Krieg und Liebe über den Wolken
Es war Steven Spielbergs Film ,,Der Soldat James Ryan“, der es Mitte der neunziger Jahre schaffte, erneut ein Massenpublikum für einen Kriegsfilm zu begeistern. Das als angestaubt geltende Genre erlebte ein Comeback. Die Filmstudios buhlten um die Gunst der Zuschauer und brachten einen Kriegsfilm nach dem anderen in die Kinos. 2001 investierte man soviel Geld wie nie zuvor: Mit Produktionskosten von 140 Millionen Dollar erschien ,,Pearl Harbor“ auf der Leinwand.
Wie der Titel verrät, wurde ein bedeutendes historisches Ereignis aus dem Jahr 1941 neu verfilmt: Der japanische Luftangriff auf die im hawaiianischen Pearl Harbor ankernde amerikanische Pazifikflotte - das Argument für den Kriegseintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg. Im Vergleich zu anderen Kriegsfilmen dieser Zeit hat Pearl Harbor eine niedrige Altersfreigabe. Um schon Zwölfjährige in die Kinos zu locken und damit den Umsatz zu steigern, verzichteten die Filmemacher auf besonders blutige Aufnahmen. Das gewaltige Budget wurde wohl vor allem in die moderne Filmtechnik investiert, die eine gewaltige Materialschlacht in Szene setzt. Keinem Film zuvor war es gelungen, den Angriff der Japaner so spektakulär und realistisch zu zeigen. Dem Zuschauer werden riskante Flugmanöver, explodierende Torpedos und sinkende Schiffe in rauen Mengen geboten. Der Verzicht auf allzu detaillierte Aufnahmen verwundeter, sterbender Soldaten macht diese Szenen nicht weniger sehenswert.
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Doch der dreistündige Film wird nicht von Actionszenen dominiert: Es ist vor allem die Geschichte der beiden Navy-Piloten Danny und Rafe – beste Freunde seit Kindheitstagen – die zwei große Leidenschaften verbindet: Das Fliegen und das Interesse an der attraktiven Krankenschwester Evelyn. Eine kompliziert-dramatische Dreiecksliebesgeschichte umrahmt somit den Überfall auf Pearl Harbor und den anschließenden Vergeltungsschlag der Amerikaner und steht über weite Strecken des Films im Fokus. Man muss das ungleiche Zusammenspiel aus Liebe, Krieg und Action mögen, damit einem Pearl Harbor gefällt.
Um mit dieser Mischung einen riesigen Publikumshit zu landen, ließen sich die Filmemacher um den Produzenten Jerry Bruckheimer (Top Gun, Armageddon) einiges einfallen. Dem internationalen Publikum machte man vor allem die tragische Liebesgeschichte à la Titanic schmackhaft. Im eigenen Land bewarb man die tapferen und vaterlandsliebenden Soldaten, die sich für den "letzten guten Krieg" natürlich freiwillig melden und enthusiastisch ins Gemetzel stürzen. Auch die Tatsache, dass das US-Verteidigungsministerium Pearl Harbor wie keinen zweiten Film unterstütze und zwanzig Kriegsschiffe und Flugzeugträger spendete, sorgte für Aufsehen. Dafür nahm Bruckheimer wohl gern ein paar Drehbuchänderungen im Sinne des Pentagons in Kauf.
Am Ende reichte es für Pearl Harbor nicht für eine vordere
Platzierung in der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Der
Film gewann auch einen Oscar in der Kategorie "Beste Soundeffekte".
Ansonsten heimste er gleich sechs unschmeichelhafte Nominierungen für
die Goldene Himbeere ein. In der Kategorie "Schlechtestes Filmpaar"
wurden dafür ausnahmsweise sogar gleich drei Schauspieler nominiert.
Doch das Einspielergebnis von 449 Millionen US-Dollar überstieg die
ursprünglichen Ausgaben um das Dreifache und wird die damit finanziell
zufrieden gestellten Filmemacher letzten Endes in ihrer Arbeit
bestätigt haben. |