viel reingesteckt und hoffen, dass das bei euch ankommt"
Bevor der Vollblutmusiker Gerd Radeke mit seinem "Afrikanisch-Trommeln"- Workshop loslegte, bedankte sich Julia Dinslage vom Leitungsteam des Lokal International dafür, dass Studentenwerk und Akademisches Auslandsamt so toll für das Gemeinschaftsprojekt International Day zusammengearbeitet haben. Dieser Tag diente als Auftakt zur Wiedereröffnung des ehemaligen Study Affairs:"Wir sind wirklich sehr froh, dass wir das heute hier ausrichten dürfen. Wir haben den Vorteil, dass es das Gebäude schon gab und dass die Leute schon sensibilisiert sind für internationale Kontakte und hoffen, dass das hier eine beständige Einrichtung wird", erzählt Julia Dinslage und wirkt dabei fast erstaunt, dass ihr Engagement und das vieler anderer sich tatsächlich auszuzahlen scheint. "Wir haben hier sehr viel reingesteckt und hoffen, dass das bei euch ankommt", richtet sich die junge Frau an die zahlreichen Besucher, "Hier ist ein Ort, den ihr mitgestalten könnt."
Afrikanischer Trommel-Workshop bildete Auftakt zum musikalischen Abend
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Dass dies den Tatsachen entspricht, konnte man binnen weniger Sekunden sehen, hören und fühlen. Denn mit einfachen, bald feurig wirkenden Rhythmen heizte nicht nur Trommler Gerd Radeke den Raum auf, sondern jeder Besucher war eingeladen, sich selbst spielerisch auf dem Instrument auszuprobieren. Nun bildeten auf einer Art Empore des geräumigen Lokal International circa 25 Leute einen Kreis und trommelten gemeinsam was das Zeug hielt. "Das macht einfach Spaß. Rhythmen zu spielen hat etwas Ursprüngliches. Schließlich ist die Trommel eines der ersten Instrumente überhaupt und beim Trommeln wird eine gewisse Lebensenergie freigesetzt", begründete Radeke seine Leidenschaft und fügte verschmitzt hinzu: "Außerdem ist es kommunikativ - über alle Ländergrenzen hinweg." Treffender hätte der Workshop für den International Day wohl gar nicht ausgewählt werden können. Wer nicht geschafft hatte, sich eine Trommel zu ergattern, wog sich im Rhythmus der Musik und saugte die inspirierend wirkende Atmosphäre einfach auf.
Lokal International– ein Projekt mit ZukunftViele kreative Details machen schon heute deutlich, dass der International Day tatsächlich "nur" der Auftakt war zu einer erfolgversprechenden, langwierigen Einrichtung eines internationalen Begegnungszentrums für Studierende. So erläuterte Leonore Sibeth vom Studentenwerk vor einer riesigen Weltkarte unermüdlich, wie kreatives Sprach-Networking funktioniert: "Man nimmt sich eine Nadel und steckt sie in seinen Wohnort. In einer Karteikarte kann man seine Kontaktdaten dann hinterlassen. Der Karteikartenkasten bleibt vorläufig im Kassenbereich der Theke und wird mit der Zeit immer mehr vervollständigt. Wenn man dann in einen bestimmten Ort reisen oder dort studieren will, kann man hier nachschauen - ah, da gibt es ja jemanden hier an der Uni - und die betreffende Person einfach kontaktieren." Die Intention: den Austausch von Studenten fördern. Der Zielgruppe angemessen klang der zweite International Day aus. Ab
19 Uhr legten die DJs Muttermilch und Peter Pilotem auf. Und der bunte
Mix, passend zu den Gästen, konnte sich hören lassen. Zu Swinging'
Dancemusic, Afrobeats, Elektro-Breaks und Minimaltechno durfte
abgerockt und gefeiert werden.
von Manja Treue |