„Jud Süß“: Antisemitischer Hetzfilm oder Kunst?
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Der Spielfilm „Jud Süß“, der gemeinsam mit dem Pseudodokumentarfilm „Der ewige Jude“ von Josef Goebbels in Auftrag gegeben wurde, kam 1940 in die deutschen Kinos. Veit Harlan, einer der größten nationalsozialistischen Starregisseure, drehte den Film in Prag. „Jud Süß“ wurde von Beginn an als antisemitischer Propagandafilm geplant und konzipiert. Der Film war ein sehr großer Erfolg. Von einer enormen Medienpräsenz begleitet, lockte er in Deutschland über zwanzig Millionen Zuschauer in die Filmpaläste. Aus SD-Berichten geht hervor, dass es während der Vorstellungen vermehrt zu offenen Demonstrationen gegen Juden kam.
Nach 1945 stand Harlan als einziger deutscher Künstler vor Gericht. Unter anderem wurde ihm die „Beihilfe zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vorgeworfen. Ob Jud Süß tatsächlich eine Vorbereitung zum Völkermord war, ist die Kernfrage in der Diskussion um diesen umstrittenen Film. Die Tatsache, dass Heinrich Himmler persönlich Sondervorstellungen für SS-Einheiten vor Massenerschießungen anordnete, spricht für sich. Vor Gericht stellte Harlan sich und seine Crew als Opfer dar, behauptete sogar, dass er von Goebbels gezwungen worden sei den Film zu drehen. Warum er dann allerdings seiner Ehefrau Kristina Söderbaum eine Hauptrolle gab, ist nach dieser Aussage schwer nachzuvollziehen. Am Ende wurde Harlan vor Gericht freigesprochen.
Die Handlung des Films ist offiziell an die historische Figur Josef Süß Oppenheimer (18. Jh.) angelehnt und erhebt somit von vorneherein einen Authentizitätsanspruch. An den tatsächlichen historischen Tatsachen sowie an den Romanvorlagen zum Thema Oppenheimer orientierte sich Harlan jedoch nicht. Durch die Verpflanzung der Geschichte in das 18. Jahrhundert sollten lediglich antisemitische Vorurteile historisch begründet und somit erhärtet werden.
Die öffentliche Aufführung von Jud Süß ist in Deutschland durch die Rechteinhaber geregelt und wird bis heute ausschließlich für pädagogische Zwecke eingesetzt. Allein dies zeigt, wie stark dieser Film und sein ihm vorauseilender Ruf bis heute wirken. Erst im Juli 2008 wertet der Artikel „Johlen zu Jud Süß“ in der Süddeutschen Zeitung die vermehrte Vorführung von Jud Süß im Budapester Bezirk 13 als Indikator für den steigenden Antisemitismus in Ungarn.
Als „Mordinstrument“ und als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ tituliert, fällt es sehr schwer Jud Süß gut darzustellen und damit zu empfehlen. Man kann künstlerische Leistung und filmhistorische Bedeutung nicht von den politischen Auswirkungen dieses Films trennen. Man sollte den Film allerdings gesehen haben, wenn man ihn verurteilen möchte.
Von Nina Hildebrand
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