Von Pietro Lombardi bis Maite Kelly: der RTL-Jahresrückblick
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Menschen. Bilder. Emotionen. RTL eröffnet die Jahresrückblickssendungen mit inszenierten Boulevard-Ereignissen und populistisch, überspitzten Wirklichkeitsdarstellungen.
Es sollte eigentlich ein, etwas frühzeitiger, Rückblick auf das zur Neige gehende Jahr 2011 sein. Doch es war eine mediale Manipulation der Außendarstellung und eine durch RTL inszenierte Hervorhebungen von Medienereignissen, die überwiegend den eigenen Senderahmen erfasst haben. So wurde das im Grunde turbulente und ereignisreiche Jahr 2011, völlig verzerrt und entfremdet dargestellt. Ereignisse, wie die Reaktorkatastrophe in Japan, der arabische Frühling, die jüngsten Bankenproteste, die Euro-Schuldenkrise oder die Erschießung von Osama bin Laden fanden nur wenige Sekunden Anklang im dreistündigen Fernsehmarathon, der sich mehr um die von RTL geschaffene Scheinwelt kümmerte als um die wirklich wichtigen Themen dieses Jahres. Weitreichende Ereignisse, die in zukünftigen Geschichtsbüchern stehen könnten, wurden von Günther Jauch kurz und stark populistisch abgehandelt. Ihm gelang es nur mittels seiner ständigen Ankündigungen über seine eventuelle „Wetten, dass…?“ Nachfolge, die Zuschauer von Werbeblock zu Werbeblock zu manövrieren und somit am Umschalten zu hindern. Zusätzlich wurde ergiebig über die eigenen „Medienereignisse“ des Jahres berichtet. Wie zum Beispiel über „Let’s-Dance“-Gewinnerin Maite Kelly, das „DSDS-Traumpaar“ Pietro Lombardi und Sarah Engels, die mit ihren Auftritt den Zuschauerschnitt für ihre schwach gestartete Tournee steigern wollten, Gaby Köster, die über ihren Schlaganfall sprach und die Werbetrommel für ihr neues Buch anwarf, oder Barbara Schöneberger, die mit ihrem Millionengewinn beim „Wer-wird-Millionär-Prominentenspecial“ beim Jahresrückblick der RTL-Sendungen auch nicht fehlen durfte. Die wenigen „Nicht-RTL-Ereignisse“ wurden dann im klischeehaften Opfer-Helden-Interview dramatorgisch überspitzt präsentiert und mit der aus „Supertalent“ und „DSDS“ bekannten Melancholie untermalt. Fremdschämen pur. Wieder einmal zeigte sich das klassische RTL-Gesicht, was selbst in einer seriös eingepackten Sendung wie einem Jahresrückblick mehr auf Sensation als auf Information setzt. Das Unterschichtenfernsehen aus dem Vormittagsprogramm scheint sich allmählich auch in der „Prime-Time“ zu manifestieren. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass auch Günther Jauch nicht in die Fußstapfen von Thomas Gottschalk treten wird. von Dennis Heldt
17.12.11 |