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„Es lebe das heilige Deutschland“

Filmposter Valkyrie
(Copyright: United Artists)
Tom Cruise überzeugt als pathetischer Widerständler in „Valkyrie“

 

Kann ein amerikanischer Hollywoodschauspieler eine der bedeutendsten Figuren der NS-Widerstandsgeschichte spielen? Bryan Singer, Produzent und Regisseur von "Valkyrie", beantwortet diese Frage mit der Besetzung der Rolle des Claus Schenk Graf von Stauffenberg durch Tom Cruise eindeutig mit ja. Und man muss ihm trotz oder gerade wegen der vielen kritischen Stimmen im Vorfeld absolut zu seiner Wahl gratulieren. Cruise gibt einen authentischen Stauffenberg ab, der durch  schauspielerische Qualitäten und seine große äußere Ähnlichkeit zum Original überzeugt.

 

Die kontrovers diskutierte Zugehörigkeit des Schauspielers zur Scientology-Sekte rückt dabei vollkommen in den Hintergrund. Singer, der als Regisseur mit Die üblichen Verdächtigen 1996 seinen Durchbruch schaffte und mit den X-Men-Filmen in den vergangenen Jahren Millionen an den Kinokassen einspielte, widmete sich erstmals einem stark historisch geprägten Plot. Valkyrie wurde jedoch nicht als Dokudrama oder Historienfilm, sondern als Thriller angekündigt. Dadurch ersparte er sich von Beginn an kritische Stimmen übereifriger Historiker, die sich an Detaildarstellungen stören könnten. Ihm war die künstlerische Freiheit, Kleinigkeiten verändern zu können zwar besonders wichtig, doch letztlich hielt er sich in den wesentlichen Handlungssträngen an die historisch überlieferten Fakten. Diese inszenierte Singer nach üblicher Hollywoodmanier. Die Liebe zwischen Stauffenberg und seiner Frau bekommt mehr Platz eingeräumt, als in einem Film über den 20. Juli zu erwarten wäre. Auch die übliche Prise Pathos, die von den Verschwörern im Bendlerblock ausgeht, wird ein wenig zu breit gestreut. Die Verräter, die das Attentat auf Hitler planen, werden dadurch insgesamt zu sehr heroisiert und ihr Mitwirken an vorherigen NS-Verbrechen zu keinem Zeitpunkt angedeutet oder gar hinterfragt.

 

Stauffenberg wird gleich zu Beginn als kluger Militärstratege und Vaterlandsretter eingeführt. Ein Protagonist, mit dem sich der Zuschauer identifizieren kann. Erst recht nachdem Stauffenberg nach einem Luftangriff in Nordafrika der Arm amputiert werden muss und er ein Glasauge bekommt. Als liebevoller Vater, der seine Familie einige Monate später bei einem Luftangriff auf Berlin in den Bunker führt, schmiedet er schließlich den Plan Hitler zu töten und dessen eigenen Notfallplan zur Machtergreifung des Widerstandes umzufunktionieren.

 

Cruise versteht es den Intriganten als Gentleman zu präsentieren, der für das höhere Wohl der deutschen Bevölkerung kämpft. Besonders deutlich wird dies, als Stauffenberg kurz vor seiner Erschießung „es lebe das heilige Deutschland“ brüllt und im Wissen, das Richtige getan zu haben, in den Tod geht. Seine Gegenspieler in Berlin und in der Wolfsschanze, der Anlage, in der sich Hitler und viele seiner engsten Vertrauten aufhalten, werden zumeist arrogant, cholerisch und unsympathisch dargestellt und somit bewusst ein Schwarz-Weiß-Denken beim Publikum ausgelöst. Hitler selbst, gespielt von David Bamber, wirkt fahrig und nahezu lächerlich in seinem Auftreten. Das ständig wiederkehrende Motiv des Hitlerporträts erinnert jedoch immer wieder an den außergewöhnlichen Respekt, den Hitler bei der deutschen Bevölkerung und vor allem in Militärkreisen genoss und auch im Film genießt. So scheitert der Stauffenberg-Plan in letzter Konsequenz nicht am missglückten Attentat auf den Führer, sondern an der Zögerlichkeit der Mitverschwörer, die durch die Angst vor der Rache Hitlers begründet ist. Am Ende steht somit der Sieg des Bösen über das Gute aber auch die Gewissheit, dass es einen aktiven Widerstand in Deutschland gab, der sich dem Nazi-Regime entgegen gestellt hat.

 

Von Mirko Heuping

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Redaktion
04.04.2010 11:03
 

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