Satirische Kirchenkritik
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Monty Pythons "Das Leben des Brian"
Titel: Das Leben des Brian (engl. Origtitel.: Monty Python’s Life of Brian) Genre: Satire, Komödie Erstausstrahlung: 1979 Länge: 90 min FSK: 16 (Video/DVD:12) Regie: Terry Jones Drehbuch: Monty Phyton Produzent: John Goldstone Musik: Geoffrey Burgon, Eric Idle Kamera: Peter Biziou Schnitt: Julián Dovle
Angelehnt an die Biografie von Jesus Christus erzählt die Satire die Geschichte von Brian, der an Heiligabend im Jahre 0 geboren wird. Als junger Mann schließt er sich in Jerusalem der Terrorgruppe „Volksfront von Judäa“ an und wird nach einem misslungenen Einbruchsversuch verhaftet. Er kann fliehen und wird im Anschluss durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zum Propheten wider Willen. Von zahlreichen Anhängern und Gläubigen verehrt, wird er von den Römern als vermeintlicher Aufrührer festgenommen und schließlich gekreuzigt. Der Film löste Ende der siebziger Jahre eine länderübergreifende Debatte um Blasphemie und Meinungsfreiheit aus.
Parallelen zur Jesus-Biografie
Das Brians’ Biografie als Parallele zu der von Jesus von Nazareth angelegt ist, wird durch die Umstände seiner Geburt und seines Todes offenkundig: Brian kommt in einem Stall in Bethlehem zur Welt und wie Christus endet er nach seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus im Alter von etwa dreißig Jahren am Kreuz auf der Schädelhöhe Golgatha. Es wird jedoch von vornherein klar gestellt, dass es sich bei Brian um eine eigenständige, neben Jesus stehende Figur handelt. So suchen die heiligen drei Könige den Säugling Brian auf, weil sie ihn irrtümlicher Weise für den Heiland halten. Sie erkennen ihren Fehler jedoch schnell und huldigen dann dem „echten“ Messias im Stall nebenan. In der Bergpredigszene ist Jesus selbst für einen Moment zu sehen, Brian gehört zu der breiten Zuhörerschar.
Die Ähnlichkeiten von Brians und Jesus Geburts- und Todesumständen bilden einen filmischen Rahmen, der nur sporadische Bezüge auf die Biografie Christi, wohl aber viele konkrete Verbindungen zur Heilsgeschichte der Bibel mit einschließt. Dabei werden stets prägnante Ereignisse und Inhalte des Evangeliums thematisiert. So ist beispielsweise die Rede, die Brian hält, als er sich auf einer Prophetenkanzel wiederfindet und der Menge predigen soll, an das Gleichnis von den Talenten angelehnt. Die Wunderheilungen aus den Evangelien werden in zwei Szenen parodiert: Zum einen beschwert sich ein Ex-Leprakranker darüber, dass „der verdammte Wohltäter“ Jesus ihn geheilt hat. Zum anderen werden die erzürnten Anschuldigungen, die ein Eremit gegen Brian erhebt, von seiner fanatischen Anhängerschaft fälschlicherweise als Bezeugungen für die Wundertaten ihres Messias gedeutet.
Parodie auf Religion und Politik
Im Film werden sowohl religiöse als auch politische Ideologien so überspitzt dargestellt, dass sie groteske Züge annehmen. So ist die „Volksfront von Judäa“ (VVJ), deren Mitglieder naiv, verbohrt und basisdemokratisch bis zum Exzess sind, aufs Ärgste mit der „Judäischen Volksfront“ und der „Kampagne für ein freies Galiläa“ verfeindet. Obwohl alle Terrororganisationen das gleiche Ziel ansteben – die Vertreibung der römischen Besatzer –, beansprucht jede für sich das alleinige Recht auf die Führung der Aufständischen. Im gewaltsamen Streit um die Vorherrschaft verlieren sie ihr eigentliches Anliegen aus den Augen und verspielen damit jede Chance auf einen Sieg. Mit der Parodie übermotivierter Freiheitskämpfer zielt Monty Python bewusste auf paramilitärische Organisationen wie beispielsweise die IRA ab.
Der dramaturgische Aufbau des Werks ist insgesamt sehr stringent. Einzig die völlig absurde Weltraumsequenz bricht mit dem Verlauf der Handlung. Dass Brian auf seiner Flucht vor den Römern von einem Raumschiff aufgegriffen und Zeuge eines interplanetarischen Feuergefechts wird, mit dem Flugkörper abstürzt und seine Flucht unverletzt fortsetzt, ist für den Filminhalt vollkommen irrelevant. Sinn und Zweck dieser eindeutig deplatzierten Szene ist vermutlich einfach ihre Sinnlosigkeit.
