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Rosenstraße - Klischees und kein Ende?

Filmposter Rosenstraße
(Copyright: Studio Hamburg Letterbox)

Die Regisseurin Magaretha von Trotta bewarb ihren Film "Rosenstraße" im Vorfeld der Veröffentlichung und auch im Nachhinein mit dem Anspruch auf Authentizität. Zweifelsohne basiert der Film auch auf einer historischen Begebenheit. Jedoch lässt sie in ihrer fiktiven Erzählung keine Möglichkeit aus, die Zuschauer mit verbreiteten Klischees des Nationalsozialismus zu konfrontieren.

 

Die SS-Männer beschimpfen nahezu unentwegt die in Mischehen lebenden deutschen Frauen als Judenhuren. Die inhaftierten Juden werden als intellektuell oder als Künstler dargestellt und der „gute Nazi“, Arthur von Eschenbach, ist selbstredend ein junger, adeliger Offizier, der in Stalingrad ein Bein verloren hat und dafür das Ritterkreuz trägt. Er schlägt sich auf die Seite seiner Schwester, Lena Fischer, um sie bei ihrem friedlichen Kampf zur Freilassung ihres inhaftierten jüdischen Ehemanns zu unterstützen. Dies kritisierte bereits Wolfgang Benz, der Leiter des Berliner Instituts für Antisemitismusforschung, zeitnah zum Kinostart 2003 in der Süddeutschen Zeitung. Er geht mit seiner Kritik sogar noch weiter und schreibt: „Goebbels als Knallcharge, das ist gängig, wird immer wieder gerne gesehen und mag deshalb der Regie als dramaturgischer Effekt schlechthin in den Sinn geraten sein.“ Durch den Beischlaf mit dem Minister opfert sich die treue deutsche Frau, weil die Proteste der Frauen keine Wirkung erreichen. Daraufhin kommt es auf Anordnung von Goebbels zur Freilassung der inhaftierten Juden. Somit liegt die Interpretation von Benz nahe, dass die Regisseurin ihr ehrenvolles Anliegen entwertet, nämlich den Protest in der Rosenstraße in die Erinnerung einer breiten Öffentlichkeit der Gegenwart zu rufen. Denn auch unter Historikern gilt der Protest in der Rosenstraße als eines der wenigen Beispiele zivilen Ungehorsams gegen das NS-Regime.

 

Und genau diesen wollte von Trotta doch gewürdigt wissen. Dazu wich sie extra von ihrer ursprünglichen Idee ab, einige Einzelbeispiele protestierender Frauen zu verfilmen und die Einzelschicksale am Ende zusammenfließen zu lassen. Stattdessen inszenierte sie den Film auf zwei Handlungsebenen, gemeinsam mit einer jüdischen Drehbuchautorin. Gegenwart und Vergangenheit werden durch eine durchaus geschickt gestaltete Mutter-Tochter-Beziehung verknüpft: Durch den Tod ihres Ehemanns scheint Hannahs Mutter urplötzlich zur orthodoxen Jüdin geworden zu sein und trauert nach strengem jüdischem Ritual sieben Tage lang. Hannah wurde nicht streng jüdisch erzogen und ist irritiert vom Verhalten der Mutter, die ihr von ihrer Trauer befangen untersagt, eine nicht jüdischen Ehemann zu heiraten. Daraufhin begibt sich Hannah auf die Reise nach Berlin und beginnt in der Vergangenheit ihrer Mutter zu forschen. Dies macht sie anhand eines Fotos und ein paar spärlichen Informationen. So trifft Hannah schließlich die neunzigjährige Lena Fischer und bekommt von ihr die Geschichte ihrer Mutter im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Rosenstraße 1943 erzählt. Jetzt kann sie ihre Mutter verstehen und es kommt zum Happy End, sie darf ihren Verlobten heiraten.

 

Bei etwas überspitzter Betrachtung stören die aufgesetzt wirkenden Klischees und die mit Pathos überladene Inszenierung, wie beispielsweise sieben Tage Schiwa in New York und sieben Tage spontan Demonstration in Berlin. Der Vorwurf der Geschichtskittung ist jedoch insofern nicht haltbar, wenn man ein wenig vom Authentizitätsanspruch abrückt und dem Spielfilm die ihm eigenen Stilmittel der Dramaturgie gewährt. Rosenstraße hat in Medien und Wissenschaft eine heftige Debatte ausgelöst. Nicht nur die bei historischen Spielfilmen immer im Raum stehende Frage was ist authentisch und was ist fiktional, sondern vielmehr die Frage, ob der Protest in der Rosenstraße letztendlich zur Freilassung der inhaftierten Mischehen-Partner geführt habe, oder die Freilassung bereits vorher beschlossen worden war, ist Gegenstand der Diskussion. Lässt der der Film wirklich nur eine mögliche Interpretation der Geschehnisse zu?

 

Von Christian Dickel

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Redaktion
02.05.2010 10:11
 

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