Gyros, Atomkrieg und andere Katastrophen
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Nachdem wir alle die typischen Klischees über Studenten und das Kochen kennen, dachten wir vier Erstsemester einmal: „Komm, so schwer kann das doch gar nicht sein!“
Irgendetwas Anspruchsvolleres als Ravioli oder den Griff zum Telefonhörer, um sich eine Pizza zu bestellen, werden wir doch wohl hinbekommen!
Letztenendes wurde es zwar nicht wirklich anspruchsvoll - denn wir kochten Spätzle mit Gyros- aber immerhin nicht nur etwas aus Konservendosen.
Schon anfangs schien unser Kochexperiment zu scheitern und zwar an der Tatsache, dass der Edeka um die Ecke kein Gyrosfleisch hatte. Wir behalfen uns daher einfach mal mit Kebabfleisch, so anders konnte das ja nicht sein! Generell hatten wir aber den Durchblick. Durch unsere perfekte Vorausplanung und unsere unnachahmliche Übersicht über die Produkte war unsere Streckenführung durch die Regalreihen definitiv einzigartig. Bei unserer verzweifelten Suche nach Gyrosfleisch fanden wir zahlreiche interessante Alternativen, zum Beispiel Hühnerherzen! Die Tatsache, dass man zwar Hühnerherzen aber kein Gyrosfleisch bekommen konnte, sorgte unter uns für viel Gesprächsstoff. Am Ende haben wir doch alles und mehr gefunden, als eigentlich geplant. Spontan gab es jetzt sogar einen Nachtisch. Und zwar Pudding- äh, Verzeihung „Schlemmercreme“. Der Unterschied liegt dabei nicht in der äußeren Erscheinung, sondern bei den Zutaten. Wer hat schon Zucker zuhause? Und da wir zu geizig waren, Geld für Zucker auszugeben, kam Pudding bei uns nicht in Frage.
Zuhause bei unserem Gastgeber entstand direkt das nächste Problem: „Haben wir einen Mixer? Oder wenigstens einen Schneebesen?“. Wieder etwas, das fehlt- in diesem Punkt sind wir sind wohl doch typischen Studenten. Kurz darauf hatten wir das nächste Problem: „Muss man die Milch nicht warm machen? Auch wenn es nur eine Schlemmercreme ist?“. Es endete in einem intensiven Studium der Packung und dem Beschluss: „Nein, braucht man nicht.“ Aber kaum hatten wir einen Entschluss gefällt, wurde dieselbe Frage von einer weiteren Person in den Raum geworfen. Was uns dann ziemlich frustrierte.
Wir hätten nie gedacht, dass so etwas so schwer werden kann. Wir einigten uns darauf, keine warme Milch zu verwenden und behalfen uns mit einem Löffel, nur leider war es nicht möglich bei Handbetrieb auf eine höhere Stufe zu schalten- es blieb bei „ Low-Intensity“- Rühren… aber am Ende sah es ganz gut aus, was will man also mehr? Inzwischen kümmerten sich die Jungs rührend um das Hauptgericht bzw. sie philosophierten über das korrekte Zerhacken von Zwiebeln, was schließlich zu einem leicht aggressiven „Ich mach das wie ich will!“ von Seiten der tatsächlich Arbeitenden führte. Immerhin klappte das Braten des Gyros gut, auch wenn das Kebabfleisch zwischenzeitlich optisch eher an Katzenzungen oder Hundekekse erinnerte. Aber wir taten unser Bestes, aus dem Kebabfleisch doch noch einen Gyrosgeschmack heraus zu kitzeln, was zu unkontrolliertem Würzen führte. Probieren natürlich unnötig! Auch die Spätzle haben sich nicht kooperativ gezeigt, obwohl wir die Menge sehr exakt kalkuliert hatten. Das Wasser hat sich einfach nicht an die Topf- Höhe gehalten, so eine Unverschämtheit! Aber immerhin war das Essen am Ende fertig und sah auch genießbar aus- glücklicherweise, denn uns allen knurrte der Magen.
Zwar schmeckte das Kebabfleisch etwas fad, trotz unseren Bemühungen beim Würzen. Also an uns lag´s nicht!, aber das machten wir durch unser Gesprächsthema wieder wett: keine Ahnung warum, aber früher oder später landeten wir immer wieder bei dem Thema Atomwaffen. Ebenfalls bemerkenswert war die Tatsache, dass wir alle wirklich satt waren und trotzdem noch Einiges übrig war- einfach ideal für Studenten mit einer Mikrowelle: einmal kochen und mehrmals essen können! Trotz des geselligen Zusammenseins versuchten wir pflichtbewusst, Notizen für ebendiese Glosse zu machen- landeten aber wieder bei Atomwaffen. Um uns eine Ausrede zu verschaffen, warum wir einfach nicht weiter arbeiteten, haben wir die Schlemmercreme aus dem Kühlschrank geholt. Und wir können nur sagen, wir wissen, man spielt nicht mit Lebensmitteln, aber die Schlemmercreme lädt einfach dazu ein- die Konsistenz ist einzigartig! Jeder der wissen will, was gemeint ist, kaufe sich Schlemmercreme, rühre sie per Hand an, stelle sie in den Kühlschrank, hole sie nach angemessener Zeit wieder heraus und stecke einen Löffel hinein. Und nein, das war keine Schleichwerbung, wir bekommen leider kein Geld! Am Ende des Abends hatte dann auch einer der Jungs seinen großen Moment- er zeigte seine meisterhaften Abspülkünste! Wir befürchteten zwar, dass der Wasserhahn abfallen könnte (Kein Witz- schon mal passiert!) und überlegten schon einmal, was in diesem Fall zu tun wäre, aber es klappte. Der Wasserhahn blieb dran und alle waren zufrieden.
Letzten Endes lässt sich sagen, dass wir wohl doch nicht wirklich bewiesen haben, dass auch Studenten sehr gut kochen können- das Gericht was dementsprechend narrensicher. Sofern man Spätzlepackungen lesen kann und ein wenig Gefühl für das Fleisch in der Pfanne entwickelt hat, kann man doch recht schnell etwas Leckeres zaubern. Bei uns gab es zwar trotzdem kleinere Krisen- und große Atomkriege- - und alles war mehr oder weniger improvisiert- aber dennoch war es ein lustiger Abend. Und dank fertig kaufbarem Tzatziki war unser Gericht dann doch nicht so trocken und lecker!
Wer auch mal über das Zerhacken von Zwiebeln philosophieren und wie eine Horde Zweijähriger in Pudding herum zu stochern will, bis der Löffel hochkant stehen bleibt- der schnappe sich seine Freunde und mache die Küche zusammen unsicher!
Von Sarah Schneider, Judith Thomann 30.01.12 |