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Backpacker-Tour entlang der spanischen Küste

Pinien an der Küste.
Pinienhain an der Costa De La Luz.
Wer kennt nicht den berühmt-berüchtigten Strandurlaub in Spanien. Erholung solcher Art ist notwendig - allerdings keinen Reisebericht im UNIversum wert. Um vom "Strandurlaub" erzählen zu können und auch Land und Leute intensiver zu erleben, ist eine andere Gestaltung des Urlaubs vonnöten. Ein Redakteur dieses Magazins hat das Wagnis solch einer Reise unternommen.

Sanft umspült das kalte Wasser des Atlantiks meine Füße. Der feine Sand rieselt, aufgewühlt in der Brandung der See, zwischen meinen Zehen hindurch. Ein letzter Knoten – und dann baumeln die Wanderschuhe auch schon am Rucksack. Barfuss wandern wir von nun an entlang der Küste Spaniens, stets möglichst nah am Wasser, denn hier bildet der Sand auf Grund der Feuchtigkeit einen festen, leicht begehbaren Untergrund…

Im Jahr 2007 wagte ein guter Freund mit mir das Experiment einer Backpacker-Tour entlang der spanischen Küste. Also tatsächlich mit Wanderschuhen und Rucksack am Strand unterwegs. Wichtig hierbei ist die richtige Jahreszeit und den richtigen Küstenabschnitt zu wählen.

Im Sommer sind die spanischen Strände bekanntlich überlaufen, im Herbst ist die Halbinsel verbraucht und erschöpft von der Saison und im Winter ist es selbst in Spanien vielerorts zu kalt für einen Wanderurlaub. Bleibt also der Frühling als ideale Reisezeit. Größtenteils an der Küste unterwegs, werden wir auch von den frostigen Frühjahrsnächten Zentralspaniens nichts mitbekommen (bei Toledo, zentral in Spanien gelegen, habe ich erlebt, wie Eisschollen den Rio Tajo herab trieben). In der Nebensaison gibt es überdies von einem irischen Billigflieger angebotene 1-Cent-Flüge, die sich mit Gebühren auf etwa 10 € belaufen. Im Sommer verteuern sich diese dann auf wundersame Weise.

Auch bei der Wahl des Reisegebiets sollte man genau überlegen, wohin man sich begibt. Die spanische Küste ist zumeist stark übervölkert und bebaut und für mehrtägige Wandertouren nicht geeignet. Ausnahmen sind hier die Rías Gallegas, die Costa de la Luz und die Costa de Almería, die relativ unberührte Abschnitte zu bieten haben und auch Küsten-Naturparks beherbergen.


Aussenansicht einer Kirche.
Zielort zahlloser Pilgerer: die Kathedrale von Santiago.

Rías de Galicia: von Santiago zum "Ende der Welt"

Santiago de Compostela, das Ziel zahlloser Pilger, sollte als Startpunkt unserer Spanienreise dienlich sein. Unmittelbar nach der Ankunft suchten wir selbstverständlich die Kathedrale der nordspanischen Stadt. Nach der vorübergehenden Verwechslung mit einem anderen Gotteshaus fanden wir sie moos- und farnbewachsen am Plaza Major. Imposant in der Größe, grazil im Detail, beeindruckte das Gotteshaus vor allem auch durch seine vergoldete Innenausstattung. Vermutlich wirkt sie noch beeindruckender, wenn man als Pilger Tage und Wochen gereist ist, um sie zu sehen, was wir von uns noch nicht behaupten konnten.

Jedoch, das galizische Provinzhauptstädtchen hat weitaus mehr zu bieten: die historische Altstadt bildet ein sehr harmonisches Bild aus großen braun-grauen Quadersteinen und weißen Tür- und Fensterrahmen, vor allem die großen Fensterfronten in den Obergeschossen sind charakteristisch.

Santiago beherbergt eine lebendige Kneipenszene. Das für den einen oder anderen Gaumen etwas wässrige und fade spanische Bier kostet um die 1,50 € inklusive Tapas. Bei dieser spanischen Spezialität sind dem Wirt keine Grenzen gesetzt: belegte Brotstückchen, Suppen oder kleine Fleischmahlzeiten werden als Snack stets zum Bier serviert.

Halbinsel Ribeira

Steinige Küste, im Vordergrund Kiefern, im Hintergrund eine Halbinsel.
Blick entlang der zerklüfteten Rías Gallegas.