Das Leben des Brian scheut jeglichen Respekt vor Obrigkeiten. Autoritätspersonen, egal ob profaner oder sakraler Natur, werden betont ins Lächerliche gezogen: Der römische Statthalter Pontius Pilatus wird aufgrund seines Sprachfehlers nicht einmal von seiner Leibwache ernst genommen. Der Hohepriester, der eine Steinigung anleitet, ist unfähig die dilettantische Männerverkleidung seines ausschließlich weiblichen Publikums zu durchschauen. Ein Zenturio korrigiert Brians Grammatik in bester Lateinlehrer-Manier, als dieser ein römerfeindliches Graffiti an die Palastwände schmieren will. Und Brians herrische Mutter Mandy wirkt allein dadurch unglaubwürdig, dass sie von einem Mann – Terry Jones – gespielt wird.
Vorwurf der Blasphemie
Das Cross-Dressing ist neben den Doppelbesetzungen der Rollen das prägnanteste ästhetische Stilelement im Film. Generell geht Das Leben des Brian mit Fragen der Sexualität sehr freizügig um. So bekennt sich ein Mitglied der VVJ offen zu seiner Transsexualität, sowohl Brian als auch Judith sind in der Balkonszene splitterfasernackt und zu guter Letzt hört der beste Freund von Pilatus auf den Namen Schwanzuslongus. Der Hang zur bewussten Frivolität stellte die Filmemacher jedoch vor einige ernsthafte Probleme. Das gesamte Projekt schien gefährdet, als die Produktionsfirma EMI sich kurzfristig aus der Finanzierung zurückzog, nachdem der Konzernvorstand das Drehbuch abgelehnt hatte, weil es zu anstößig sei. Nur die Hilfe des Beatles-Sängers George Harrison, der sich als Produzent und Nebendarsteller für den Film engagierte, bewahrte den Film vor einem vorzeitigen Ende. Endgültige finanzielle Absicherung für das Projekt leistete schließlich ein Konsortium von Musikgrößen, dem auch Mitglieder von Pink Floyd und Led Zepplin angehörten.
In konservativen, streng religiösen Kreisen war der Film seit Drehbeginn umstritten. Man erhob den Vorwurf der Blasphemie und bemühte sich frühzeitig um eine scharfe Zensur. Die Sittenrichter machten ihre Kritik vor allem an der Kreuzigungsszene fest. Das Leiden Christi werde in dieser Sequenz entwürdigt und die religiösen Gefühle von Christen verletzt. Die Diskussionen um die Blasphemie-Vorwürfe lösten zum Teil erbitterte Kontroversen über die Meinungsfreiheit aus, nicht selten kam es zu Straßenprotesten von Filmsympathisanten und – gegnern.
Film verurteilt Dogmen und religiösen Fanatismus
In der Tat übersteigt die Szene der Massenkreuzigung, in der die zum Tode Verurteilten das beschwingte Lied „Always look on the bright side of life“ anstimmen, den Grad der Ironie und schlägt ins Makabere um. Ein gläubiger Christ, der im Tod Jesu ein großes Opfer und Martyrium sieht, kann diese Sequenz berechtigt verstörend finden. Prinzipiell gotteslästerlich ist der Film trotzdem nicht. Mit der Botschaft „Religion verfälscht“ übt er in erster Linie Kirchenkritik, stellt den Glauben an sich aber nicht in Frage. Vielmehr verurteilt der Film die Institutionalisierung durch Dogmen und Religionspraktiken und führt Fanatiker ad absurdum. Zwischen Christentum und Judentum wird dabei kein Unterschied gemacht. Die verzückten Messiasjünger, die jede Handlung Brians als göttliche Weisung interpretieren, erscheinen ebenso verquer wie die jüdischen Frauen, die es nicht abwarten können ein Steinigungsurteil, passender Weise gefällt aufgrund vermeintlicher Blasphemie, zu vollstrecken.
Der Name Monty Python steht für eine ganz eigene, für manch einen gewöhnungsbedürftige Art des Humors, der zwischen Flachwitz, Groteske, Ironie, Situationskomik und tiefschwarzem „british humor“schwankt. Man kann die Persiflage Das Leben des Brian mögen oder vulgär finden und über das Werk entsprechend lachen oder die Nase rümpfen. Eines steht jedoch fest: Wenn der Film auch durch und durch respektlos ist, blasphemisch ist er nicht.
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