Das Duell der Produzenten um ein Stück Zeitgeschichte
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Die Verfilmung des Stauffenberg-Attentats
"Ist es Hochverrat an ein besseres Deutschland zu glauben? Wollen Sie weiter zusehen, wie alles zugrunde geht? Billigen sie, dass unsere Ehre in den Schmutz gezogen wird, die Ehre Deutschlands?" Der Krieg ist verloren und muss so schnell wie möglich beendet werden, "sonst wird das deutsche Volk den Becher bis zur Neige ausleeren müssen". Oberst Graf von Stauffenberg rechtfertigt in "Es geschah am 20. Juli" das Attentat auf Adolf Hitler mit moralischen, ethischen und religiösen Motiven. Die Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg steht für ihn fest und es sei die patriotische Pflicht für ein besseres Deutschland Widerstand zu leisten. Georg Wilhelm Pabst Spielfilm aus dem Jahre 1955 war der erste seiner Art, der sich mit der militärischen Opposition gegen das NS-Regime beschäftigte.
Oberst Graf von Stauffenberg, gespielt von Bernhard Wicki, führt zusammen mit der Verschwörergruppe um den ehemaligen Generaloberst Beck am 20. Juli 1944 den entscheidenden Attentatsversuch auf Adolf Hitler durch - und scheitert dabei. Pabst beginnt seinen häufig als semidokumentarisch bezeichneten Film am Morgen jenes Tages, als Stauffenberg mit seinem Adjutanten Werner von Haeften in Richtung Ostpreußen fliegt. In der Wolfschanze, eines der Führerhauptquartiere während des Zweiten Weltkriegs, wollen sie eine Bombe zünden, um Hitler zu ermorden. Es ist bereits der dritte Versuch der Verschwörergruppe, dem Krieg durch ein Attentat ein schnelles Ende zu bereiten. Und obwohl die Bombe diesmal detoniert, überlebt Hitler den Anschlag.
In dem Glauben, bei ihrem Vorhaben erfolgreich gewesen zu sein, nutzen Stauffenberg und von Haeften das Chaos nach der Explosion und begeben sich mit einem Flieger Richtung Berlin. Dort haben ihre Mitverschwörer bereits Walküre ausgerufen, um so die Kontrolle über den NS-Staat wiederzuerlangen. Bald darauf kommt Stauffenberg in Berlin an, der nicht glauben kann, was Generalfeldmarschall Keitel aus dem Führerhauptquartier meldet – Hitler ist am Leben. Der Führer ordnet daraufhin die brutale Zerschlagung des Staatsstreiches an, der auch Stauffenberg und Haeften in der Nacht auf den 21. Juli im Berliner Bendlerblock zum Opfer fallen.
Der Staatsstreich im Jahre 1955 war gleich für zwei Filmproduktionsfirmen Anlass, sich ein hitziges Duell zu liefern um die Erstveröffentlichung einer Verfilmung um die Geschehnisse vom 20. Juli. Das Rennen machte letztendlich Pabsts Es geschah am 20. Juli, der jedoch ebenso Schiffbruch erlitt wie die Verfilmung Der 20. Juli seines Konkurrenten Falk Harnack. Die problematische Thematik um die militärische Opposition im Dritten Reich, dem Minenfeld von Gewissen und Moral gegenüber Eid und Gehorsamspflicht, schlug in der Nachkriegszeit in beiden Fällen fehl. Das "Duell der Produzenten", wie der Spiegel seinerzeit titelte, war nicht nur ein Wettrennen um die Erstverfilmung eines "Stücks Zeitgeschichte", es wurde vielmehr "zum Ausgangspunkt eines ebenso mörderischen wie ungeziemenden Wettrennens um Aufführungstermine und Massengunst". Das Duell der Berliner Produktionsfirma Central Cinema Company und der Münchner Ariston sei unter "geschäftlichen Aspekten" ausgetragen worden und hatte am Ende keinen wirtschaftlichen Sieger. Vielmehr gab es schon im Vorfeld "Protest der Überlebenden", wie Die Zeit titelte. Witwen der Verschwörer des 20. Juli hatten zu verhindern versucht, dass ihre "hingerichteten Männer ungeschützt beliebig verwertet werden". Jedoch ohne Erfolg. Beide Filme erscheinen innerhalb von zwei Tagen im Juni 1955.
Von Christian Ströhl |