Mehrmals jährlich Lebensretter – Blutspenden in Gießen
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"Eine Bluttransfusion ist fast immer eine lebensrettende Maßnahme", so Dr. Gregor Bein, Direktor des Instituts für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin am Gießener Klinikum. Jeder Blutspender wird damit also mehr oder weniger zum Lebensretter.
Jährlich werden in Deutschland etwa 4,5 Millionen Blutkonserven benötigt. Gut 20.000 davon werden vom Gießener Universitätsklinikum gestellt. "Damit decken wir aber noch nicht einmal den Eigenbedarf. Nur für Gießen werden jährlich allein 25.000 Blutkonserven benötigt", erklärt Dr. Gregor Bein. Dabei steht die Stadt mit ihren Spenden bundesweit noch sehr gut dar. Seit 1997 konnte die Anzahl der Blutspenden nahezu verdoppelt werden.
In anderen Regionen Deutschlands sieht die Situation weitaus dramatischer aus, weiß Dr. Bein. "Eine Untersuchung belegt, dass wir beispielsweise in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns bereits im Jahre 2015 circa 30 Prozent zu wenig Blutkonserven haben werden." Schuld an dieser Entwicklung sei vor allem die sich verändernde Alterstruktur der Gesellschaft. Der Bevölkerungsanteil der über 70-Jährigen und damit potenziellen Blutkonservenempfängern nehme stetig zu. Gleichzeitig scheide diese Bevölkerungsgruppe allein aufgrund ihres Alters als Spender aus.
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Auch in Gießen fehlen Blutkonserven
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In Gießen, einer Stadt in der rund 27.000 Studenten leben, scheint die Demographie günstiger. Dementsprechend finden sich im Warteraum der Blutspendestelle des Gießener Klinikums auch besonders viele Junge und Studenten ein. Die meisten Plätze der "Cafeteria", in der die Spender warten, sind gut besetzt. Viele teilen sich einen Tisch mit Unbekannten, füllen das Anmeldeformular aus und bedienen sich noch schnell an der kostenlosen Getränkebar, bevor es zur Voruntersuchung geht. "Im Schnitt finden hier täglich 100 Personen ihren Weg zu uns", erzählt Joachim Misterek, leitender Krankenpfleger. Allerdings gebe es gute und schlechte Tage. An besonders beliebten Tagen, wie etwa freitags, könne es schon einmal etwas dauern, bis man in den Spendesaal gerufen werde. Solange könnten die Wartenden sich ihre Zeit im Internet und mit dem Lesen von Zeitschriften vertreiben.
Das Universitätsklinikum hat viel getan, um attraktiver für Blutspender zu werden, so dass auch der Aufenthaltsraum seit 1997 neu hergerichtet wurde. Dr. Bein sieht darin einen Grund, warum sich die Spendesituation in Gießen innerhalb der letzten zehn Jahre so positiv entwickelt hat. Er erkennt aber auch den engen finanziellen Rahmen, in dem sich solche Änderungen bewegen müssen: "Bei einem Durchschnittspreis von 80 Euro pro Blutkonserve bleibt den Blutspendeeinrichtungen kaum Geld für Werbung und Verbesserung der Blutspendesituation. Dies könnte sich ändern, wenn hier, wie im Ausland, Preise von 170 Euro pro Konserve üblich werden."
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Selbstüberschätzung und andere Probleme bei der Spende
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Im Spendesaal selbst stehen mehrere Liegen bereit. Etwa zehn Minuten dauert es, bis 500 Milliliter Blut entnommen sind. Für den Großteil der Spender verläuft während dieser zehn Minuten und auch unmittelbar danach, alles reibungslos. Aber nicht für alle. Es kommt immer wieder vor, dass gerade Erstspender sich überschätzen, sich nach der Blutentnahme nicht lange genug ausruhen und dann auf dem Weg nach draußen doch noch Kreislaufprobleme bekommen und umkippen. Bei anderen beginnen die Probleme schon während der Spende, wenn das Blut nicht schnell genug läuft. Im schlimmsten Fall bedeutet dies den Abbruch der Aktion. Denn kann das Blut nicht schnell genug entnommen werden, besteht die Gefahr, dass es gerinnt. Einmal geronnen, kann es nicht weiterverarbeitet werden und ist für den Blutdienst unbrauchbar.
Läuft alles glatt, dann ist die Arbeit für den Spender nach wenigen Minuten erledigt. Für sein Blut allerdings beginnt danach noch eine lange Reise, bis es letztendlich als Konserve bei einem Patienten landet. Jeder Blutbeutel wird etikettiert, so dass jederzeit nachvollziehbar bleibt, von welchem Spender er stammt. Aus dem Spendesaal wandert ein Teil des Blutes zunächst ins Labor, wo es auf die wichtigsten Krankheitserreger wie die von HIV und Hepatitis B und C, untersucht wird. Erst wenn diese Tests negativ verlaufen, kann es weiterverarbeitet werden. Trotz der Testverfahren können nicht mit absoluter Sicherheit keimfreie Blutkonserven gewährt werden. Einige Erreger lassen sich erst nach einigen Wochen im Blut feststellen. Bei frischen Infektionen kann es dementsprechend vorkommen, dass es nicht erregerfrei ist, jedoch negativ getestet wird. Aus diesem Grund wird bereits vor der Abnahme ausdrücklich auf dieses Risiko hingewiesen. Sollte der geringste Verdacht bestehen, dass der Spender sich innerhalb der letzten Zeit infiziert haben könnte, muss er dies angeben. Spätestens nach der Spende, wenn er auf einem Zettel noch einmal sein Einverständnis erteilen muss, damit sein Blut an Patienten weiter gereicht werden darf, sollte bei Zweifeln das Einverständnis nicht erteilt werden. Trotz dieses Restrisikos, das Blutspenden und –transfusionen bergen, ist die Wahrscheinlichkeit sich durch eine Transfusion beispielsweise mit HIV anzustecken äußerst gering und liegt bei 1:1.000.000.
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Die Blutspende selbst wird nach der Spende in ihre Komponenten zerlegt. Durch Zentrifugieren werden die Zellen und Bestandteile aufgrund ihres unterschiedlichen Gewichts in Schichten geteilt. Die Erythrozyten (roten Blutkörperchen) befinden sich in der untersten Schicht, darüber die Leukozyten (weißen Blutzellen), dann die Thrombozyten (Blutplättchen) und zuoberst das zellfreie Blutplasma. So aufgespalten können die Präparate unterschiedlich lange gelagert werden.
Prinzipiell kann jeder zwischen 18 und 68 Jahren, soweit er sich gesundheitlich dazu in der Lage fühlt, am Gießener Klinikum Blut spenden. Der Blutspendedienst ist wie folgt geöffnet:
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Seit dem 14. April 2009 hat die Universitätsklinik auch eine Blutspendestelle an der Justus-Liebig-Universität. In der Neuen Mensa kann hier jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 11.00 und 15.00 Uhr gespendet werden.
Von Vera Giese |