Die Rías Gallegas (galizische Flussmündungen) zeichnen die spanische Küste von Portugal bis zur asturischen Grenze und formen etliche zerklüftete Meeresarme, Buchten und Halbinseln. Die größte dieser Halbinseln ist Ribeira. Sie wollten wir in den nächsten Tagen durchwandern.

Mit dem Bus fuhren wir noch am Tag der Ankunft in Spanien zum Hafenstädtchen Santa Uxía an der Südküste der Halbinsel, wo wir direkt am Strand unsere erste Nacht verbrachten. Der Westwind vom Atlantik her war so heftig, dass der Zeltaufbau sich als vergebliches Unterfangen erwies. Die milden Temperaturen und eine relative Trockenheit erlaubten es uns aber, unter freiem Himmel zu nächtigen.

Erste Etappe der dreitägigen, insgesamt etwa 20 km langen Ribeira-Durchquerung waren die 500 Höhenmeter zum markanten Aussichtspunkt Mirador de La Curota, von dem sich uns ein weiter Blick entlang der Küste bot. Die weitere Strecke verlief auf Feldwegen und steinigen Pfaden stets Richtung Norden. Das Hügelland türmte sich zuweilen zu schroffen Gipfeln und steinigen Graden auf, zwischen denen sich feuchte Hochweiden und Kiefernwälder erstreckten.

Das Idyll wird etwas überschattet vom skrupellos betriebenen Bau zahlloser Windkraftwerke auf den Berggipfeln und die von allsommerlichen Waldbränden zerstörten Waldflächen.

Steinige Küste und sandige Bucht.
Bedrohliche Wolkenfront über dem bizarren Cabo Finisterre.

Cabo Finisterre

Von der Nordküste Ribeiras aus kamen wir vor allem per Bus voran. Wenn sich uns eine kleine Halbinsel bot, bei der die Küstenstraße etwas weiter im Landesinneren verlief, bewanderten wir diese. So errechten wir über die Städtchen Noia, Muros, Cee und Fisterra nach weiteren drei Tagen und 100 km das Cabo Finisterre (oder auch Cabo Fisterra).

Dieses Kap ist - abgesehen vom portugiesischen Cabo da Roca - der westlichste Punkt des europäischen Festlandes und galt vor der Entdeckung der neuen Welt durch Kolumbus als das Ende der Welt. Das Kap selbst ist weniger spektakulär und stark bebaut, aber der ideale Punkt, um einen spanischen Espresso zu sich zu nehmen. Die naheliegende Steilküste dagegen ist unberührt und sehr imposant und liegt tatsächlich noch etwas westlicher als das Kap selbst.

Nach dem anstrengenden Aufstieg bot sich uns ein atemberaubender Blick von den Klippen. Wind und durchdringender Nieselregen peitschten uns entgegen und weit unter uns donnerten die Fluten des Atlantiks ungestüm gegen die westlichten Gestade Spaniens – noch lange gaben wir uns der Wildheit und Einsamkeit hin, um später im nahegelegenen Kiefernforst unser Zelt aufzuschlagen.

Cabo Finisterre war auch für unsere Galizientour der Endpunkt. Am nächsten Tag reisten wir per Bus, diesmal durch das Landesinnere, zurück nach Santiago. Hier zogen wir nach einer Woche im Zelt ins Hotel ein und beendeten unseren gemeinsamen Urlaub mit einer ausgiebigen Kneipentour durch den christlichen Pilgerort. Ja, von nun an ging es für mich allein weiter, mein Freund hatte als Zivildienstleistender nur eine Woche Urlaub und flog am nächsten Tag zurück nach Deutschland.

Costa de la Luz: Von Cádiz bis zur Südspitze Europas

Eine Kuh am Strand, dahinter das Meer.
Strandbesucher der Nebensaison.

 

Spaniendurchquerung. Die Temperaturen in Galizien waren zwar sehr mild, das Wetter allerdings mehr regnerisch und bewölkt als sonnig. Von einem Spanienurlaub hatten wir uns eigentlich etwas anderes erhofft. Mein Ziel war daher Andalucia, die südliche Provinz Spaniens. Das bedeutete eine über 1000 km lange Busreise quer durch Spanien. Dabei besuchte ich das urtümliche Nord-Portugal, die jugendliche Universitätsstadt Salamanca, die Weltmetropole und Hauptstadt Madrid, das kleine mittelalterliche Toledo, die Maurenstadt Córdoba, das mediterrane Sevilla und den Atlantikhafen Cádiz und benötigte insgesamt 10 Tage. Also eine interessante, aber auch stressige Städtetour, an deren Ende ich erleichtert war, wieder am beruhigenden Wellenschlag des Atlantiks zu weilen.

