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Schindlers Liste und der Kampf um Gut und Böse

Liam Neeson in der Rolle des Oskar Schindler
Liam Neeson als Oskar Schindler. (Copyright: Universal Pictures/Amblin Entertainment)


„Genauso war es, selbst die Details stimmen.“ So reagierte Ignatz Bubis, damals Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, 1994 auf die Filmpremiere von "Schindlers Liste". Mit seinem euphorischen Urteil war er dabei in guter Gesellschaft, das Echo auf den Film war immens und viele Prominente schlossen sich nach der Premiere seiner Meinung an.

 

Schindlers Liste hatte positiv überrascht, war man sich in der Kritik vorher doch sehr unsicher, ob man Steven Spielberg einen Film über den Holocaust zutrauen sollte. Schließlich hatte sich dieser bisher nur mit eher leichter Unterhaltung hervorgetan, verband man ihn doch mit Filmen wie E.T. – Der Außerirdische, Indiana Jones und Jurassic Park, an dem Spielberg noch während der Dreharbeiten zu Schindlers Liste arbeitete. Und so war man in Deutschland zunächst über die positive Resonanz aus den USA verwundert, die breite Masse der Kritiker schloss sich nach der Premiere in Deutschland dann jedoch an.

 

Doch es gab auch viel Kritik. Man stritt über die Machart des Films, über Spielbergs Authentizitätsanspruch und die Besetzung der Rollen. Oscar Schindler und Amon Göth seien sich zu ähnlich, so der Vorwurf, und die Darsteller seien austauschbar gewesen. Der Punkt ist nicht von der Hand zu weisen. Beide Schauspieler haben im Film nicht nur äußerliche Ähnlichkeit, der Eindruck ihrer Zusammengehörigkeit wird durch die Parallelmontagen noch unterstützt. Und möglicherweise hätte Liam Neeson auch den Göth und umgekehrt Ralph Fiennes den Schindler spielen können. Doch sind dies wirklich Schwächen des Films und der Schauspieler? Macht es nicht einen guten Schauspieler aus, verschiedene Typen überzeugend spielen zu können? Und wird die Ähnlichkeit der beiden Charaktere durch die Parallelmontagen von Spielberg nicht absichtlich erzeugt?

Ralph Fiennes in der Rolle des Amon Göth
Ralph Fiennes als SS-Offizier Amon Göth. (Copyright: Universal Pictures/Amblin Entertainment)

Was hier kritisiert wurde, scheint in Wahrheit vielmehr eine Stärke des Films zu sein. Denn hier wird deutlich, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen Leben retten und Leben vernichten, keine festen, sondern fließende sind. Und gerade die Erkenntnis, dass es trotz der Ähnlichkeit und Ambivalenz der Charaktere beiden möglich gewesen ist, sich für das Gute oder das Böse einzusetzen, wirft eine neue Frage auf: Warum versuchten nicht mehr Menschen, was Schindler versuchte? Dies entkräftet auch gleichzeitig die Argumente von Siegrid Löffler, dem es sauer aufgestoßen war, dass Spielberg hier eine Ausnahme verfilmte. Sie befürchtete, dass das Kino dadurch zum bequemen „Ablass“ würde, denn schließlich rette hier ein Deutscher Juden. 


Tatsächlich fand der Film jedoch große Zustimmung und wurde vielfach als Meilenstein und Meisterwerk gelobt. Spielbergs Entscheidung, den Film in schwarz-weiß zu drehen, kann zwar hinterfragt werden, dieser Aspekt macht jedoch aus einem guten Film nicht plötzlich einen schlechten. Lediglich das dramatisierte Ende, in dem ein weinender Schindler mit Selbstvorwürfen ringt, wirkt leicht überzogen und hätte möglicherweise weniger emotional dargestellt werden können. Insgesamt bleibt jedoch ein ergreifender Film, der auch 16 Jahre nach seinem Erscheinen seine Wirkung nicht verliert. 

 

Von Stephanie Nitsche

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Redaktion
09.05.2010 20:12
 

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