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Der ewige Jude

Originalfilmposter Der ewige Jude
(Copyright: Deutsche Filmgesellschaft)
Die filmische „Endlösung“


Hitler und Goebbels sitzen gemeinsam am Schneidetisch und brüten über seine finale Fassung. Einsatzgruppen und SS schauen ihn, bevor sie in blinder Raserei Massenexekutionen an polnischen Juden vornehmen. Frauen wenden sich angewidert von ihm ab und verfluchen lautstark „den Juden“.  Um Fritz Hipplers Pseudo-Dokumentation „Der ewige Jude“ ranken sich diese und andere Mythen.

 

Hippler, der selbst Mitglied der SS war und auch nach 1945 an diversen Artikeln für die rechtsextremistische Presse arbeitete, unternahm mehrere Reisen in das Ghetto von Lodz um für die „Authentizität“ des Gezeigten garantieren zu können. Von dem Film - den Goebbels gerne als „seinen Judenfilm“ bezeichnete - existieren mindestens vier Fassungen. Seit 1945 wird der Film in der Bundesrepublik Deutschland allerdings als „Vorbehaltsfilm“ geführt und darf somit nicht öffentlich gezeigt oder zugänglich gemacht werden. Zu Recht? Der damalige Verleih pries den Film als „Dokumentation“ an, die den Bürgern des Deutschen Reiches die Wahrheit über das „internationale Finanzjudentum“ zeigen sollte. Während andere antisemitische NS-Propagandafilme noch eine unterhaltende Komponente besaßen, zeigt Der ewige  Jude den gesamten Hass des Regimes auf eben diese Religionsgemeinschaft. Hier folgen auf völlig menschenverachtende Aufnahmen aus polnischen Ghettos, Szenen aus einem jüdischen Gottesdienst, welcher als wirre Götzenverehrung dargestellt wird. Die Juden werden mit Ratten verglichen, die sich ausbreiten und „ihre kranke Saat zwischen den Menschen streuen“ würden. Sie werden als „Parasiten“ gezeigt, die sich, in ihrer gesamten Geschichte schon, an ihre Umgebung angepasst hätten, um sie so mit ihrem „kranken Gedankengut zu infizieren“. Nur  einem „gesunden Volkskörper“ gelänge es, dem zu widerstehen. Das Ende des Films vergöttlicht Hitler und feiert ihn und sein Volk von „Herrenmenschen“ als das letzte Bollwerk gegen „den Juden“.

 

Aus heutiger Perspektive fällt es leicht, Hipplers Der ewige Jude jegliche Daseinsberechtigung abzusprechen: Man kann ihn als hasserfülltes Machwerk eines kranken Regimes ansehen und ihn verdammen. Allerdings verliert man auf diese Weise aus dem Auge, welche wichtige Rolle der Film in der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie innehatte: Als Nachfolger von Die Rothschilds und Jud Süß sollte Der ewige Jude die „wissenschaftliche Grundlage“ für das Untermenschentum des Juden stellen. Dem deutschen Volk sollte hier in aller Deutlichkeit die Schlechtigkeit und darum die Notwendigkeit zur Beseitigung der jüdischen Bevölkerung vor Augen geführt werden. Zwar war der Film kein kommerzieller Erfolg, aber er bestärkte wohl viele überzeugte Nationalsozialisten in ihrem Tun und trägt somit eine Mitschuld am Holocaust. Fritz Hippler, der anders als sein Regiekollege Veit Harlan nach dem Zweiten Weltkrieg eine Gefängnisstrafe absitzen musste, wurde allerdings nicht müde, Goebbels die Gesamtverantwortung für Der ewige Jude zuzuschieben.

 

Die „Endlösung“ hätte ohne eine psychologisch-ideologische Indoktrinierung nicht funktionieren können; Filme wie Der ewige Jude bauten das Fundament, auf dem später die Konzentrationslager errichtet werden sollten. Filme sind Kunst - das steht außer Frage. Wenn dieser Film allerdings Kunst sein soll, dann nur entartete.        

 

Von Christian Röder


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