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Größenwahnsinnige Filmidee

Szene aus Der große Diktator
(Copyright: United Artists)
Chaplins "The Great Dictator"


Ein prunkvoller Saal mit meterhohen Wänden und großen Fenstern, die mit schwerem Stoff verhängt sind. In der Mitte des Herrscherzimmers steht ein wuchtiger Holzschreibtisch vor einer aufwändig verzierten Wand. Ein kleiner uniformierter Mann mit einem schwarzen Schnurrbart schreitet vom Fenster auf eine große Weltkugel zu, die in ihrem Gerüst neben dem Schreibtisch steht. Der Mann schaut sie an, liebevoll und voller Sehnsucht. Dann hebt er die Kugel hoch und fängt an mit ihr zu tanzen. Ganz langsam und behutsam wirft er sie in die Luft und fängt sie wieder auf. Er freut sich wie ein kleines Kind, das mit einem Ball spielt. Man sieht ihm an, dass er glücklich ist. Mit der Welt könnte er ewig so weiter tanzen und spielen. Ein letzter liebender Blick. Peng! Die Weltkugel ist in der Hand des Mannes zerplatzt. Er weiß nicht wie ihm geschieht. Er wendet sich ab, um zu weinen. Schnitt.

 

Der kleine Mann mit Schnurrbart ist Charlie Chaplin in seiner Figur des Adenoid Hynkel, alias Adolf Hitler. Mit seiner Hitler-Parodie The Great Dictator von 1940 gelang Chaplin der Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm. Obwohl seine berühmte Figur des Tramps zum letzten Mal zu sehen sein sollte, wurde die Komödie sein größter kommerzieller Erfolg. Die legendäre Tanzszene gilt bis heute als das Symbol für Hitlers Größenwahn.

 

Doch bei Chaplins Ankündigung, einen Film über den deutschen Tyrannen zu drehen, fand er zunächst keine Unterstützung. Die britische Regierung teilte ihm mit, dass sie seine Komödie über den deutschen Diktator verbieten werde. Auf dem Höhepunkt der Appeasement-Politik 1938 wollte man Hitler unter keinen Umständen verärgern. Auch Hollywood war nicht begeistert. Es gab durchaus noch ökonomisches Interesse, Filme nach Deutschland zu verkaufen. Die Politik und die Wirtschaft waren sich einig und bis zum Kriegseintritt Englands sollte sich die Stimmung gegenüber dem Film auch nicht ändern.

 

Immer wieder erhielt Chaplin besorgte Briefe aus New York. Er wurde förmlich angefleht, den Film nicht zu drehen. Er würde sowieso keine erfolgreiche Freigabe im Kino erwirken können. Doch Chaplin setzte sich durch. Seiner Ansicht nach musste über Hitler gelacht werden. Und Hollywoods Meinung war für Chaplin nebensächlich. Auf die Studios war er nicht angewiesen. Ihm gehörte ein eigenes Filmstudio und 25 Prozent der Produktionsfirma United Artists und war somit als Regisseur und Darsteller völlig autonom, auch was das Finanzielle betraf. Seinen teuersten Film bezahlte er komplett aus eigener Tasche.

 

Chaplins erster Tonfilm war und ist zugleich sein politischster. Er war ihm ungeheuer wichtig, weil er seine Ideale widerspiegelte. Später sagte er in seiner Autobiographie sogar, dass, wenn es denn anders nicht gegangen wäre, er auch Kinos angemietet hätte, um den Film zu zeigen. Doch so weit kam es nicht. Der Zweite Weltkrieg brachte die Wendung. Hitler war jetzt kein Tabu mehr. Und plötzlich wollten alle diesen Film. Vorher noch überhäuft mit Drohbriefen und Bitten, die Idee der Hitler-Parodie zu vergessen, wurde Chaplin jetzt von positiven Telegrammen überschüttet. Im Oktober 1940, knapp ein Jahr später, folgte dann auch endlich die Premiere von The Great Dictator in New York. Für Chaplin sollte es, trotz der großen Kritik zu Anfang, sein erfolgreichster Film werden. Im gleichen Jahr schrieb die New York Times: „Vielleicht der wichtigste Film, der je hervorgebracht wurde.“

 

Von Mareike Maier

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Redaktion
13.03.2010 20:33
 

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