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Gießens fragwürdiges Wahrzeichen: Das Elefantenklo

Auf dem Elefantenklo
Der Fußgängerweg. (Foto: Wagner)
Elefantenklo von unten
Das Elefantenklo von unten. (Foto: Wagner)
Graffiti am Treppenaufgang: Blauer Elefant auf dem Klo
Bildlich ausgedrückt.. (Foto: Wagner)
Sehenswürdigkeiten sind rar in Gießen und dann sind sie auch noch nicht einmal schön. Neben den wenigen wirklich sehenswerten Orten wie Altem und Neuem Schloss am Brandplatz und den anderen die Kriege überdauernden Gebäuden und Plätzen, hat sich ein Bauwerk zum Wahrzeichen der Stadt herauskristallisiert, über dessen Sehenswürdigkeit sich streiten lässt.

 

Wo früher ein Kreisel elegant den noch verhältnismäßig geringen Straßenverkehr leitete, ragt heute monumetal die Fußgängerplattform am Selterstor über die Kreuzung von Anlagenring und Frankfurterstraße, in die die Gießener Einkaufsmeile Seltersweg mündet. Tausende Menschen überqueren sie jeden Tag oder fahren darunter hindurch, nutzen sie als Treff- oder Referenzpunkt. Denn eins ist sicher: Jeder hier kennt das Bauwerk aus Beton, das unlängst zum Symbol fragwürdiger Verkehrsplanung wurde.

2008 feierte das Relikt aus einer Zeit, in der das Automobil im Fokus der Stadtentwicklung stand, seinen vierzigstens Geburtstag. Schon zu seiner Einweihung am 28. September 1968 bekam es den Spitznamen aufgedrückt, der bis heute die Absurdität dieses Wahrzeichens prägt. Mitglieder der studentischen Vereinigung „Akademischer Micky Maus Club“ enthüllten ein Transparent mit der Aufschrift „Elefantenklo”, unter dem es überregionale Bekanntheit erlangte.

Die drei charakteristischen riesigen achteckigen Aussparungen, die Autofahrern Tageslicht und Fußgängern Aussicht auf den Straßenverkehr gewähren, sollen der Legende nach auf einen Engpass in der Berechnung der benötigten Betonmasse zurückführen. Im Laufe der Zeit war sogar im Gespräch, das gesamte Bauwerk mit einer Glaskuppel zu überdachen und ein Café darauf zu betreiben. Statisch wahrscheinlich undenkbar.

Obwohl die meisten Einwohner das Elefantenklo abgrundtief hässlich finden und sich den halben Tag über stehengeliebene Rolltreppen aufregen, verbindet sie scheinbar eine Hassliebe mit dem kuriosen Monument. Gefragt nach sehenswerten Orten in Gießen, landet das “E-Klo” - angelehnt an die “E-Kirche” in Marburg – meist auf den vordersten Rängen und ist deutschlandweit sogar das Bauwerk mit dem verbreitesten Spitznamen. Aus dem Kuriosum wurde Kult. Bis vor einigen Jahren existierte auch ein linkes Stadtmagazin mit dem gleichen Namen.

Jenseits aller ästhetischen Bedenken, erregt das Elefantenklo vor allem bei Rollstuhlfahrern Ärger. Sie kommen seitens des Selterswegs nämlich nur über die Aufzüge des anliegenden Karstadts auf und von der Überführung und sind an die Öffnungszeiten des Kaufhauses gebunden. Von Barrierefreiheit ist hier nicht zu reden.

Was sagt es nun über eine Stadt aus, wenn ihr be- und markantestes Wahrzeichen nicht nur hässlich und behindertenungerecht ist, sondern auch noch nach einer sanitären Anlage benannt wurde? Was es auch sein mag, Gießen nimmt es bestimmt mit Humor.

 

Von Freda Wagner

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Redaktion
13.10.2009 12:00
 

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