Die Geschichte der europäischen Idee 1914-1945
Dass die wirtschaftliche und politische Integration Europas nach dem Zweiten Weltkrieg kein Ad-hoc-Unterfangen war, sondern zahlreiche ideelle und organisatorische Vorläufer hatte, ist heute eine Art Gemeinplatz der Europa-Historiographie. Doch wie sahen diese Vorläufer aus?
Die im Rahmen des Proseminars "Die Geschichte der europäischen Idee, 1914-1945" verfassten Essays zeigen die kompetitive Vielfalt der Europapläne und Europavorstellungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Konnten sich Europaideen in der Blütezeit des Nationalismus politisch und gesellschaftlich nie direkt durchsetzen, so beweist ihre Existenz in jener Epoche, dass "Europa" bereits vor 1945 vorhanden war und von den Zeitgenossen aus unterschiedlichen Gründen "gedacht" bzw. konstruiert wurde, ob als Hoffnungsträger für Frieden, als vermeintlicher Garant des wirtschaftlichen Aufschwungs oder aber als Mittel zur Durchsetzung nationaler Interessen.
Dabei unterstreichen die Essays, wie ambivalent und widersprüchlich die Definitionen des "Europäischen" durch die Bewohner des Kontinents lange Zeit waren und damit auch, wie fragil das Konstrukt "Europa" letztlich ist - ein Befund, der gerade in Zeiten der sich zunehmend ausbreitenden Europaskepsis und EU-Kritik zum Nachdenken anregen mag.
Florian Greiner