Steine, Sand und Meer.
Küstenimpressionen an der Costa de la Luz.
Strand mit Berg und Meer.

Die Costa de la Luz stellt die Atlantikküste im Süden Spaniens dar. Sie hat einige gering besiedelte Abschnitte zu bieten. Besonders interessant ist die Strecke von Cadiz bis Tarifa, meine nächste Küstenetappe. Die über 100 Kilometer lange Strecke ist je nach Wandergeschwindigkeit in ein bis zwei Wochen zu bewältigen. Ich war hier zehn Tage unterwegs.

Am Abend, nach der Stadtbesichtigung in Cádiz, fuhr ich mit dem Bus in den nahegelegenen Küstenort Conil de la Frontera, um die Flussmündungen und Vorstädte bei Cádiz zu umgehen. "Frontera" ist im Namen enthalten, weil hier vor über 500 Jahren die Grenzregion zwischen den christlichen Reichen und dem maurischen Granada lag.

Die nächsten Tage war das Wetter sehr trocken und sehr warm und viele Kilometer Sandstrand lagen vor mir. Ich entledigte mich meiner Wanderschuhe und wanderte barfuß. Jenseits des Strands befanden sich Weiden, die zu sanften, mit mediterranem Buschwerk bewachsenen Hügelketten heraufkletterten. Bis zum Cabo Trafalgar kann man auf diese Weise vorankommen. Auf dem überschaubaren Felsens des Kaps befindet sich ein alter Leuchtturm, der noch immer in Betrieb ist.


Untergehende Sonne über Meer neben Klippen.
Durch die Westausrichtung der Costa de la Luz, bieten sich allabendlich romantische Sonnenuntergänge.

Außer der Tatsache, dass Trafalgar durch die wichtige Seeschlacht zwischen Napoleon Bonaparte und den Engländern unter Lord Nelson in die Geschichte und auch ins Londoner Stadtbild eingegangen ist, ist es weniger spektakulär. Umso erwähnenswerter ist  jedoch die benachbarte Steilküste. Hier heißt es, wieder in die Wanderschuhe steigen, denn ein steinig-sandiger Wanderweg führt in schwindelnder Höhe an den Klippen entlang. Das Gebiet ist Naturpark und bis Barbate dicht mit Kiefern bewachsen. Barbate konnte im Unterschied zu den Touristenorten Los Caños de Meca und Zahara de los Atunes seine Urtümlichkeit weitestgehend bewahren. Im Hafen liegen alte Fischerbote und die runtergekommenen Hafengassen beherbergen zwielichtige Kneipen.

Bis Tarifa geht es mit Ausnahme einer Unterbrechung weiter direkt am Strand – barfüßig.

Strassenmusikanten in Malaga.
Zigeuner musizieren in den Straßen von Malaga.

Tarifa

Tarifa ist die südlichste Stadt des europäischen Festlandes und bildet somit den Scheidepunkt zwischen Mittelmeer und Atlantik. Auf der Straße von Gibraltar kreuzen ständig riesige Containerschiffe. Hinter dieser schier endlosen Kette von Schiffen ragen die Berge von Afrika empor. Kleine marokkanische Ortschaften kleben an den trocken-staubigen Hängen des Er-Rif-Gebirges. Eine halbe Stunde dauert die Überfahrt mit der Fähre zum anderen Kontinent, das hob ich mir für das nächste Mal auf.

Tarifa selbst hat eine Altstadt aus maurischer Zeit und zum Atlantik hin Strände, die sich bei Wind- und Kita-Surfern großer Beliebtheit erfreuen. Die Küste ist im "Parque Natural del Estrecho" geschützt.

Von Tarifa bis Algeciras führt ein schöner Feldweg innerhalb dieses Naturparks entlang der steinigen Küste. Nach einer Nacht in Tarifa entschied ich mich jedoch, per Bus durch das Landesinnere nach Algeciras zu fahren, da ich nunmehr bereits 26 Tage in Spanien war und noch die Costa de Almería besuchen wollte.

