„Es war nicht vergebens…“
Unter dem Titel „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ entstand im Jahr 2005 unter der Leitung des Regisseurs Marc Rothemund bereits die dritte Verfilmung über den aktiven Protest der Widerstandsgruppe der „Weißen Rose“. Das Neue daran: Das Film basiert auf Originalprotokollen der Gestapo.
Schon 1982 verfilmten zwei weitere Regisseure die Geschichte der Münchener Studentengruppe, die mutig versuchte, der Bevölkerung die Augen zu öffnen und den Schrecken und Terror des nationalsozialistischen Regimes zu zeigen. Während Michael Verhoeven in seinem Werk die komplette Geschichte der "Weißen Rose" beginnend mit ihrer Gründung im Juni 1942 bis zu ihrem Ende im Februar 1943 thematisierte, änderte Percy Adlon im selben Jahr bereits den Blickwinkel und konzentrierte sich auf die letzten Tage der inhaftierten Sophie Scholl, die aus der Perspektive ihrer Zellengenossin geschildert werden. Auch Rothemunds neuer Film zeigt dem Zuschauer den letzten Akt ihrer kurzen Lebensgeschichte. Er setzt ein, als die Geschwister Hans und Sophie Scholl bei der Verteilung eines weiteren Flugblattes in der Münchener Universität erwischt und in Untersuchungshaft genommen werden. Nach intensiven Verhören durch die Gestapo gipfelt die Handlung im Schauprozess der Nationalsozialisten und der Urteilsvollstreckung.
Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Filmfassungen hatten die Produzenten von Sophie Scholl -Die letzten Tage einen entscheidenden Vorteil: Sie konnten sich an den Originalverhörprotokollen der Gestapo orientieren. Diese lagerten bis zur Wende in den Archiven der Stasi, sodass es Historikern erst nach 1990 möglich war, sie einzusehen und in ihren Forschungen zu berücksichtigen.
Herausgekommen ist ein über weite Strecken ungemein beklemmendes Kammerspiel, in dem sowohl Julia Jentsch als Sophie Scholl als auch Alexander Held in der Rolle des Verhör führenden Gestapo-Beamten Hans Mohr brillieren. Im einfachen Schuss-Gegenschuss-Verfahren entwickelt sich während der Vernehmung zwischen ihnen ein beeindruckendes Psychoduell, welches den Kern des Films ausmacht. Dreht es sich zunächst um die Frage von Sophies Beteiligung am Widerstand und Schuldfrage, so entwickelt sich dieser Zweikampf schließlich zu einer packenden Auseinandersetzung über freiheitliche und totalitäre Weltanschauungen.
Mit einer Länge von 116 Minuten zeigt der Film, wie eine junge 21-jährige Studentin voller Idealismus und Zivilcourage ihr Leben riskiert, um die Gesellschaft über das verbrecherische Regime aufzuklären. „Es war nicht umsonst…“, mit diesen Worten bringt es Julia Jentsch als Sophie Scholl selbst auf den Punkt.
Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter auch eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film, gelingt es Rothemund nicht nur an das Schicksal der jungen Opfer zu erinnern, sondern ebenso den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen. Fazit: Ein wirklich sehenswerter, lehrreicher und packender Film.
Von Torben Sauerland