Algeciras, eine wichtige Industrie- und Hafenstadt, liegt an einer Bucht gegenüber von Gibraltar. Das "Affen-Anschauen" auf Gibraltars Felsen sparte ich mir aus und reiste wiederum per Bus weiter nach Málaga, von dort nach einer Übernachtung weiter entlang der steilen, dicht bebauten Costa del Sol nach Almería.

Costa de Almería

Turm auf Berg an Meer.
Ein römischer Wachturm, drohend über der Costa de Almaría.

Cabo de Gata. Von Almería aus nahm ich noch am gleichen Tag den Bus zum Ort Cabo de Gata (nach dem gleichnamigen Kap benannt), um den Ballungsraum der Stadt hinter mich zu bringen. Hier wurde ich Opfer meiner geringen Spanischkenntnisse: Fleisch, das ich in Almería gekauft hatte und nun zubereitete, stellte sich als Hammel heraus und war kaum zu genießen.

Am nächsten Tag begann die Wanderung. Ein Küstenabschnitt von ca. 75 Kilometern, fast gänzlich frei von Straßen und nur über Feld- und Wanderwege begehbar, lag vor mir. Bis zum Beginn der Küstenstraße bei Agua Amarga (und somit dem Endpunkt der Wandertour) befinden sich lediglich zwei Ortschaften an der Küste: San José und Las Negras. Die einzigen Einkaufsmöglichkeiten – Essen und Wasser mussten also stets für zwei Tage getragen werden.

Die fünf Kilometer bis zum eigentlichen Cabo de Gata ist die Küste flach, und grauer grobkörniger Sandstrand erstreckt sich hier. Ab dem Kap wird die Küste steil und schroff und nur ab und an fand ich kleine sandige Buchten. Die Gegend ist sehr trocken, bizarr, steinig und spärlich bewachsen. Gelegentlich finden sich in den Tälern oasenartige Baumgruppen, andernorts erstrecken sich welke Agavenwälder.

Felsen im Meer.
Schäumend brandet das Meer an den messerscharfen Felsnadeln am Cabo de Gata.

Das Cabo de Gata selbst ist auf Grund einer Wetterstation nicht komplett betretbar. Spitze Felsnadeln ragen hier aus dem Wasser, an denen sich die Wellen in weißem Schaum brechen.

Die gesamte Küste entlang finden sich Kastelle und in spektakulärer Höhe gelegene Fluchttürme zumeist aus der Römerzeit, die als Schutz vor Seeräubern dienten. Eine dieser Ruinen im Tal von San Pedro ist fest in der Hand von Hippies. Ungefähr 25 Menschen leben hier seit teilweise über 15 Jahren in Höhlen, Hütten und Zelten.

In den letzten Tagen an der Costa de Almería regnete es unüblicherweise ausgiebig, was die Einheimischen verwunderte und erfreute. Ich allerdings hatte mit dem Wetter zu kämpfen, vor allem weil ich in der Nacht, als das erste Gewitter über mich hereinbrach, lediglich mit Moskito-Netz auf einer Bergkuppe gelagert hatte.

Heimreise

Nach einer Woche erreichte ich somit etwas durchweicht die Küstenstraße. Das Wandern hatte hier sein Ende. Zwar war ich mit einheimischen Spaniern, überwinternden Hippies und Touristen aller Herren Länder im Gespräch, teils auch unterwegs, gewesen – trotzdem war ich nach einem Monat ohne festen Reisepartner und insgesamt fünf Wochen auf Tour erschöpft und auch übersättigt an Eindrücken. Von Águilas – der nächsten größeren Stadt – nahm ich den Zug über Murcia und Alicante nach València, die Costa Blanca und Costa de València entlang.

Am nächsten Tag gelangte ich per Bus nach Barcelona. Nach einer schlaflosen Nacht in Barcelona unter "mäßigen" Verhältnissen (denn das finanzielle Budget hatte nur noch für Essen und das Busticket gereicht – nicht aber für eine weitere Hotelübernachtung), verließ ich am nächsten Tag die Stadt. Die 25-stündige Busfahrt nach Frankfurt beendete meine Tour.


Text und Bilder: Andreas David Grubert

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Redaktion
20.07.2007 13:12
 

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